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Spaniens Iniesta vor dem EM-Finale:Kampf gegen die Geschichte

"Dieser Vergleich ist schon witzig", amüsierte sich Iniesta, der die Serie zwar sah, aber wohl doch ein paar Jahre zu alt war, um ein echter Fan von "Oliver y Benji" zu werden. Denn als sie im Fernsehen lief, war er längst auf dem Sprung ins erste Team des FC Barcelona.

Dass er dies schaffte, war das Resultat einer unglaublichen Zähigkeit. Die Scouts Barcelonas (und Real Madrids) waren auf den Jungen aus Fuentealbilla, einem kleinen Ort zwischen Albacete und Valencia, aufmerksam geworden, als Iniesta gerade mal zwölf Jahre alt war. Auch Real Madrid wollte ihn haben, doch in seinem Kinderzimmer hingen die Poster rotblau gewandeter Helden: Josep Guardiola und Michael Laudrup.

Als er schließlich in das Jugendinternat Barcelonas umzog, weinte er zunächst nachts und tagsüber. Aber er hielt durch und schulte sich bis zur Perfektion. 1999 zwang Pere Guardiola seinen Bruder Pep zu einem Jugendturnier, weil er etwas gesehen hatte, was Pep hernach in legendäre Worte packte: "Heute habe ich einen Spieler gesehen, der das Spiel besser interpretiert als ich." Drei Jahre später wurde Iniesta von Louis van Gaal, dem späteren Bayern-Trainer, erstmals in der ersten Mannschaft Barcelonas eingesetzt. Seitdem hat er alle Titel gewonnen, die ein Fußballer auf dem Feld erringen kann. Jetzt bleibt nur noch der Kampf gegen die Geschichte. Denn wenn Spanien siegt, wird sie die erste Nationalelf sein, die zwei kontinentale und einen WM-Titel in Serie gewinnt.

Dass nicht wenige Hoffnungen der Spanier auf Iniestas Kunst ruhen, liegt nicht nur an seiner bisherigen Turnierleistung, sondern auch daran, dass er im System von Trainer Vicente del Bosque einen ungleich angenehmeren Lebensraum vorfindet als sein kongenialer Mannschaftskamerad Xavi Hernández. Beim FC Barcelona zieht ein gewisser Argentinier namens Lionel Messi alle Bälle an sich; in der Nationalelf hat Iniesta eine ungleich größere Freiheit, den Abschluss selbst zu suchen.

Hätte er einige seiner Chancen genutzt, wären die Debatten um den Stil der Spanier vielleicht nicht so heftig ausgefallen. Andrés Iniesta selbst hat sie mit Unverständnis verfolgt. "Eine Niederlage ist niemals ein Fiasko", sagte er der Zeitung El País. "Ein Fiasko wäre es, wenn wir auf unseren Stil verzichten würden, wenn wir nicht mit unseren Waffen kämpfen, das Feld nicht leer vor Anstrengung verlassen würden... Doch das wird nicht geschehen", sagte er. Auch nicht in diesem Finale gegen Italien.