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Schach-WM:"Zu Putin kann ich sagen, dass ich ihn wertschätze"

Es sollte ein Glückwunschgruß für eine Jugendfreundin sein, die just an diesem Tag die russische Staatsbürgerschaft bekommen habe. Aber auch später, nach seinem Sieg im Kandidatenturnier im Frühjahr 2016 und der Qualifikation für den WM-Kampf gegen Carlsen, gab sich Karjakin als Unterstützer Putins und dessen Vorgehen auf der Krim. Aktuell teilt er zu diesem Thema der SZ mit: "Ich bin vor allem Sportler, ich will nicht viel über Politik reden. Und zu Putin kann ich sagen, dass ich ihn wertschätze."

Die Bedeutung des WM-Kampfes in Russland ist immens, dort mischt sich der Anspruch alter Schachtradition mit dem modernen Ansatz, den Sport als Mittel der Machtdemonstration zu sehen. Zum letzten Mal war 2007 ein Russe Weltmeister (Wladimir Kramnik). Neun Jahre ohne WM-Titel, das hat es in Russland seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben, und das soll sich nun ändern.

Maximal zwölf Spiele

Es gibt maximal zwölf reguläre Partien. Wer zuerst 6,5 Punkte hat, ist Weltmeister. Steht es nach zwölf Runden 6:6, fällt die Entscheidung im Tiebreak bei Partien mit verkürzter Bedenkzeit. Alle Begegnungen beginnen um 19 Uhr deutscher Zeit (live bei sz.de/schachticker).

Partie 1: Freitag, 11. November

Partie 2: Samstag, 12. November

Partie 3: Montag, 14. November

Partie 4: Dienstag, 15. November

Partie 5: Donnerstag, 17. November

Partie 6: Freitag, 18. November

Partie 7: Sonntag, 20. November

Partie 8: Montag, 21. November

Partie 9: Mittwoch, 23. November

Partie 10: Donnerstag, 24. November

Partie 11: Samstag, 26. November

Partie 12: Montag, 28. November

Tiebreaks: Mittwoch, 30. November

Karjakins Trainingslager in Miami zahlte Andrej Filatow, Chef des russischen Schachverbandes und Kreml-naher Milliardär, der sein Geld im Infrastruktursektor verdient hat. Die Finanzierung des Kampfes wiederum obliegt vor allem Andrej Gurjew, Generaldirektor des Düngemittelherstellers Phosagro. Karjakin selbst stellte kürzlich begeistert fest, dass sich Putin vermehrt für den Schachsport interessiere.

Aber ob der Mann aus Simferopol die russischen Hoffnungen auch erfüllen kann? Er ist ob Carlsens seit Jahren dokumentierter Spielstärke zweifelsohne der Außenseiter, andererseits verfügt er über einige beachtliche Fähigkeiten, die all jene zu unterschätzen scheinen, die mit einem deutlichen Sieg des Norwegers rechnen. Karjakin ist bekannt für seine gute und zähe Verteidigung; nicht zuletzt beim Kandidatenturnier zeigte er, dass er in schwierigen Situationen kaum einen Fehler macht - und einen einmal errungenen Vorsprung nicht mehr hergibt. An die Physis des Sportallrounders Carlsen mag er nicht heranreichen, aber er steht diesbezüglich auch nicht so weit zurück wie etwa dessen letztmaliger Kontrahent Viswanathan Anand.

Er wolle jetzt "200 Prozent" hineinlegen, um Carlsen zu besiegen, sagt Karjakin. Und vielleicht hegt er dabei auch die Hoffnung, dass der Norweger ob all seiner Aktivitäten und Auftritte abseits des schachlichen Kernthemas ein wenig abgelenkt war - während er selbst nur einmal bei Miamis Basketballern vorbeischaute.

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