Sport kompakt:Rummenigge vergleicht Blatter mit Mubarak

Bayern-Boss sorgt mit drastischem Vergleich für Aufregung, Greuther Fürth holt sich Tabellenführung in der 2. Bundesliga, Bundestrainer Joachim Löw nominiert Per Mertesacker für Länderspiele gegen Österreich und Polen, in Italien wird der erste Spieltag wegen Streiks abgesagt.

Sport kompakt

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vom deutschen Fußball-Rekordmeister Bayern München hat den Fifa-Präsidenten Joseph Blatter erneut scharf kritisiert. Rummenigge forderte von Blatter einmal mehr die schnelle Umsetzung von Reformen im Weltverband und zog dabei einen drastischen Vergleich zwischen dem Fifa-Boss und dem ägyptischen Ex-Staatschef Husni Mubarak. "Mubarak hätte sich vor einem Jahr auch nicht vorstellen können, dass er aus dem Amt gejagt würde. Blatter hat kein gutes Image. Der Fifa-Präsident muss die Verantwortung für das übernehmen, was in seinem Laden passiert. Es liegt an ihm, dass es dort korrekt, seriös und sauber zugeht", sagte Rummenigge in einem Interview mit dem Schweizer Wirtschaftsmagazin Bilanz.

Karl-Heinz Rummenigge.

Drastische Wortwahl: Bayern-Präsident Karl-Heinz Rummenigge.

(Foto: AFP)

Laut Rummenigge wäre Blatter gut beraten, schnell zu handeln, "bevor das sein Nachfolger macht oder bevor eine Revolution von außen kommt. Denn eine Revolution von außen bringt mit Sicherheit große Irritationen und Probleme. Die innere Revolution kann nur von Blatter eingeleitet werden. An seiner Stelle würde ich das tun. Wenn ich etwas nicht verhindern kann, mache ich es lieber selbst", sagte der Präsident der European Club Association (ECA). Sollten Reformen ausbleiben, droht Rummenigge sogar mit einer Abspaltung der Klubs von den Kontinentalverbänden. "Die Klubs sind unzufrieden. Fifa und Uefa brauchen die Klubs, um eine WM und eine EM zu spielen. Aber die Klubs brauchen beide nicht. Theoretisch können wir Bundesliga und Champions League spielen - auch ohne Verbände", sagte Rummenigge.

Nächster Jubel in Fürth, Erleichterung in Duisburg und Ingolstadt: Mit dem fünften Sieg in Serie hat Fußball-Zweitligist SpVgg Greuther Fürth zu Beginn des 6. Spieltags die Tabellenführung übernommen. Die Franken ließen sich am Freitag auch im Gastspiel beim VfL Bochum nicht stoppen und gewannen dank einer beeindruckenden Vorstellung mit 4:1 (1:1). Gleich die erste echte Torchance nutzte Sercan Sararer (35.) zur überraschenden Führung. Doch Bochum schlug sofort zurück: Freier machte es nach feiner Vorarbeit von Takashi Inui (41.) nun besser und glich aus. Doch nach dem Wechsel agierten die Gäste erneut eiskalt: Olivier Occean traf zunächst mit seinem fünften Saisontor (52.), dann erhöhte Sturmpartner Christopher Nöthe (60.). Sararer machte schließlich alles klar (68.). Den ersten Saisonsieg holte der MSV Duisburg beim 3:0 (1:0) gegen Neuling Dynamo Dresden. Jubeln durfte auch der FC Ingolstadt nach dem 3:1 (1:0) gegen Aufsteiger Hansa Rostock. Am Sonntag kann sich Bundesliga-Absteiger FC St. Pauli die Tabellenführung mit einem Sieg in Braunschweig zurückholen.

Ohne den verletzten Sami Khedira, aber mit den Rückkehrern Mesut Özil und Per Mertesacker will Joachim Löw frühzeitig das EM-Ticket sichern. Der Bundestrainer berief den zuletzt geschonten Özil und den lange verletzten Mertesacker am Freitag in sein 23 Spieler umfassendes Aufgebot für das EM-Qualifikationsspiel gegen Österreich am 2. September in Gelsenkirchen und den Test vier Tage später in Danzig gegen Polen. Erstmals im Kader der Fußball-Nationalmannschaft steht Ron-Robert Zieler von Hannover 96 als dritter Torwart. Weiterer Rückkehrer ist Linksverteidiger Marcel Schmelzer von Borussia Dortmund. Khedira musste Löw wegen einer Adduktorenverletzung im linken Oberschenkel absagen. Durch die Rückkehr von Özil, Mertesacker und Schmelzer musste Löw einige Akteure aus dem erfolgreichen Brasilien-Aufgebot streichen. Dennis Aogo, Cacau und Ilkay Gündogan wurden vom Bundestrainer diesmal nicht berücksichtigt. Mit einem Sieg gegen Österreich wäre die EM-Teilnahme 2012 nach bislang sieben Siegen in sieben Spielen bereits fix.

Das Aufgebot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft für das EM-Qualifikationsspiel am 2. September gegen Österreich in Gelsenkirchen sowie für das Länderspiel am 6. September gegen Polen in Danzig (jeweils 20.45 Uhr/ZDF): Tor: Manuel Neuer (Bayern München/25 Jahre/21 Länderspiele), Tim Wiese (Werder Bremen/29/4), Ron-Robert Zieler (Hannover 96/22/-) Abwehr: Holger Badstuber (Bayern München/22/14), Jérôme Boateng (Bayern München/22/14), Benedikt Höwedes (FC Schalke 04/23/2), Mats Hummels (Borussia Dortmund/22/8), Philipp Lahm (Bayern München/27/81), Per Mertesacker (Werder Bremen/26/75), Marcel Schmelzer (Borussia Dortmund/23/4), Christian Träsch (VfL Wolfsburg/23/8) Mittelfeld: Sven Bender (Borussia Dortmund/22/1), Mario Götze (Borussia Dortmund/19/7), Toni Kroos (Bayern München/21/19), Thomas Müller (Bayern München/21/19), Mesut Özil (Real Madrid/22/26), Lukas Podolski (1. FC Köln/26/90), Marco Reus (Bor. Mönchengladbach/22/-), Simon Rolfes (Bayer Leverkusen/29/23), André Schürrle (Bayer Leverkusen/20/6), Bastian Schweinsteiger (Bayern München/27/88) Angriff: Mario Gomez (Bayern München/26/47), Miroslav Klose (Lazio Rom/33/110)

Der FC Bayern München muss im Auswärtsspiel beim 1. FC Kaiserslautern weiter auf Arjen Robben verzichten, dagegen ist Mario Gomez nach seinen muskulären Problemen wohl an Bord. Das sagte Trainer Jupp Heynckes am Freitag in München. Während die Blessur von Gomez keine Sorgen bereitet, wollen die Verantwortlichen des deutschen Fußball-Rekordmeisters unbedingt, dass Robben seine Schambeinentzündung auskuriert. Daher reist der Niederländer in der Länderspielpause nach Bayern-Angaben auch nicht zu seinem Nationalteam. Im Heimspiel gegen den SC Freiburg am 10. September erwartet Heynckes Robben dann zurück im Münchner Kader.

Nun wird auch der italienische Fußball bestreikt. Der Präsident der Spielergewerkschaft AIC, Damiano Tommasi, verkündete am Freitag, dass der für das Wochenende geplante erste Spieltag der Serie A abgesagt werde. Die AIC konnte sich zuvor mit Vertretern der Liga nicht auf eine Novelle des bereits im Juni 2010 ausgelaufenen Kollektivvertrages einigen. Es ist erst der zweite Streik in der italienischen Fußball-Geschichte. Erstmals waren die Profis im März 1996 in einen Arbeitskampf getreten. Aufgrund der Länderspielpause wird die neue Saison - eine Einigung vorausgesetzt - in Italien erst am 11. September beginnen. Spielergewerkschaft und Liga streiten um zwei wesentliche Punkte. Zum einen forderte die AIC, dass es jedem Spieler erlaubt ist, am Training der ersten Mannschaft teilzunehmen. Das verweigern die Klubs mit ihren teilweise bis zu 40 Spielern aufgeblähten Kadern. Der zweite Streitpunkt ist die von Präsident Silvio Berlusconi aufgrund der Finanzkrise eingeführte Solidaritätssteuer. Diese sieht eine Sonderbesteuerung für Jahreseinkommen von über 90.000 (fünf Prozent) und über 150.000 Euro (zehn Prozent) vor. Die AIC forderte, dass diese und künftige Zusatzabgaben von den Klubs übernommen werden.

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