bedeckt München 22°
vgwortpixel

Ski alpin:Suche nach der neuen wilden Sau

Am Limit: Felix Neureuther beim WM-Slalom in St. Moritz.

(Foto: AFP)
  • Felix Neureuther lässt das Ende seiner Karriere nach seiner Bronzemedaille im WM-Slalom von St. Moritz offen.
  • Der deutsche Skiverband hat bis zu den olympischen Spielen in Pyeongchang 2018 ein gutes Team an Rennläufern zur Verfügung.
  • Ob Luitz, Straßer oder Dopfner allerdings an Neureuther rankommen, müssen sie noch beweisen.

Felix Neureuther war vor Schreck fast die Fernbedienung aus den Händen gefallen, als er am Abend vor dem Slalom die Ergebnisse der Fußball-Bundesliga suchte. Denn als er im Videotext die Seiten umblätterte, blieb er bei einer Meldung hängen, die mit folgender Überschrift versehen war: "Straßer ist die letzte deutsche Medaillenhoffnung in St. Moritz". Neureuther gefiel die Schlagzeile nicht, er ärgerte sich sogar ziemlich darüber und diskutierte sie auch umgehend mit Straßer selbst, mit dem er sich bei der WM das Zimmer teilte. Doch Neureuther, der erfolgreichste deutsche Ski-Rennläufer im Weltcup, merkte schnell, dass Straßer die Rolle des neuen deutschen Hoffnungsträgers schmeichelte.

Die einzige Medaille bei der alpinen Ski-Weltmeisterschaft bescherte dem Deutschen Ski-Verband (DSV) dann doch nicht Linus Straßer, sondern Felix Neureuther, der am Sonntag hinter Marcel Hirscher und Manuel Feller auf dem dritten Platz landete. Die Anekdote, die sich am Samstag im Hotelzimmer zugetragen hatte, erzählte Neureuther am Sonntagabend im Deutschen Haus in Celerina, als er mit seinem Fanklub und seinen Eltern die Medaille gemütlich feierte. Etwas verwirrt sei er gewesen, erzählte der 32-Jährige, dass für manche in der Öffentlichkeit der Generationswechsel in der deutschen Mannschaft schon vollzogen sei.

Ski-WM "Normal bin ich nicht so eine Pussy"
Ski-WM

"Normal bin ich nicht so eine Pussy"

Felix Neureuther beschert den deutschen Skifahrern bei der WM doch noch einen großen Moment: Bronze im Slalom - die Gefühle überwältigen ihn.   Von Matthias Schmid, St. Moritz

"Ich habe die Verhältnisse wieder zurechtgerückt"

Er fühlte sich nach seinen wieder auftretenden und schmerzhaften Rückenproblemen schon abgeschrieben und zog daraus die Extramotivaton, die er für das letzte WM-Rennen in St. Moritz benötige. "Bei mir war deshalb der Ehrgeiz schon sehr, sehr groß", gab Neureuther zu, "weil man gesagt hat: Der Neureuther holt hier keine Medaille, das müssen jetzt andere richten. Deshalb habe ich die Verhältnisse wieder zurechtgerückt, was auch gut so ist."

Der Generationswechsel muss also noch warten, Neureuther hat ihn noch einmal verschoben, bis zu dem Tag, an dem er aufhört. Wann das sein wird, will er selbst bestimmen. Er hat offen gelassen, ob das seine letzte WM gewesen ist. "Felix ist halt einfach eine wilde Sau", merkte der Männer-Cheftrainer Matthias Berthold nach dessen Bronzemedaille erleichtert an. Aus dem Mund des Österreichers ist das ein großes Lob. Berthold, 51, sucht längst nach der nächsten wilden Sau, nach einem deutschen Rennläufer, der wie Neureuther bei Großereignissen Medaillen gewinnen kann.