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Magnus Carlsen bei der Schach-WM:"Es ist schwer, cool zu sein, wenn du Schachspieler bist"

WM im Schnell- und Blitzschach in Berlin

Ein seltsamer Junge: Schach-Weltmeister Magnus Carlsen (links).

(Foto: dpa)

Ein Kinofilm zeigt, wie hart die Kindheit von Magnus Carlsen war. Jetzt ist er ein bestauntes Schach-Genie - und kommt in seinem dritten WM-Kampf im Zentrum der Coolness an.

Es ist der vielleicht entscheidende Satz im Leben des Magnus Carlsen: "Es ist ziemlich schwer, cool zu sein, wenn du ein Schachspieler bist." Er sagte das ungefähr im Alter von 13 oder 14, als er sehr betrübt zu Hause saß in Bærum. Carlsen erzählte, wie ihm eine Gruppe von Jungs das Leben zur Hölle machen will, ihn "ärgert, wo es nur geht". Weil er ein Außenseiter sei. Pausbackig, leichte Segelohren, bisweilen geistig abwesend und sehr nach innen gekehrt. Zudem mit diesem seltsamen Hobby: Er spielt Schach.

Der Satz wurde im elterlichen Haus von einer Videokamera aufgenommen und ist nun zu sehen im Film "Magnus - Mozart des Schachs", der in diesen Tagen in die Kinos kommt. Der Film zeigt weitere Szenen aus der Kindheit und Jugend des Magnus Carlsen. Während das Werk aus künstlerischer Sicht Schwächen hat, gibt es interessante Einblicke für jemanden, der dem Genie auf die Schliche kommen will. Die Eltern von Magnus Carlsen hatten in den neunziger Jahren offenbar eine Vorahnung und hielten den Werdegang ihres Sohnes auf Video fest.

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Inzwischen müssen sich Sigrun Øen und Henrik Albert Carlsen nicht mehr darum kümmern, dass Filme von ihrem Sohn gemacht werden. Ihr Magnus hat es geschafft. Er ist nicht nur Weltmeister, die Welt nimmt seine Schrägheiten inzwischen als außergewöhnlich cool wahr. Zuletzt tauchte ein Video auf Youtube auf, in dem der 25-Jährige im New Yorker Washington Square Park zusammen mit der sehr coolen Schauspielern Liv Taylor auftaucht. Er sitzt an einem Tisch und fordert zwei ältere Herren zu einem Spiel heraus.

Die beiden beteuerten danach, sie hätten nicht gewusst, gegen wen sie da antreten würden. Allerdings sogleich gemerkt, wie aussichtslos das Unterfangen sei. Den einen besiegte Carlsen in zehn Zügen. Vorher hatte Carlsens Manager Espen Agdestein gegen einen ziemlich schlecht ausgehen, " da musste ich die Ehre der Norweger in diesem Park wiederherstellen", erklärte Carlsen.

Sein Gegner heißt Sergei Karjakin

Im Schachspiel ist der Ruhm des Landes weltweit ohnehin auf seinem Höhepunkt angelangt. Magnus Carlsen war schon Weltmeister im Blitzschach, amtiert als Weltmeister im Schnellschach und in der herkömmlichen Spielform. Hier will er in den kommenden Wochen zum dritten Mal in Serie den Titel gewinnen, im Zentrum der Coolness: im Seaport District von Manhattan, New York, nahe der Brooklyn Bridge. Sein Gegner heißt Sergei Karjakin aus Russland und alles andere als ein Erfolg Carlsens würde die Schachwelt erschüttern.

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Die Favoritenstellung ist leicht an der Weltrangliste abzulesen: Carlsen liegt auf Platz eins mit 2853 Punkten, Karjakin auf Rang neun mit 2772 Punkten. Das ist im Schach ein Klassenunterschied. Zuletzt traten die beiden im Masters von Bilbao gegeneinander an und der auf der Krim geborene Russe hatte nicht den Hauch einer Chance.

"Carlsen verfügt über eine nie erreichte schachliche Intuition", erklärt Stefan Kindermann, Großmeister und Geschäftsführer der Münchner Schachakademie. Laufen Partien auf ein scheinbar sicheres Remis zu, könne der Norweger den Gegner plötzlich überspielen wie kein anderer: "Und im Endspiel findet er oft geniale Ressourcen, die man dort gar nicht vermuten würde."