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Formel 1:Vettel sitzt in einem weltmeisterlichen Auto

Sebastian Vettel im Ferrari 2018 in Hockenheim

Sebastian Vettel im Ferrari auf dem Hockenheimring

(Foto: AFP)

Im Vorjahr taugte der Ferrari als Ausrede für den verpassten Titel in der Formel 1. In diesem Jahr hat Vettel das beste Material der Rennserie - es ist seine Hoffnung im Duell mit Lewis Hamilton.

Ganz offensichtlich ist die Sache nicht so gelaufen, wie Sebastian Vettel sie geplant hat. Das hat er nun zugegeben, er hat es exakt so formuliert: "Ist nicht so gelaufen wie geplant." Er dachte an das beendete Rennen in Ungarn, das er nicht gewonnen hatte. Vettel war zwar nur als Vierter auf dem Hungaroring gestartet, einem Kurs, auf dem das Überholen sehr schwierig ist. Aber weil sein Ferrari das ganze Wochenende lang so überlegen gewesen war, und weil Vettel die Strecke liegt, war der zweite Platz hinter Lewis Hamilton eine Enttäuschung. Eine Enttäuschung, die Vettel schnell überwunden hätte, wären wenigstens die vergangenen Wochen so gelaufen, wie er sie geplant hatte. Und würde nun nicht diese bohrende Frage in gefühlt neonhellen Großbuchstaben leuchten vor den Sommerferien in der Formel 1: War's das schon für Vettel?

Vor einem Jahr hatte sich Vettel mit einem 14-Punkte-Vorsprung in den Urlaub verabschiedet. Trotzdem verlor er danach die Weltmeisterschaft an einen besser erholten Hamilton, der fünf der nächsten sechs Rennen auf seine Seite zerrte. Diesmal grübelt Vettel schon vor der Pause über einem Rückstand von 24 Punkten und sicher auch über die Frage: Wie groß ist die Schuld des Fahrers am Rückstand?

Im Vorjahr war Vettels Technik marode, diesmal ist sie überlegen

Denn Vettels Ferrari, der SF71H, ist gut. Er ist sehr gut. Er ist sogar so gut, dass zum ersten Mal seit Einführung der Hybrid-Motoren in der Formel 1 vor vier Jahren die Scuderia ihrem Spitzenfahrer ein kräftigeres Aggregat unter die Haube geschraubt hat als der Konkurrent aus Brackley. Vettels Motor ist nach einem gleichsam sprunghaften wie mysteriösen Kraftzuwachs um 38 PS so kräftig, dass niemand bezweifelt, dass Vettel vom besten Material um die Kurven geschoben wird. Doch wie schnell holt Mercedes auf? Nach der Pause folgen die Rennen in Spa und Monza, dann reist der Tross nach Asien, an jenen Ort, an dem Vettel im Vorjahr das Duell gegen Hamilton verlor: in Suzuka, als der Deutsche gar nicht erst mitfuhr, weil ihn eine defekte Zündkerze daran hinderte. Im Vorjahr war Vettels Technik marode, diesmal ist sie überlegen. Im Vorjahr war das Auto sein Fluch, jetzt ist es seine Hoffnung.

In dieser an kuriosen Szenen nicht armen Saison gab es zuletzt seltsame Wendungen. Da war Hamilton, der im Qualifying von Hockenheim aus dem Fahrersitz sprang und wie ein Hilfsmechaniker den Wagen zu schieben begann, der mit einem Hydraulikschaden liegen geblieben war. Da war Vettel, der in Hockenheim auf einen Rennsieg zusteuerte wie ein Zugvogel auf sein warmes Winterquartier und sich dann doch noch um ihn brachte, weil er sich in der regennassen Sachskurve verbremste und die Nase des Ferrari in der Werbebande versenkte.

Es stimmt schon: Innerhalb von drei Wochen hat Hamilton einen Acht-Punkte-Rückstand in einen 24-Zähler-Vorsprung verwandelt. Doch schon vorher hat Vettel ein paar ärgerliche Eintragungen zu viel auf seiner schwarzen Liste gesammelt, hat er Punkte verloren, als er überlegen war. In Frankreich hat Vettel einen Startunfall verursacht, in Österreich wurde er nach einem Doppelausfall der Silberpfeile nur Dritter, weil er vor dem Start strafversetzt wurde.

Im Vorjahr taugte Vettels Auto auch als Ausrede. Diesmal sitzt er in einem weltmeisterlichen Ferrari. Er muss ihn nur noch weltmeisterlich ins Ziel bringen.

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