Fußball in Spanien Wie der FC Sevilla die Großen piesackt

Spieler wie Stürmer Wissam Ben Yedder (li.) erfreuen die Sevillanos immer mehr.

(Foto: AFP)
  • Der FC Sevilla ist Tabellenführer in Spanien und trifft nun auf den Zweitplatzierten FC Barcelona.
  • Medien verkündeten schon das Ende des ewigen Titelzweikampfs zwischen Real Madrid und Barcelona.
  • Die Tabellenführung der Andalusier wird umso erstaunlicher, wenn man die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Vereins kennt.
Von Christoph Söller

Die Sportzeitung AS, eigentlich bekannt für ihre Nähe zu Real Madrid, rief nichts Geringeres als die Revolution in der Primera Division aus: "Die bipolare La Liga ist Geschichte", verkündete das Blatt freudig. Die Zeit des Dualismus zwischen Real und Barça, bei dem in Ausnahmefällen mal Atlético Madrid mitmischen durfte, soll endlich vorbei sein. Denn seit dem vergangenen Spieltag hat Spanien überraschend einen neuen Tabellenführer: Der FC Sevilla führt nach dessen Sieg gegen Celta Vigo mit 16 Punkten die Tabelle auf der iberischen Halbinsel an und lässt viele Spanier von einem Titelkampf träumen, an dem sich mehr Mannschaften als nur Real, Atlético und Barcelona beteiligen.

Die spanischen Topteams, Barcelona und Real Madrid, kommen bislang überraschend flatterhaft daher. Real ist seit sieben Stunden torlos und nach den Abgängen von Cristiano Ronaldo und Trainer Zinedine Zidane verzweifelt auf der Suche nach sich selbst. Am vergangenen Spieltag verlor es kurz vor Schluss mit 1:0 gegen Deportivo Alaves. Barça startete zwar furios in die Saison, holte aber in den vergangenen Spielen nur drei von 12 möglichen Punkten und verlor nach dem 1:1-Unentschieden in Valencia die Tabellenführung an den FC Sevilla. Im vergangenen Jahr hatte Sevilla zum gleichen Zeitpunkt exakt die gleiche Punktzahl wie jetzt, die reichte damals aber nur für Platz fünf.

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Der FC Sevilla zählt nicht einmal zu den 30 umsatzstärksten Klubs in Europa

Die Tabellenführung der Andalusier allein auf die Schwäche der Spitzenmannschaften zu reduzieren, griffe jedoch zu kurz. Sevilla ist neben Barcelona und den beiden Hauptstadtklubs der Verein aus Spanien, der seit Jahren international für Furore sorgt. Mit fünf Europa-League-Siegen, davon drei in Serie, ist Sevilla Rekordhalter in diesem Wettbewerb und hat maßgeblichen Anteil daran, dass Spanien in der Fünfjahreswertung der Uefa mit weitem Abstand vorne liegt. Das ist umso erstaunlicher, wenn man die finanziellen Möglichkeiten des Klubs kennt.

Trotz der Erfolge im Europapokal rangiert der Verein aus dem strukturschwachen Süden Spaniens in der Kategorie Umsatz nicht mal unter den 30 stärksten Vereinen Europas. Der große Geldgeber fehlt und auch das Stadion ist keine hochmoderne Multifunktionsarena, wie sie Atlético bereits hat und bei Real und Barcelona in Planung ist. Ins Estadio Ramón Sánchez Pizjuán, benannt nach dem langjährigen Präsidenten, passen 42.000 Zuschauer - vergleichsweise wenig in Spanien. Doch jetzt, wo der FC ganz oben steht, verwandelt sich die Arena im Zentrum der Stadt immer wieder in einen rot-weißen Hochofen.

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Seit dieser Saison wird das Team von Pablo Machín trainiert, der zuvor den FC Girona aus der Segunda Divison zurück in die Erstklassigkeit geführt und dort anschließend sehr souverän den Klassenerhalt gesichert hatte. Der in Kastilien geborene Machín gilt als introvertierter Taktikfuchs, den die Fans zu Beginn der Saison am liebsten schnell wieder aus ihrer Stadt vertrieben hätten. Die defensive Spielweise und die Niederlage am dritten Spieltag im derbi sevillano gegen Stadtrivale Betis kamen bei vielen FC-Fans überhaupt nicht gut an. Doch inzwischen haben die Andalusier die beste Chancenverwertung aller Mannschaften in Spanien, das charismatische Konterspiel in höchstem Tempo direkt nach Ballgewinn funktioniert nahezu perfekt, das hat Real Madrid vor knapp vier Wochen bei der 3:0-Niederlage schmerzhaft zu spüren bekommen.