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Werder in der Relegation:"Schlecht von der ersten bis zur letzten Minute"

Ganz schön unzufrieden: Bremens Coach Florian Kohfeldt (rechts).

(Foto: AP)

Werder Bremen versinkt im Relegations-Hinspiel gegen Heidenheim in Ideenlosigkeit. Ein bisschen Trost spendet das trübe Ergebnis aber doch.

Von Ralf Wiegand, Bremen

Von Frank Schmidt könnte man manchmal glauben, es hätte ihn schon mal gegeben. Seit 13 Jahren arbeitet er beim selben Verein, einem kleinen Klub, der immer größer wird, sogar schon mal den FC Bayern München das Fürchten lehrte und den HSV abhängte. Vor Mannschaften, die von Frank Schmidt trainiert werden, sprechen die Besten der Branche mit in Respekt gekleideter Angst, weil ihm immer irgendetwas einfällt, womit der Gegner nicht gerechnet hatte. "Das ist ja mein Job, dass ich mir Gedanken mache", sagte Schmidt, 46. Zuvor war ihm tatsächlich eingefallen, wie seine Elf ein Unentschieden in Bremen holen könnte: 0:0, noch ist alles drin fürs Rückspiel am Montag um den Aufstieg in die Bundesliga.

Der trockene Humor, die Sachlichkeit, die Vereinstreue, der Erfolg, die Verstörtheit der anderen - Werder Bremen hatte das alles auch mal, als die Trainer für jeweils 14 Jahre noch Thomas Schaaf oder Otto Rehhagel hießen, unter denen Werder als norddeutscher Hering mit den Haien schwimmen durfte. Real Madrid mit Raúl oder der SSC Neapel mit Maradona, das Chelsea von Mourinho, sie alle haben lernen müssen, was dieses Werder Bremen ist, das die Bayern das Fürchten lehrte und den HSV abhängte.

Die Geschichten von Werder Bremen und dem 1. FC Heidenheim haben gewisse Ähnlichkeiten, wenngleich der Klub aus Ostwürttemberg an seinem Märchen noch schreibt, während das der Bremer schon mit "Es war einmal" beginnt. Wenn sich zwei solche Vereine begegnen, der eine mit großer Geschichte, der andere mit großer Gegenwart, dann ist einer von beiden auf dem Weg nach oben, der andere nach unten. Dann ist, wie Werders Trainer Florian Kohfeldt die Relegation um Aufstieg in die und Abstieg aus der Bundesliga nennt, "absoluten Crunchtime". Flapsig übersetzt bedeutet das: Jetzt geht's um die Wurst.

Und so sah das auch aus, als sich Werder und Heidenheim am Donnerstagabend im Weserstadion begegneten. Die Relegation bietet nie guten Fußball, und sollte doch mal irgendjemand guten Fußball angeboten haben in diesem Verdrängungswettbewerb mit zynischem Charakter, kann man das getrost als unerhebliche Abweichung von der Norm aus der Statistik herausnehmen. Wenn nur noch das nackte Ergebnis zählt, ist der Weg dorthin egal. "Ich habe meiner Mannschaft für den ersten Teil gratuliert", sagte Heidenheims Trainer Frank Schmidt daher nach dem ersten von zwei Spielen und einem 0:0, das sich seine Mannschaft mit großem Herzen erarbeitet hatte. "Wir dürfen enttäuscht sein, aber nicht zu lange", sagte hingegen Florian Kohfeldt.

Heidenheim spielte regelrecht beseelt

So war das alles nicht unbedingt erwartet worden, nachdem die Heidenheimer den dritten Platz in ihrer Liga trotz eines 0:3 in Bielefeld nur wegen eines Unfalls mit Totalschaden behielten, der sich zeitgleich in Hamburg ereignete (1:5 gegen Sandhausen). Gleichzeitig hatten sich die Bremer mit einem 6:1 gegen Köln aufgepumpt - aber das alles war nun nichts mehr wert. "Wenn wir eins können, ist es hinfallen und wieder aufstehen", sagte Frank Schmidt, "das haben wir heute bestätigt." Gleichzeitig widerlegten die Bremer nicht, dass sie besonders gut darin sind, immer wieder hinzufallen, nachdem sie aufgestanden sind. "Es war ein schlechtes Spiel von uns, von der ersten bis zur letzten Minute", sagte Kohfeldt. Er habe zwar einen Plan gehabt, ätzte er, ob der gut gewesen sei, könne er aber nicht beurteilen: "Wir sind ja nicht dazu gekommen."

Immer wieder in dieser Saison muss der Bremer Trainer mit der Enttäuschung umgehen, dass seine Spieler vom vorgegeben Weg abkommen, sich regelrecht abdrängen lassen, wenn der Gegner nur ein bisschen zupackender ist. Heidenheim war sehr zupackend, der weite Ausflug in die norddeutsche Tiefebene beseelte den Außenseiter regelrecht. Mit Kuhglocke und Tröte erlangten sie nicht nur die akustische Hoheit im leeren Stadion, auch auf dem Platz waren sie präsenter als der Gegner. Schmidt hatte sogar die eigene Entourage überrascht, indem er Kevin Sesser und Maurice Multhaupt aufbot und so das Mittelfeld verdichtete wie einen festen Plätzchenteig. Werder versank in Ideenlosigkeit. Wann der Plan verloren gegangen ist für dieses Spiel? "Nach ein, zwei Minuten", sagte Kohfeldt.

Bleibt für die Bremer nur der Trost, dass dank der Arithmetik des Wettbewerbs ein 0:0 das beste aller schlechten Ergebnisse jenseits einer Niederlage ist. "Gefährlich" nannte es sogar Frank Schmidt, weil Auswärtstore wie im Europacup mehr zählen, noch so Zynismus der Relegation, deren erster Teil am Ende von Blitz, Donner und Starkregen angemessen bedeutungsschwanger begleitet wurde. Auf der schwäbischen Alb, versprach Heidenheims Oberbürgermeister Bernhard Ilg im Berliner Tagesspiegel, werde er am Montag sogar "ordentlich Schnee fallen lassen, damit die Bremer richtig ausrutschen". Winter mitten im Juli - es ist wirklich Crunchtime.

© SZ.de/ebc
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