Absagen bei der Ski-WM:Ein Fall für die Stirnlampen

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Ski alpin: Weltmeisterschaft

Kaum was zu sehen: Dichter Nebel zieht bei der Ski-WM in Cortina d'Ampezzo auf.

(Foto: dpa)

Auch der Super-G der Frauen fällt bei der Ski-WM dem Wetter zum Opfer - die Organisatoren geraten allmählich in Zeitnot.

Von Johannes Knuth, Cortina d'Ampezzo

Die Stadionregie gab wirklich ihr Bestes, sie aktivierte sämtliche irdischen und überirdischen Notfallprogramme. Zunächst animierte sie die Anwesenden im Zielraum, den Nebel wegzuklatschen, und die Promis, die es bei dieser Ski-WM in Cortina d'Ampezzo übrigens auch auf die Gästeliste geschafft haben, kamen diesem Wunsch tadellos nach. Als das nicht so recht half, spielten sie über die Lautsprecher die Klassiker ein, "Walking on Sunshine" und so weiter, aber bei den Wolken, die einige Hundert Meter weiter oben zwischen den Dolomitenfelsen hingen, kam diese Botschaft offenbar nicht so ganz an.

Nach einer Dreiviertelstunde und einigen Nebeltänzen beorderte die Jury die Fahrerinnen an den Reservestart des Super-Gs, unterhalb des Tofana-Schusses. Der Nebel ließ sich allerdings auch dort nicht hinfort bitten. Im Gegenteil, die Wolken fingen nun eifrig damit an, auch die Sonne zu verhüllen. Die Musik im Ziel näherte sich indes schon mal der Feierabendlaune, mit viel Techno-Wumms ("Too much booty in the pants!"); das Wetter war bald auch nur noch etwas für Skitourengeher mit Stirnlampe (Too much fog in the air!). Kein Fall für Skirennfahrerinnen, die mit Tempo 100 zwischen Dolomitenfelsen hindurchrauschen.

Auch drei Tage nach der Eröffnung warten sie in Cortina d'Ampezzo also weiter darauf, die erste WM-Entscheidung über die Bühne zu schubsen. Am Montag war bereits die Kombination der Frauen ausgefallen, am Dienstag traf es den Super-G, nach 90-minütiger Wartezeit. Er soll nun am Donnerstag stattfinden, teilte der Ski-Weltverband Fis mit, aber ob das den Zeitplan nun betriebssicher gestaltet, muss sich erst noch zeigen.

Helikopter müssen erst die Schneebretter sprengen

Alpine Skirennfahrer sind grundsätzlich auf winterliche Verhältnisse angewiesen, der Winter hatte es mit den WM-Gastgebern zuletzt allerdings etwas zu gut gemeint. "Ich komme wirklich schon lange her", hatte Wolfgang Maier, der Alpindirektor im Deutschen Skiverband nach seiner Einreise am Sonntag gesagt, aber derart viel Schnee habe er hier noch nicht gesehen. Am Montag ließ der Niederschlag zwar nach, die Helfer mussten die Pisten aber erst einmal freilegen, die Kombination der Frauen wurde unterdessen auf den kommenden Montag geschoben. Das Verschiebespiel gewann damit aber erst an Schwung.

Ursprünglich hatten sie am Dienstag beide Super-G-Rennen durchdrücken wollen, die Frauen am Vormittag, die Männer am frühen Nachmittag. Die Piste der Männer war so früh dann aber doch nicht einsatzbereit: Schnee hatte sich zu Wochenbeginn auf den Bergzinnen oberhalb der Vertigine-Piste gelegt, die sie jenseits des Tofana-Schusses neu verlegt haben - bei einer WM muss ein Gastgeber je eine Abfahrtstrasse für Männer und Frauen anbieten.

Helikopter sprengten also die Schneebretter, um die Lawinengefahr zu dämmen, erst dann durften sich die Pistenarbeiter an die Präparierung machen. Der Super-G der Frauen, der jenseits dieser neuralgischen Stellen verläuft, stand am Dienstag nun alleine im Programm, die Verantwortlichen entschieden sich allerdings, die Startzeit in das nun freigewordene Fenster zu schieben: von 10:30 Uhr auf 13 Uhr.

Auch wenn das niemand offen zugab: Der naheliegende Grund war, dass die TV-Quoten im europäischen Kernmarkt zur Mittagszeit am besten sind. Es sind nun mal die TV-Stationen, die nicht unerhebliche Summen an den Weltverband überweisen, um die Rennen übertragen zu dürfen.

Öffnet sich tatsächlich das Schönwetterfenster?

Der Fairness halber muss man sagen: Die lokalen Wetterstationen hatten für den Dienstagmittag "große Sonnenmomente" versprochen, die Wolken, hieß es, würden sich spätestens "nach dem späten Morgen" verziehen. Diesen letzten Teil hatte das örtliche Wetter aber offenbar nicht mitbekommen; die Wolken, die sich am Vormittag nur an die Bergzacken oberhalb des Super-G-Starts schmiegten, stiegen kurz vor dem Rennen immer tiefer Richtung Tal. "Eigentlich ist Cortina ja bekannt dafür, dass es sehr wetterstabil ist, jetzt ist halt umgekehrt", sagte DSV-Vorstand Maier, "das kann passieren". Dann ergänzte er: "Jetzt bekommt man langsam Druck auf das System."

Der ursprüngliche WM-Zeitplan hatte ja ohnehin nur wenig Stauraum gelassen: 13 Rennen sind für 14 Tage angesetzt, weil die Fis erstmals Medaillen in zwei Parallel-Einzelrennen vergibt. Maier wiederholte am Dienstag seine Kritik, dass der Spielplan überfrachtet sei, "so ein Programm, in dem täglich, teilweise zweimal gefahren wird, schon sehr eng gestrickt". Genau das wird nun in den kommenden Tagen eintreten: An diesem Mittwoch soll es bis zum Mittag wieder schneien, die geplante Männer-Kombination wurde deshalb ebenfalls verschoben.

Danach wollen die Organisatoren alles aufholen: den Super-G der Frauen (10:45 Uhr) und Männer (13 Uhr) am Donnerstag, je ein Abfahrtstraining der Frauen und Männer am Freitag, die Frauen-Abfahrt am Samstag, parallel noch ein Training für die Männer-Abfahrt am Sonntag. Und am Montag dann: die Kombinationen der Männer und Frauen. Ein ambitionierter Plan, der schon zur Reife gelangen könnte, sollte sich das Schönwetterfenster ab Donnerstag öffnen.

So stand es am Dienstagnachmittag zumindest im Wetterbericht.

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