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Vierschanzentournee:Geiger kann sogar hinreißend jubeln

68. Vierschanzentournee - Garmisch-Partenkirchen

Zweiter im Jubelrausch: Der Deutsche Karl Geiger darf weiterhin vom Tournee-Gesamtsieg träumen.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)
  • Der junge Norweger Marius Lindvik gewinnt das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen.
  • Karl Geiger verringert als Zweiter den Abstand auf Ryoyu Kobayashi in der Gesamtwertung der Tournee.
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Die Sonne war schon eine Zeitlang verschwunden hinter den Bergen, und die kalte Luft begann ins Tal zu fallen, in Richtung der Partenkirchner Olympiaschanze und darüber hinweg. Dabei stieg wiederum der Rückenwindfaktor konstant in die Höhe - und erreichte schließlich 0,66 Meter pro Sekunde. Es waren schlechteste Bedingungen für einen weiten Flug, als Karl Geiger in die Spur ging. Es war der Moment, an dem diese Tournee fast entschieden worden wäre.

Aber Geiger blieb entschlossen, er verließ sich auf sein Gefühl, ließ sich am Schanzentisch nicht von dem Knick im Partenkirchner Radius irritieren, stemmte sich mit genügend Höhe gegen den Wind hinauf, streckte sich lang und länger und zog seinen Sprung so weit wie möglich nach unten. 132 Meter - nicht spektakulär weit war das zunächst, aber es war genug. Es war der Schlüssel für seinen Erfolg an diesem Tag - und für den Erhalt der Spannung bei der Vierschanzentournee.

Zweiter wurde Karl Geiger am Ende bei diesem Neujahrsspringen, knapp hinter dem 21-jährigen norwegischen Talent Marius Lindvik - vor allem aber vor dem Japaner Ryoyu Kobayashi, der in der Gesamtwertung zwar weiterhin führt, dem Geiger aber näher kam. 9,2 Punkte Abstand waren es nach der ersten Station in Oberstdorf noch gewesen, 6,3 Zähler sind es jetzt. Auf Platz drei bleibt der Pole Dawid Kubacki, mit 8,5 Zählern Rückstand ebenfalls noch aussichtsreich platziert. Lindvik, der vor allem wegen seines herausragenden ersten Sprunges (mit Einstellung des Schanzerekordes von 143,5 Metern und auch mit etwas Windglück) in die Party der Führenden geplatzt war, steht im Ranking nun auf Platz vier. Mit 18,9 Punkten liegt er aber wohl zu weit zurück. Dass Geiger der eigentliche Gewinner war an diesem Tag, lag natürlich nicht nur an seinem ersten Sprung gegen den Wind. Der Oberstdorfer meisterte auch den zweiten, trotz schwieriger Ausgangslage. Ryoyu Kobayashi, im ersten Durchgang nicht überragend, musste im Finale vor Geiger auf die Schanze und entzückte dann plötzlich doch wieder die Experten mit einem Lehrbuchsprung: Alles stimmte, der Absprung, die Geschwindigkeit, die Fluglage und schließlich auch die mit Leichtigkeit in den Schnee gesetzte Landung. Auf einmal war Kobayashi wieder vorne, auf einmal wirkte er wieder wie der am Ende niemals einholbare Klassenbeste. Den Tournee-Grand-Slam (Sieg in allen vier Springen) hatte er ja vor einem Jahr geschafft, als Dritter in der Historie überhaupt - nun rückte der sechste Sieg hintereinander in einem Tourneespringen immer näher. Das wäre der erste Rekord, den der junge Springer aus Japan in seiner Sportart alleine hätte erringen können. Der Klassenbeste jubelte also unten, und all das könnte einem Springer, der nun kontern muss, den Mut nehmen, die Konzentration oder das Vertrauen ins eigene Können - mit anderen Worten: die so wichtige Gelassenheit. Doch Geiger machte einfach weiter das, was er immer macht - sein "Zeug", wie er das nennt. Das Zeug ist eine für andere schwer verstehbare Mischung aus Technik, Erfahrung, erlernten Verbesserungen und Sprunggefühl. Geiger warf sich hinaus, setzte knapp über die grüne Linie und konterte, obwohl das nicht seine Art ist, mit hinreißendem Jubel.

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