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Schalkes dritte Niederlage:Trist in Textmarkergrün

Borussia Moenchengladbach v FC Schalke 04 - Bundesliga

Auch bei Borussia Mönchengladbach holt Schalke keine Punkte.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Nicht einmal königsblau trugen sie im Moment des Frusts. Die Spieler des FC Schalke 04 trotteten nach dem 1:2 (0:1) in Mönchengladbach, der dritten Niederlage im dritten Saisonspiel, in ihren textmarkergrünen Auswärtsjerseys vom Rasen. Der Zweite der Vorsaison blickt nun auf ein Spiegelbild der Tabelle der vergangenen Saison: Als Fünfzehnter könnte der Klub schon am Sonntag auf den vorletzten Platz durchgereicht werden - nur noch Bayer Leverkusen bleibt definitiv dahinter. Es ist zwar kein Negativ-Rekord für die Schalker, aber die ambitionierten Westfalen dürften kein Interesse daran haben, die miserable Bilanz von 2016 (fünf Auftakt-Niederlagen) zu wiederholen.

Trainer Domenico Tedesco, der vor der Partie noch von einer "geilen Situation" gesprochen hatte, sagte diesmal: "Das Ergebnis ist enttäuschend, aber wir lassen uns von den Ergebnissen nicht irritieren." Spielerisch sei man jedoch "auf dem richtigen Weg". Wohin der führt? Am Dienstag geht es in der Champions League gegen Porto, am Samstagabend gegen den FC Bayern München. Mal sehen, zu welchem Fazit der 33-jährige Coach dann kommt.

Die Partie in Gladbach begann mit einem kuriosen Paukenschlag: einem der vermutlich langsamsten Kopfballtore der jüngeren Bundesliga-Vergangenheit. Bei einem Eckball von Jonas Hofmann genoss Matthias Ginter nach 126 Sekunden Artenschutz und profitierte zudem davon, dass Daniel Caligiuri unter der Flanke hersprang. Ginters Abschluss war dennoch alles andere als kräftig - aber weil die Schalker die Pfosten unbesetzt lassen, trudelte der Ball zum 1:0 ins rechte Eck. Erste Chance, erster Treffer, das hätte sich durchaus auf der anderen Seite fortsetzen können. Doch Franco di Santo zog es nach einem Bilderbuchkonter vor zu dribbeln, statt im Strafraum zu schießen (5.).

An der Ausrichtung des Spiels änderte das 1:0 wenig, Schalkes Coach hatte eine offensive 3-4-3-Formation aufgeboten, um die Borussia hoch anzulaufen und gar nicht erst zur Entfaltung kommen zu lassen. Das Konzept ging anfangs, gelinde gesagt, nicht auf. Die Gäste waren zwar aktiv und engagiert - und kamen doch ständig zu spät, weil die Gladbacher feiner, flinker und genauer spielten, immer wieder in die Lücken, die die mitunter locker überspielten Gäste boten. Kein Borussen-Fan vermisste den verletzten Spielmacher Raffael. "Das Pressing-Verhalten hat da nicht funktioniert", gab Tedesco zu.

Gladbachs Torwart Sommer läuft zur Bestform auf

Bezeichnend für die ersten 40 Minuten waren vielleicht die Szenen mit Schalkes jungem Mittelfeldspieler Hamza Mendyl. Dem körperlich agierenden 20-Jährigen war anzumerken, wie sehr er links glänzen wollte. Aber ein Zuspätkommen an Hazard brachte ihm die gelbe Karte (22.), und Übereifer und ein weiteres Foul am gegnerischen Strafraum hätte keine 90 Sekunden später durchaus zur zweiten Verwarnung führen können. Doch Schiedsrichter Manuel Gräfe zeigte sich gnädig, und Schalkes Trainer nutzte die nächstbeste Gelegenheit, den Marokkaner auszuwechseln.

Gladbach hatte weniger vom Spiel, wirkte aber deutlich zielstrebiger. Thorgen Hazard tanzte Sebastian Rudy am Strafraumeck aus, scheiterte mit seinem Schuss aber genauso an Torwart Fährmann (29.) wie Mittelstürmer Alassane Pléa, der bei seinem Kopfball aus fünf Metern (37.) keinen Nutzen daraus ziehen konnte, dass die Gäste sich weigerten, sich ihm zu nähern. Dennoch stand es nur 1:0, und daran erinnerten die Schalker mit fünf starken Minuten am Ende der Halbzeit. Doch die Effizienz, die sie in der vergangenen Saison auf dem Weg zum zweiten Platz auszeichnete, fehlte wie schon in Wolfsburg (1:2) und gegen Berlin (0:2). Nach einem schludrigen Pass von Jantschke schob Mark Uth den Ball am Tor vorbei (41.), und zwei Minuten später kam der neue Schalker Stürmer nach feiner Einzelleistung aus zwölf Metern zum Abschluss, doch er scheiterte an Yann Sommer. Gladbachs Schweizer Torwart hatte zuvor schon bei einem Kopfball von Salif Sané (33.) glänzend reagiert.

Die zweite Halbzeit begannen die Gäste druckvoll, geradezu wütend. Gladbach ist zwar berühmt dafür, auf Konter zu lauern, aber so tief wollten sich die Hausherren vermutlich trotzdem nicht zurückdrängen lassen. Was fehlte, waren klare Abschlüsse. Mark Uth erzielte ein Abseitstor (50.) und kam knapp zu spät gegen Sommer (63.). Doch der Druck ließ bald wieder nach, und die wirklichen Gelegenheiten hatten die Gastgeber, die sich wieder "in die Partie zurückbissen", wie Gladbachs Trainer Dieter Hecking stolz berichtete. Zakarias Kopfball nach einer Vorlage von Wendt (65.) strich knapp am Pfosten vorbei, der eingewechselte Patrick Herrmann schoss nach gutem Konter (68.) knapp daneben, Hofmann setzte einen Flachschuss an den Pfosten (74.). Das Spiel kippte endgültig auf Gladbacher Seite, als die Schalker eine weitere Wendt-Flanke durch den Strafraum segeln und den eingewechselten Patrick Herrmann ungedeckt ließen, was der Offensivspieler mit einem platzierten Flachschuss zum 2:0 bestrafte (76.). Und was machte Gästezugang Sebastian Rudy? Musste sich kurz darauf wegen Krämpfen behandeln lassen.

Danach bewarb sich Yann Sommer mit zwei weiteren spektakulären Paraden - gegen Bentaleb (84.) und Uth (88.) - für die Auszeichnung zum Spieler des Spiels. "Er ist seit neun Monaten überragend", lobte Hecking. Nur als für Schalke alles zu spät war, hatte der Keeper gegen Embolo das Nachsehen (90.+3). Aber um den Schuss seines Landsmanns zu parieren, hätte der Schweizer auch vier Meter groß sein müssen.

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