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Spanien besiegt Irland 4:0:Und die Iren singen trotzdem

Hoch verloren und trotzdem bestens gelaunt: Die irischen Fans versüßen ihrem Team mit großer Sangesfreude das Ausscheiden bei der EM. Gegen Titelverteidiger Spanien haben die Männer von der Insel überhaupt keine Chance - bei den Spaniern erübrigt sich wegen zwei Treffern von Fernando Torres die Stürmer-Debatte.

Zwei dunkel gekleidete Gestalten schlichen kurz vor Spielbeginn über den Stadionparkplatz. Die eine mit Regenschirm, die andere ohne. Joachim Löw blieb trocken, Hansi Flick wurde nass. Die Bundestrainer waren gekommen, um sich Spanien gegen Irland anzuschauen. Eine Geschichte des Spiels war gewiss, dass die Spanier in überlegener Manier 4:0 gewannen. Eine andere war, dass dabei Regen vom Himmel fiel.

Spain vs Ireland

Und dann stand es 3:0: Fernando Torres versenkt den Ball gegen Irlands Keeper Shay Given. 

(Foto: dpa)

Die Spanier hatten sich nach ihrem ersten Gruppenspiel mit Nachdruck ein besser gewässertes Spielfeld gewünscht. Und nachdem sie damit bei den Rasenpflegern der Uefa auf Granit gestoßen waren, hatten sie offenbar ganz oben beim Wettergott, einem guten Bekannten des Fußballgottes, eine Petition eingereicht. Und siehe da: Am Donnerstagabend war der Rasen in Danzig mindestens so nass wie der Zuschauer Hansi Flick. So weit gereicht der spanische Einfluss im Weltfußball inzwischen.

Der Welt- und Europameister kam auf diesem Geläuf und mit diesem Gegner deutlich besser zurecht, als zuletzt beim 1:1 zum Auftakt gegen Italien - wenn man mal davon absieht, dass Andres Iniesta gleich bei seiner ersten Drehung ausrutsche. Bleibt die Frage, weshalb das deutsche Trainergespann bei diesem Schmuddelwetter überhaupt noch einmal vor die Tür gegangen war, anstatt sich im nahe gelegenen DFB-Teamhotel ins Kaminzimmer zu setzen? Etwa, um sich beim irischen Trainer Trapattoni fortzubilden, den Löw ("Trainer sein nicht ein Idiot!") neuerdings wie einen Evangelisten zitierte? Oder etwa doch, um bei den Spaniern den sogenannte "falschen Neuner" zu studieren?

Falls das der Anlass gewesen sein sollte, reisten Löw und Flick allerdings vergeblich an: Nach tagelangen Debatten über die Vor- und Nachteile von echten Mittelstürmern und ihren Imitaten entschied sich Spaniens Trainer Vicente del Bosque diesmal für Fernando Torres: einen authentischen, aber zuletzt eher glückloser Original-Neuner.

Auch dieses Mal musste Torres wieder auf sein Glück warten. Allerdings nur für drei Minuten. So lange dauerte es, bis der Ball zum ersten Mal in seine Nähe kam. Torres nutzte die Gelegenheit, um ein vierköpfiges irischen Abwehrknäuel zum umkurven und den Ball schmucklos ins Tor zu hämmern. Die spannende Debatte über die Nützlichkeit von klassischen Sturmspitzen dürfte damit einstweilen beendet sein. Nun konnten sich Löw und Flick also ohne schlechtes Gewissen auf Trapattoni und seine Elf konzentrieren.

Rein optisch lag das ohnehin nahe. Die Iren spielten in Kleidern, die dem DFB-Auswärtsdress zum Verwechseln ähnlich sahen. Die erste gewinnbringende Erkenntnis für die DFB-Besucher lautete also: Grün-Weiß schreckt Torres, Xavi und Iniesta nicht ab. Das könnte im Laufe des Turniers noch wichtig werden.

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