Startelf-Debütant Bender Mit aller Seelenruhe zum Matchwinner

Diesen Lars Bender kann man überall hinstellen: Als Ersatzmann ins Spiel gekommen, erzielt der Leverkusener gegen Dänemark den Siegtreffer für die DFB-Elf. Bei seinem Tor reagiert er gedankenschnell auf einen Zuruf eines Kollegen. Bekommt er jetzt auch gegen die Griechen seine Chance?

Aus Lemberg von Thomas Hummel

Die Trainer wissen nicht so recht, was sie mit diesem Lars Bender anstellen sollen. Bei Bayer 04 Leverkusen besetzt er zumeist die Position des Sechsers im Zentrum des Platzes, beim TSV 1860 München hatte er früher als der stürmischere Bender gegolten; er spielte im offensiven Mittelfeld vor seinem Bruder Sven.

Langer Weg zum Torerfolg: Nach einem 70-Meter-Sprint schießt Lars Bender die DFB-Elf zum 2:1.

(Foto: dpa)

Als dann in der Abwehr Not herrschte, übernahm Lars Bender plötzlich die Rolle des Innenverteidigers. Vielleicht war es da nur folgerichtig, dass er sein erstes Länderspiel von Beginn an als Rechtsverteidiger absolvieren würde. Und dass dieser vielseitige Kerl aus Brannenburg in Oberbayern auch noch die Rolle des Matchwinners einnahm.

Eigentlich wollte er in der entscheidenden Szene gar nicht so schnell und so weit laufen. Doch es bot sich eine Kontersituation und sein Kompagnon auf der Seite, Thomas Müller, rief ihm von etwas weiter zu, er solle durchziehen. Lars Bender zog dann durch, er lief 70 Meter nach vorne bis hinein in den gegnerischen Strafraum, wo ihn ein Pass von Mesut Özil erreichte - Miroslav Klose war freundlicherweise am Ball vorbeigerutscht. Woraufhin Lars Bender das tat, was er sehr gut kann: Er blieb cool und schoss den Ball zum 2:1 ins Eck.

Der 23-jährige Leverkusener war im Vergleich zu den ersten beiden EM-Spielen die einzige Neuigkeit in der Startelf. Seine Vielseitigkeit ließ ihn durch das einzige Nadelöhr, das die deutsche Mannschaft bislang bei dieser EM für Reservisten bot, auf den Platz des gesperrten Jérôme Boateng rutschen.

Eigentlich war Benedikt Höwedes als Ersatzmann für diese Position mitgeflogen nach Osteuropa, doch der Schalker hatte sich beim Testkick in der Schweiz (3:5) zu viele Aussetzer erlaubt; das Vertrauen des Trainerteams war dahin. Und weil sich Lars Bender im Training sehr ordentlich anstellte rechts hinten, zog ihn Bundestrainer Joachim Löw vor. Trotz bisher nur 16 Bundesliga-Minuten des Neulings auf dieser Position im Bayer-04-Dress.

Allerdings hatte Bender keinen guten Einstieg in sein Premierenspiel. Bei den Ecken der Dänen wartete am hinteren Strafraumeck stets Nicklas Bendtner, er ist 1,95 Metern groß und fliegt robust wie eine Abrissbirne in den Kopfball. Als sein Bewacher war tatsächlich Lars Bender eingeteilt: zwölf Zentimeter kleiner und nicht gerade in dem Ruf, eine Abrissbirne stoppen zu können. Zweimal verlor Bender denn auch das Duell, das zweite ging dem 1:1 der Dänen voraus.

Bender war die Nervosität anzusehen, sein Spiel kannte nur zwei Richtungen: quer und zurück. Immerhin wurde er nach dem 1:1 von dieser Kopfball-Aufgabe gegen Bendtner erlöst und durfte sich auf andere Dinge konzentrieren. Zum Beispiel Zweikämpfe gewinnen und einen zuverlässigen Pass nach vorne spielen. Nach der Pause versuchte er, sich häufiger nach vorne einzubringen, was in der 80. Minute mit dem entscheidenden Lauf in den Strafraum endete. Er bestätigte damit, was seine bisherigen Trainer alle behaupteten: Diesen Lars Bender kann man überall hinstellen.

Entsprechend selig ließ sich Bender nachher vernehmen. "Das ist ein absoluter Freudentag für mich", sagte der junge Matchwinner. "An den Tag werde ich noch lange, lange zurückdenken." Und Bundestrainer Joachim Löw lobte ihn: "Er macht das Tor mit aller Seelenruhe, er ist ein Siegertyp."

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