Serge Gnabry im DFB-Team:Er bringt außergewöhnliche Dribblings ins Werder-Spiel

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Es fällt ihm selbst nicht leicht zu analysieren, weshalb es in England nicht mehr so richtig weiterging mit seiner Karriere. Manche sagen, er sei ein Luftikus oder Hallodri gewesen, er selbst sagt: "Ich bin immer noch ein lebensfreudiger Typ." Aber er habe seine Einstellung schon geändert, sagt der 21-jährige Gnabry über den Teenager Gnabry. Inzwischen absolviere er auch "Extra-Trainingseinheiten, die mir und meiner Fitness helfen". Sein Berater hat ihm vor Olympia außerdem einen Athletik-Trainer besorgt, seitdem ist der zuvor als verletzungsanfällig geltende Profi nicht mehr verletzt gewesen. Auch Burger und Süßigkeiten, sagt er, nehme er inzwischen nur noch in Maßen zu sich.

Werder als Durchgangsstation: Seine Karriere soll mal in der Champions League weitergehen

So kam es, dass er bei Werder trotz des anstrengenden Olympia-Turniers topfit auflief. Schon bei der ersten Bundesliga-Partie im September gegen den FC Augsburg stand er in der Startelf. Fortan war er stets einer der Besten. Er brachte Schnelligkeit und außergewöhnliche Dribblings ins Werder-Spiel. Beim 1:3 auf Schalke am Sonntag erzielte er mit einem Elfmeter sein viertes Tor im neunten Spiel. Nicht die etablierten Fritz oder Junuzovic schnappten sich den Ball, sondern der selbstbewusste Neue. Und die Kollegen hatten erkennbar Vertrauen in den Mitspieler.

Und doch mag es Gnabry nicht, wenn man ihn als Werder-Hoffnungsträger bezeichnet. "Werder Bremen ist Werder Bremen. Ich bin ein kleiner Bestandteil davon", sagt er. Koketterie? Einzel-Interviews lehnt er bisher weitgehend ab. Er sei ein Teamplayer, der gemeinsame Erfolge mehr genießen könne als persönliche Triumphe. "Ich kann mir doch nicht rausnehmen, nur Offensiv-Aktionen zu machen, und hinten fallen die Tore, weil ich nicht mitmache", sagt er, "ich kann ja auch vorne meine Aktionen nicht durchführen, wenn die anderen den Pass nicht spielen oder den Laufweg nicht machen."

Ziel ist irgendwann die Champions League

Es sieht so aus, als seien die Ratschläge der Fußballweisen bei ihm angekommen. Über Arsenal-Coach Arsène Wenger sagt Gnabry, er sei ein wesentlicher "Baustein" auf seinem Weg gewesen, einer, der an ihn geglaubt habe, auch wenn er wenig spielte. Der Franzose sei aber "ein sehr fachlicher Typ, er kommt über seine Fußballstrategie". Mehr liegen Gnabry wohl Trainer wie Hrubesch oder sein neuer Klubcoach Alexander Nouri: Menschen, die andere Menschen einfangen und motivieren können.

Auch sie sind wichtige Bausteine in seiner Karriere, die, wie er sagt, irgendwann in der Champions League weitergehen soll. Deutlicher kann man nicht ausdrücken, dass Werder wohl nur eine Durchgangsstation für ihn ist, wie einst auch für Mertesacker und Özil. Ob es denn stimme, dass sich der FC Bayern bereits eine Option auf ihn gesichert habe? "Die Länderspiel-Berufungen sind mein Traum. Alles andere brauchen Sie nicht zu fragen", sagt er beim Verabschieden.

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