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Riesenslalom-Sieger Ted Ligety:Mit Umwegen schneller am Ziel

Ted Ligety

Hatte sich einen großen Schluck Champagner redlich verdient: Riesenslalom-Sieger Ted Ligety aus den USA.

(Foto: Al Bello/AFP)

Triumph zur rechten Zeit: Ted Ligety hat WM-Gastgeber USA die erste Goldmedaille verschafft. Mit seinem besonderen Fahrstil gelingt ihm ein Kunststück, das im Riesenslalom zuvor niemand vollbracht hat.

Ted Ligety öffnete die Champagnerflasche, er holte aus, das klebrige Gesöff waberte durch die Luft, es traf: Ted Ligety. Der 30 Jahre alte Amerikaner hatte sich die Dusche im Zielraum bewusst selbst gegönnt, er hatte einen ereignisreichen Arbeitstag hinter sich. Seine Goldmedaille im Riesenslalom verschaffte dem Gastgeberland dieser 43. alpinen Ski-Weltmeisterschaft seinen ersten Weltmeister.

Elf Tage hatten sie darauf gewartet in Vail und Beaver Creek, das waren nach eigenen Maßstäben ungefähr elf Tage zu viel. Als Ligety um kurz nach 15 Uhr Ortszeit als Sieger ausgerufen wurde, stießen die 10 000 Zuschauer einen spitzen Schrei aus, der vermutlich bis in die benachbarte Sierra Nevada hallte. "Das ist schon etwas emotionaler als bei einigen anderen Goldmedaillen", sagte Ligety und fügte an: "Dieses Jahr war nicht ganz einfach."

Ligety gewann in Sotschi im Riesenslalom Gold

In Amerika nennen sie Ted Ligety "Mr. Giant Slalom", Mister Riesenslalom. Ligety hört das nicht gerne, er verweist dann auf seine weiteren Qualifikationen, im Super-G zum Beispiel. Ein bisschen selbst schuld ist er aber schon: Ligety gewann im Riesenslalom Gold bei den Winterspielen in Sotschi, fünf Mal sicherte er sich die Weltcup-Wertung in seinem Fachgebiet. Am Freitag fügte er sein drittes WM-Gold in seinen Lebenslauf ein, in Serie wohlgemerkt, das hatte im Riesenslalom bislang niemand vollbracht.

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Im zweiten Durchgang ist die Konkurrenz zu stark: Felix Neureuther landet im Riesenslalom der Ski-WM auf Rang vier. Marcel Hirscher holt die nächste Medaille, ganz oben steht plötzlich wieder Ted Ligety.

Ligety war allerdings bescheiden in die aktuelle Saison gestartet. Als sie vor drei Jahren den Radius der Riesenslalom-Skier veränderten, kam das vor allem seinem Fahrstil entgegen. Ligety nutzte das, um seine Herrschaft in der Disziplin zu festigen. Mittlerweile hat es den Anschein, als habe die Konkurrenz ihren Wissensrückstand verkürzt. Ligety musste seine Herrschaft zudem fürs Erste an Marcel Hirscher abtreten, das versetzte seiner Selbstsicherheit offenbar einen Tritt.

Der Ligety, der in diesem Winter über die Hänge carvte, war nur noch entfernt verwandt mit jenem Ligety der Vorjahre, der den anderen regelmäßig enteilt war, nicht um Zehntel, wie im Skisport üblich, sondern um Sekunden. Vor der WM gewann er ein Rennen, den Weltcup im Dezember auf dem WM-Hang in Beaver Creek, er wurde zwei Mal Zweiter, in der Disziplinwertung lag er weit hinter Hirscher - alles nicht so einfach eben, zumindest, wenn es nach Ligety geht.