Sieg des FC Bayern bei Mainz 05:Tuchel regt sich über Sammer auf

Der Anflug von Überschwang war in Teilen durchaus verständlich, denn die entscheidenden Angriffe der Münchner hätten eins zu eins Eingang in ein Lehrbuch für moderne Offensivzüge finden können, hübsch verteilt auf die drei Lösungswege durch die Mitte, über links und über rechts. Dem ersten Tor von Müller ging die Kopfballverlängerung von Mandzukic, die Ballannahme von Kroos und der gedankenschnelle Pass in Müllers Lauf voraus.

Dem zweiten Treffer eine Ballstaffette mit doppeltem Doppelpass unter Einbindung von Franck Ribéry und Toni Kroos, wobei sich David Alaba als Hauptverantwortlicher der Kombination Höchstnoten verdiente. Und schließlich Ribérys Diagonallauf vor dem dritten Tor, den Müller und Lahm auf der rechten Seite veredelten und erneut Mandzukic als Abnehmer fanden.

Beste Auswärtsbilanz in 50 Jahren Bundesliga

Defensiv, das rundete die Leistung ab, hatten die Bayern trotz der Anfangsschwierigkeiten kaum etwas zugelassen. Herausgekommen ist nun die beste Auswärtsbilanz in 50 Jahren Bundesligageschichte mit nur einem Gegentor in zehn Saisonspielen. Die Münchner, so ließ sich das vielleicht zusammenfassen, waren in der zweiten Halbzeit aufgetreten wie eine Elf-Mann-Flügelzange, die bei Bedarf augenblicklich in den Türsteher-Modus umschalten kann. "Wir haben gezeigt, dass wir Lust aufs Fußballspielen haben. Die Tore waren überragend, auch in der Entstehung", lobte Heynckes.

Selbst die Mainzer, nach Borussia Dortmund der zweitgrößte Bayern-Schreck der jüngeren Ligageschichte, beteiligten sich später an den Hymnen. "Die Bayern haben auch dazugelernt. Früher hätten sie uns in der Mitte ein paar mal alleine laufen lassen", sagte Christian Wetklo. Auch wie intensiv Mandzukic zurückarbeite, beeindruckte den Torwart. Er hatte die beste Sicht auf die Geschehnisse und erwähnte noch gesondert, wie Bastian Schweinsteiger und Javi Martínez im defensiven Mittelfeld die Räume verstellten.

All das, sagte der Mainzer anerkennend, "ist die Qualität, warum sie jetzt so dominant sind". Und abgeschaut hätten sich die Münchner das von Dortmund, was vielleicht auch nötig gewesen sei, um im deutschen Spitzenfußball weiter erfolgreich bleiben zu dürfen, wie Wetklo folgerte. Ein schlechtes Spiel, das war ihm noch wichtig, habe die eigene Mannschaft gar nicht gezeigt. "Gegen jeden anderen Gegner hätten wir gewonnen."

"Er war ständig an der Linie, hat sich beschwert"

Für die Liga ließen sich in dieser Bestandsaufnahme nicht viele gute Nachrichten erkennen. Und es gab am Samstag ohnehin eigentlich nur für einen Münchner richtig Gegenwind, zumindest kurzzeitig, und das war Matthias Sammer.

"Ich kann mich nicht erinnern, dass irgendein Sportmanager so oft an der Linie war wie Matthias Sammer und mich dann noch verbal attackiert", sagte der Mainzer Fußballlehrer Tuchel aufgebracht. "Er war ständig an der Linie, hat sich beschwert und mit mir beschäftigt. Das kann ich nicht nachvollziehen." Bayerns Sportvorstand hatte den Groll nach dem Schlusspfiff offenbar nicht mehr mitbekommen. Auch Sammer strebte bald nach dem Spielende dem Ausgang entgegen. Er sah recht gelöst aus.

© Süddeutsche.de/rela
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