Nach Tod von Agyemang Diawusie: "Ruhe in Frieden Agy"

Nach Tod von Agyemang Diawusie: In Gedenken an Agyemang Diawusie: Elias Huth erinnert nach seinem Elfmetertreffer an seinen verstorbenen Mannschaftskameraden, der beim Jahn die Rückennummer 24 trug.

In Gedenken an Agyemang Diawusie: Elias Huth erinnert nach seinem Elfmetertreffer an seinen verstorbenen Mannschaftskameraden, der beim Jahn die Rückennummer 24 trug.

(Foto: Sasche Janne/Imago)

Jahn Regensburg bleibt Tabellenführer der dritten Liga, doch das Sportliche rückt in den Hintergrund. Der Klub nimmt eindrucksvoll Abschied von seinem verstorbenen Spieler Agyemang Diawusie.

Von Linus Freymark

Die erste Halbzeit war zur Hälfte gespielt, da erhoben sich die Zuschauer von ihren Sitzen und applaudierten. Sportlich gab es dazu keinen Anlass, der SSV Jahn Regensburg versuchte sich gerade erfolglos daran, durch eine Ecke Torgefahr zu erzeugen. Kein Anlass für Applaus. Aber die Zuschauer klatschten, weil auf der Anzeigetafel das Foto von Agyemang Diawusie eingeblendet wurde. In Schwarz-weiß. Exakt 24 Minuten waren da gespielt im winterlichen Regensburg.

Die 24 war die Rückennummer von Diawusie. Am vergangenen Dienstag ist der Offensivmann in den Reihen des SSV Jahn im Alter von 25 Jahren gestorben, laut Verein "an einem plötzlichen Herztod, mutmaßlich ausgelöst durch einen viralen Infekt mit Verdacht auf Herzmuskelentzündung". Sein letztes Pflichtspiel hatte Diawusie Anfang November beim 1:0-Erfolg der Oberpfälzer in München beim TSV 1860 bestritten. Nach knapp 40 Minuten musste er erschöpft vom Feld, schon da war Diawusie nach Angaben seines Beraters gesundheitlich angeschlagen gewesen.

Nach dem Tod des Angreifers hatte der Verein in Absprache mit Diawusies Angehörigen und der Mannschaft beschlossen, dass die Partie gegen die Reserve des SC Freiburg stattfinden sollte. Man wolle das Spiel "im besonderen Gedenken" an den Verstorbenen abhalten, hatte Sportchef Achim Beierlorzer verkündet. Dementsprechend rückte der Sport in den Hintergrund. Stattdessen: Kerzen vor dem Stadion. Stille beim Einlaufen. Trauerflors an den Armen der Spieler. Eine Schweigeminute vor dem Anpfiff. Tränen bei so manchem Jahn-Akteur. Und die Hans-Jakob-Tribüne, auf der an normalen Spieltagen die Vereinsfarben rot und weiß dominieren, war größtenteils in Schwarz gehüllt, die Farbe der Trauer. Am Zaun zum Spielfeld hatten die Fans ein Banner angebracht. "Ruhe in Frieden Agy", war darauf zu lesen, dazu das Trikot mit der 24. Nach Schlusspfiff liefen im Stadion Lieder aus der persönlichen Playlist von Diawusie.

Über die drei Punkte herrscht wenig Freude bei Regensburg

"Das ist eine fürchterliche Situation", erklärte Beierlorzer kurz vor Anpfiff bei Magentasport. Und wenn ein Verantwortlicher des aktuellen Tabellenführers solche Worte wählt, ist klar: An Fußball dachte der Regensburger Sportchef in diesem Moment am allerwenigsten. Auch Trainer Joe Enochs war im Vorfeld nur bedingt auf das Spiel gegen Freiburg II fokussiert. Es sei schwierig, sich auf das Spiel vorzubereiten, hatte er am Freitag erklärt.

Trotz der tragischen Umstände legten die Regensburger gegen die Reserve des SC Freiburg zunächst gut los und schossen Jaaso Jantunen, den Torwart der Gäste, warm. Ein Doppelschlag brachte die Oberpfälzer dann in Führung: Zunächst verwandelte Elias Hutz einen streitbaren Foulelfmeter und präsentierte beim Torjubel ein T-Shirt mit der 24 unter seinem Trikot (34. Minute). Zwei Minuten später traf Dominik Kother nach einem Freistoß. Kurz vor der Pause fing sich der Jahn durch einen abgefälschten Schuss von der Strafraumkante von Berkay Yilmaz den Anschlusstreffer (40. Minute) ein. Nach einer knappen Stunde legten die Gäste nach und glichen durch Patrick Lienhard aus. Danach zeigte sich der SSV Jahn wieder etwas engagierter in den Duellen um den Ball und ging nach 76 Minuten wieder in Führung: Mit feinem Fuß hebelte Kother die Freiburger Abwehr aus und legte quer, Noah Ganaus schob zum 3:2 ein.

Mit dem Sieg gegen den Tabellenletzten bleibt der Jahn Tabellenführer und hat nun sechs Punkte Vorsprung auf Verfolger Dynamo Dresden. Obendrein haben die Regensburger mit dem zehnten Sieg in Serie einen Ligarekord eingestellt. "Ich bin sehr stolz auf die Jungs", erklärte Verteidiger Benedikt Saller. Trainer Joe ENochs zeigte sich etwas kritischer. Es sei "nicht unser bestes Spiel gewesen", analysierte er. Dass man trotz des zwischenzeitlichen Ausgleichs noch das dritte Tor erzielt habe, zeige, "dass wir immer an uns glauben". Damit war die von Beierlorzer ausgegebene Mission für Sonntag erfüllt. Man wolle "für Agy heute drei Punkte holen", hatte der Regensburger Sportchef vor dem Spiel erklärt. Das ist gelungen. Aber allzu große Freude kam darüber nicht auf in Regensburg.

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