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EM-Qualifikation:Fußball gegen Handballer

Mit dem 6:1 in der EM-Qualifikation gegen Aserbaidschan ist der deutschen Nationalmannschaft mühelos der Übergang in den Alltag gelungen. Die Kölner Fans dürfen dabei sogar Lukas Podolski feiern.

Joachim Löw hatte "Handball" erwartet, und er bekam Handball. Oder besser: Fußball, der wie Handball aussah. Allerdings hatte der Bundestrainer mit seiner Prophezeiung nicht diese dynamische, kraftbetonte und daher äußerst beliebte Sportart gemeint, die in den Arenen von Kiel, Flensburg oder Hamburg gespielt wird. Sondern eher eine hilflose Form der Fußballverweigerung: "Der Gegner steht mit zehn Mann im Strafraum herum", bildet eine Art Halbkreis wie beim Handball, "in einer Breite von vielleicht 40 Metern und in einer Tiefe von vielleicht 20 Metern." Das waren vor dem EM-Qualifikationsspiel am Dienstagabend in Köln Löws Vermessungsdaten für Aserbaidschan. Nach dem Spiel konnte er zufrieden sagen: "Die Mannschaft hat teilweise toll kombiniert. Es macht Spaß, diese Kombinationen wieder zu sehen. Es ist gut, dass wir nach dem 3:0 nicht aufgehört haben, sondern weitergespielt haben."

Podolski celebrates scoring a goal against Azerbaijan with teammates Khedira and Lahm during their Euro 2012 qualifying soccer match in Cologne

Wieder glücklich: Lukas Podolski herzt Mesut Özil, während Philipp Lahm zusehen muss.

(Foto: Reuters)

Dass der Bundestrainer in diesem Jahr eine Mannschaft beisammen hat, die Fußball spielen kann, daran hatte nicht nur die WM in Südafrika keinen Zweifel gelassen, sondern auch der Auftakt in die neue Punkterunde vergangenen Freitag in Belgien (1:0). Wie diese Elf - nach rauschenden Festen unter anderem gegen England und Argentinien - nun mit dem schmucklosen Fußball-Alltag zurechtkommen würde - die Beantwortung dieser Frage stand aus. Und am Ende durfte Joachim Löw festhalten, dass seine Männer auch diese Herausforderung bestanden hatten: Durch die Tore von Heiko Westermann, Lukas Podolski, Miroslav Klose (2) und Holger Badstuber, dazu ein Eigentor, hieß es gegen Aserbaidschan am Ende 6:1. Und wenn Löw das Spiel in einen griffigen Lehrsatz packen wollte, dann würde der lauten: Man muss auch gegen Handballer Fußball spielen.

Vielleicht gibt es für so einen Alltagstest keinen besseren Ort als das Stadion von Köln, wo man - Lukas Podolski kann davon erzählen - auch holprige Fußballspiele gewöhnt ist und der Nationalelf ein solches wohl verziehen hätte. Hauptsache, das Viva Colonia kommt flüssig aus den Lautsprechern. Joachim Löw und Berti Vogts saßen vor dem Anpfiff zum entspannten Plausch zusammen, als wären sie ausschließlich alte Bekannte und nicht dazu noch die Trainer zweier rivalisierender Mannschaften. Aber genau genommen hatte Vogts ja schon vor Wochen die Waffen gestreckt, eine "Lehrstunde, für die man sonst sehr viel Geld zahlen muss", hatte er für seine Spieler aus dem Fußball-Entwicklungsland Aserbaidschan erwartet, noch dazu vor 43.000 Zuschauern: "Diese Kulisse wird sie beeindrucken, sie spielen sonst vor 200 Leuten", übertrieb Vogts.

Aber auch eine Lehrstunde hält bisweilen Überraschungen bereit - die erste war gleich mal die Rolle von Philipp Lahm. Weniger überraschend war dabei noch, dass man ihm beim Absingen der Hymnen einen Jungen vor die Brust gestellt hatte, der ihm bis an die Nasenspitze reichte (das Bild dürfte Michael Ballack gefallen haben). Überraschend war, dass der Ersatzkapitän nach langer Zeit mal wieder auf der linken Seite zum Einsatz kam. Der Schalker Heiko Westermann, den viele für den verletzten Marcell Jansen hinten links erwartet hatten, blieb zunächst auf der Bank, stattdessen durfte sich der Wolfsburger Sascha Riether rechts in der Viererkette beweisen.

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