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Start der englischen Liga in Gefahr:Der Mob tobt - der Ball ruht

Der Krawall und die Folgen: Nach der Absage des Länderspiels zwischen England und den Niederlanden steht jetzt auch der erste Spieltag der Premier League an diesem Wochenende auf der Kippe. Experten ziehen bereits Parallelen zwischen den Ausschreitungen und Hooliganismus - der Fußball könnte eine neue politische Dimension bekommen.

Die Ausschreitungen der vergangenen Tage mögen ganze Häuserzeilen in Schutt und Asche gelegt haben, doch das Selbstverständnis der anständigen Mehrheit auf der Insel haben sie unberührt gelassen. Mit einem Gleichmut, den die Beteiligten selbst als "sehr britisch" preisen, haben freiwillige Schaufel-und-Besen-Bataillone in Clapham, Hackney und Birmingham den Schaden wieder aufgeräumt, während sich andere landestypisch in schwarzen Humor flüchteten.

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Tottenham-Stürmer Peter Crouch (li.) und seine Teamkameraden könnten am kommenden Samstag frei haben - wenn in England der Ligastart verschoben wird.

(Foto: AFP)

Die Zerstörungswut würde spätestens zum Wochenende aufhören, ging ein via Twitter verbreiteter Witz - wenn alle Randalierer auf ihren neuen Plasma-Fernsehern Fußball schauten.

Diese Rechnung droht allerdings nicht ganz aufzugehen. Nach der Absage des für Mittwochabend geplanten Länderspiels zwischen England und den Niederlanden steht jetzt auch der erste Spieltag der Premier League auf der Kippe. Speziell die drei am Samstagnachmittag terminierten Matches in der Hauptstadt (Queens Park Rangers gegen Bolton, Fulham gegen Aston Villa und Tottenham Hotspur gegen Everton) sind zusammen mit sechs unterklassigen Partien in London stark gefährdet.

Der Polizei an der Themse würden momentan schlichtweg die Ressourcen fehlen, heißt es, da für jedes Spiel in etwa hundert Beamte abgestellt werden müssten: "Die Premier League und die Football League sind betroffen von den jüngsten Bürgerunruhen", verkündete ein Sprecher der Ligen am Dienstagabend.

Weiter hieß es: "Wir befinden uns in laufenden Diskussionen mit der (Londoner) Polizei, alle Parteien werden die Situation am Donnerstag bewerten und eine weitere Stellungnahme abgeben." Es gebe keinen Grund, Spiele außerhalb von London als gefährdet zu betrachten, so der Sprecher, allerdings hatte sich diese Einschätzung nach den Vorkommnissen in Manchester, Wolverhampton, Birmingham und Bristol in der Nacht zum Mittwoch schon wieder überholt.

In London selbst blieb es nach drei Tagen Anarchie am Dienstag relativ ruhig. In Tottenham, wo die Unruhen am vergangenen Samstag ihren Ursprung nahmen, mag derzeit trotzdem niemand an Fußball denken. Ein Kartenverkaufsschalter vor dem Spurs-Stadion an der White Hart Lane wurde zerstört; nur 200 Meter südlich brannte ein großes Gebäude mit einem Teppichladen und 33 Wohnungen nieder, 25 Familien wurden obdachlos. "Ich frage mich, ob die Ligaspiele am Wochenende stattfinden können", sagte Tottenham-Mittelfeldspieler Rafael van der Vaart, "im Moment kann ich mir das nicht vorstellen."

Ausschreitungen in England

"Die Grenze ist überschritten"