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Relegation:Tor in der 96. Minute - Nürnberg rettet sich dramatisch

FC Ingolstadt v 1. FC Nürnberg - 2. Bundesliga Playoff Leg Two

Der Moment: Fabian Schleusener (rechts) bugsiert den Ball irgendwie ins Tor des FC Ingolstadt.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Der 1. FC Nürnberg verhindert gegen Ingolstadt in der allerletzten Sekunde den Absturz in die dritte Liga. Zuvor hatte der FCI das 2:0 aus dem Hinspiel gedreht.

Erlösung in letzter Sekunde nach einer enttäuschenden Saison: Der 1. FC Nürnberg hat den Absturz von der Bundesliga in die 3. Liga durch einen Treffer von Fabian Schleusener (90.+6) nach einer dramatischen Zitterpartie abgewendet. Der neunmalige deutsche Meister verlor das Relegationsrückspiel beim FC Ingolstadt mit 1:3 (0:0), rettete sich nach dem 2:0 im Hinspiel aber aufgrund der Auswärtsregel. Der Club verhinderte damit seinen zweiten Sturz in die Drittklassigkeit nach 1996. Hier geht es zum Liveticker der Partie.

"Es war ein Kampfsieg, den nehmen wir mit. Wir müssen uns für nichts rechtfertigen, für gar nichts", sagte Nürnbergs Trainer Michael Wiesinger bei DAZN: "Es war sehr verrückt, ich bin schon lange dabei, das hat aber alles getoppt."

Retter in höchster Not war Schleusener, der den Club davor bewahrte, mal wieder zum Depp zu werden. Nach den Treffern durch Ingolstadts Kapitän Stefan Kutschke (53.), den Nürnbergs Torhüter Christian Mathenia durch eine unglückliche Abwehraktion begünstigt hatte, Tobias Schröck (62.) und Robin Krauße (66.) hatten die Nürnberger schon ganz dicht am Abgrund gestanden.

"Mein Puls ist bei 200. Ich bin unheimlich erleichtert. Ich dachte, ich überlebe das nicht", stammelte Nürnbergs Aufsichtsratschef Thomas Grethlein nach dem erlösenden Abpfiff. Ingolstadts Trainer Thomas Oral haderte mit der Nachspielzeit. Fünf Minuten wurden angezeigt - doch Schiedsrichter Christian Dingert packte noch ein paar Extra-Sekunden drauf. "Da geht es drunter und drüber in der letzten Minute. Fakt ist, dass wir eine Nachspielzeit hatten, die für mich unverständlich ist", sagte Oral und monierte auch, dass der VAR das Tor nicht wieder zurücknahm. "Wenn Kontakt da ist, ist es ein Foul. Das ist natürlich brutal. Was soll ich dazu sagen."

Zunächst ging Ingolstadt kein Risiko ein und überließ dem Club die Initiative. Aber die Nürnberger ließen sich nicht locken, waren stets darauf bedacht, Ball und Gegner zu kontrollieren und keine Räume oder Konterchancen anzubieten. Erst mal müsse hinten "die Null wegverteidigt" werden, hatte Übergangstrainer Michael Wiesinger bereits nach dem Hinspiel betont.

FC Ingolstadt v 1. FC Nürnberg - 2. Bundesliga Playoff Leg Two

Nach dem Schlusspfiff fallen die Nürnberger Spieler übereinander her.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Der Club hatte früh eine gute Kopfballchance durch Mikael Ishak (9.), danach gab es kaum Torraumszenen. Ingolstadt wurde nach gut 20 Minuten allerdings mutiger, kämpfte sich in die Partie und hatte bei einem Freistoß von Robin Krauße (28.), dessen Schuss knapp am Tordreieck vorbeiflog, eine gute Gelegenheit zur Führung. Nürnberg kam danach besser aus der Pause, konnte eine gute Chancen aber nicht nutzen. Und plötzlich kippte die Partie.

Bei zwei Freistößen von Marcel Gaus agierten die bis dahin gut stehenden Nürnberger sehr ungeschickt. Die Sicherheit aus den ersten 50 Minuten war damit dahin, nach dem dritten Gegentreffer taumelte der Club - raffte sich aber noch einmal auf.

Nach der späten Rettung ist in Nürnberg noch ungewiss, wie es personell weitergeht. Wiesinger betonte mehrfach, er gehe davon aus, auf seinen Posten als Leiter des Nachwuchszentrums zurückzukehren. Sein Relegations-Assistent Marek Mintal wird als neuen Cheftrainer gehandelt. Der umstrittene Sportvorstand Robert Palikuca muss um seinen Job bangen.

Darüber hinaus laufen die Verträge von Mikael Ishak und Eigengewächs Patrick Erras aus - beide gehörten zu den Besten in der Relegation. Außenspieler Robin Hack wird wohl zur TSG Hoffenheim zurückkehren.

© SZ.de/sid/schm
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