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Ski alpin:Trotz Kreuzbandrisses: Neureuther träumt von Olympia

Bilder des Tages SPORT ALPINE SKIING training giant slalom COPPER MOUNTAIN COLORADO USA 23 NOV

Eines der letzten Bilder, das Felix Neureuther 2017 beim Skifahren zeigt: der 33-Jährige beim Riesenslalom-Training in Copper Mountain.

(Foto: Christian Walgram/imago/GEPA pictures)
  • Felix Neureuther hofft trotz seiner schweren Knieverletzung weiter auf einen Start bei den Olympischen Spielen.
  • Er will dafür möglicherweise auf eine Operation verzichten. Er sagt: "Ich bin jetzt 33, ich brauche mir nichts vormachen: So viele Chancen habe ich nicht mehr."

Das Video, das am Wochenende alle anderen Aufnahmen verdrängte, zeigte einen Skirennfahrer im Bett. Felix Neureuther schaute durch kleine Augen in eine Handykamera, er knipste ein zartes Lächeln an, eines dieser Lächeln, die einen ganz anderen Gemütszustand überspielen sollen. "Servus", begann Neureuther seine digitale Sonntagsansprache, er habe leider "keine so guten Neuigkeiten". Dann sprach er von Operationen, Heimflügen, dass er jetzt immerhin viel Zeit mit seiner kleinen Tochter verbringen könne. Wenn Skirennfahrer im November von ambulanter Versorgung und unfreiwilliger Elternzeit sprechen, ist das eher kein so gutes Zeichen.

Neureuther hatte am Samstag mit den deutschen Technik-Fahrern in Copper Mountain trainiert, am nächsten Wochenende steht in Beaver Creek ein Riesenslalom an. Der 33-Jährige hatte einen Schwung spät eingeleitet, er wollte seine Skier noch rasch um die Kurve bringen, aber kurze, kraftvolle Lenkmanöver sind im Riesenslalom nicht immer eine gute Idee. Neureuther verlor das Gleichgewicht, kippte nach hinten, die Skier bissen sich kurz in den Schnee und warfen dann ihren Piloten in die Luft - wie einen Reiter beim Rodeo. Neureuther wusste sofort, "dass es mich schlimmer erwischt hatte", kurz darauf humpelte er aus einer Klinik in Vail, an Krücken. "Bye bye Kreuzband", sagte er in die Kamera, ein Band im linken Knie sei gerissen.

Aber: Von diesem olympischen Winter wollte er sich noch nicht ganz verabschieden. Am Münchner Flughafen sagte er am Montagmorgen: "So lange noch ein kleines Fünkchen Hoffnung besteht, dass vielleicht sogar tatsächlich auch Olympia möglich sein sollte", so lange werde er versuchen, in Pyeongchang zu starten. Bis zum Slalom am 22. Februar 2018 sind noch etwas mehr als zwölf Wochen Zeit. Der Riesenslalom findet vier Tage vorher statt.

Olympia trotz Kreuzbandriss? "Ich bin jetzt 33, ich brauche mir nichts vormachen: So viele Chancen habe ich nicht mehr", betont Neureuther. Olympia 2022 in Peking ist ja dann doch ein bisschen arg weit weg, und deshalb "will ich natürlich definitiv versuchen, dass es funktioniert." Zunächst ist das Ganze noch "eine Träumerei in meinem Kopf", weiß Neureuther. Außerdem, betont er: "Ich gehe nur an den Start, wenn ich eine Medaillenchance habe."

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Rebensburg ist jetzt die Gejagte

Es war ein bizarres Wochenende für den Deutschen Skiverband (DSV), der Auftakt der alpinen Tournee durch Nordamerika. Sie waren am Samstag zunächst ganz beseelt von Viktoria Rebensburgs Erfolg im Riesenslalom von Killington/USA, 0,67 Sekunden vor Gastgeberin Mikaela Shiffrin (die am Sonntag den Slalom gewann). Im Oktober hatte Rebensburg schon den ersten Riesenslalom der Saison in Sölden gewonnen.

Sie war in den Wintern zuvor durch Verletzungen und Formschwächen gewatet, aber sie hatte daraus ihre Lehren gezogen, fand zurück in eine Sicherheit, die sie jetzt umgibt wie ein Mantel. Wenn sie sich derart wohl fühlt, braucht sie nicht lange, um in ihrer Kerndisziplin wieder in die Rolle der Gejagten zu schlüpfen.

Neureuther wiederum hatte vor zwei Wochen den Slalom in Levi gewonnen. Ein idealer Saisonauftakt. Neureuther und Rebensburg sind ja weiter die einzigen Alpinkräfte, bei denen man bedenkenlos Medaillen in Auftrag geben kann. Als bei der WM 2017 in St. Moritz fast alle Hoffnungen zusammengeschmolzen waren, gewann Neureuther Bronze im Slalom. "Felix", gestand DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier zuletzt, "hat mir den Arsch gerettet." Jetzt ist nur noch eines von Maiers "Rennpferden" für die Winterspiele Anfang Februar im Stall. Und für das andere geht es erst mal nicht um sportliche Weihen, sondern auch darum, wie es mit seiner beeindruckenden Karriere weitergeht.