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Rücktritt von Uli Hoeneß:FC Bayern verliert seinen Bauch

Uli Hoeneß FC Bayern

Das war einmal: Uli Hoeneß, Patron des FC Bayern.

(Foto: imago sportfotodienst)

Uli Hoeneß baute mit einer Mischung aus knallharter Geschäftspolitik und heimeliger Familienatmosphäre aus dem FC Bayern ein einzigartiges Konstrukt. Jetzt musste die Vaterfigur zurücktreten. Den Verein wird das verändern.

Von Thomas Hummel

Wann hat zuletzt ein Prozess um einen Menschen die Bevölkerung derart polarisiert? Als sich am Donnerstag gegen 14 Uhr die Türen zum Gerichtssaal im Münchner Landgericht II schlossen, stand für einige Minuten die Zeit still. Das Interesse an dem Urteil zwang die Internetseiten einiger Nachrichtenportale fast in die Knie, die Webseite des FC Bayern war eine Weile nicht zu erreichen.

Drei Jahre und sechs Monate Haft wegen Steuerhinterziehung von 28,5 Millionen Euro. Am Freitagvormittag die Erklärung, keine Revision gegen das Urteil einzulegen, von den Ämtern als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern München zurückzutreten.

Im Grunde ein normaler Vorgang, bei einem Politiker wäre das eine zwingende Folge und deshalb eine Randmeldung gewesen. Doch der FC Bayern und Uli Hoeneß, das ist eine besondere Geschichte. Und weil zudem der Fußball in diesem Land bei den Leuten viel mehr den Bauch als das Hirn anspricht, kommen die großen Emotionen hoch.

Für die Anhänger des FC Bayern ist Uli Hoeneß eine Art Vaterfigur. Mit allen Facetten, die eine Vaterfigur eben hat. Was zuallererst bedeutet: Er kümmert sich um die Familie, sorgt für deren Wohlergehen, wehrt Angriffe von außen ab. Im Falle des heute 62-Jährigen war dies ein unschlagbares Gesamtpaket.

Als Uli Hoeneß noch Spieler war, hatte er dem Münchner Klub 1978 einen lukrativen Sponsorenvertrag mit demLastwagenhersteller Magirus-Deutz aus seiner Heimatstadt Ulm vermittelt. Mit diesem Geld konnte damals Paul Breitner zurückgeholt werden, womit der FC Bayern seine zweite erfolgreiche Phase nach der Beckenbauer-Müller-Maier-Ära einläutete. Der Deal verdeutlichte bereits die Kombination aus sportlicher Kompetenz und wirtschaftlichem Talent, mit der Hoeneß den Klub später zur Weltmarke aufbauen sollte.

Hoeneß war dabei nie zimperlich. Mitbewerber hat er stets geschwächt, indem er zur Not genug Geld auf den Tisch warf und die besten Spieler abwarb. Wer ihm intern nicht ins Konzept passte, der wurde abserviert. Der niederländische Trainer Louis van Gaal war so ein Beispiel. Uli Hoeneß ist ein Machtmensch, der stets seine eigenen Regeln durchsetzte.

Immer wieder drangen Geschichten nach draußen, dass er sich um diesen oder jenen Mitarbeiter kümmerte. Zu einem neuen Job verhalf, aus finanziellen Problemen befreite, et cetera. Auch in Bezug auf Spieler gab es die Erzählungen von Güte und Rückhalt. Als Franck Ribéry wegen seiner Sexaffäre mit einer minderjährigen Prostituierten mächtig in Schwierigkeiten geriet, holte er den Franzosen in eine Art FC-Bayern-Kokon, schützte ihn vor allen Angriffen, gab ihm einen neuen Vertrag.

Es ist diese Mischung aus knallharter Geschäftspolitik und heimeliger Familienatmosphäre, die den FC Bayern zu einem einzigartigen Konstrukt macht. Ohne Uli Hoeneß ist das vorbei.

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