Primera Division "Real Madrid wird niemals sterben"

Real-Kapitän Sergio Ramos im Finale der Klub-WM in Abu Dhabi.

(Foto: AFP)
  • Real Madrid steht in der Primera Division nur noch auf dem fünften Platz.
  • Ein Grund hierfür ist der schwache Sturm, der FC Barcelona hat doppelt so viele Tore wie Madrid geschossen.
  • Nun könnte in José Mourinho ein alter Bekannter auf die Trainerbank zurückkehren.
Von Thomas Hürner

Sergio Ramós hat nach der jüngsten Heimniederlage (0:2) gegen Real Sociedad San Sebastián seine Drohung wahrgemacht und seine Mitspieler zur Krisensitzung einberufen. Am Montag versammelte der Kapitän von Real Madrid seine Teamkollegen am Mittelkreis des Estadio Alfredo Di Stéfano, eigentlich Spielstätte der zweiten Mannschaft, benannt nach der verstorbenen, aber immer noch allgegenwärtigen Klublegende aus den 1950er-Jahren. Seit der Ära von Di Stéfano sind Siege für Real obligatorisch, und wenn nicht mehr gesiegt wird, dann gibt es mindestens etwas zu besprechen.

Trainer Santiago Solari und Kapitän Ramos richteten zuerst das Wort an die Mannschaft. Die "Stimmen der zwei Bosse", so die spanische Sportzeitung Marca, sollten eine Dynamik umkehren, die Real in eine "nie zuvor gesehene Krise" abgleiten lassen könnte. Und obwohl Ramós zuvor im spanischen Fernsehen höchste Verschwiegenheit angemahnt hatte, will die Marca Details über das Krisengespräch herausgefunden haben. "Wir sprechen, um unser Gesicht zu ändern", soll der Kapitän gesagt haben, ehe er in typischer Manier eine Sache klarstellten wollte: "Real Madrid wird niemals sterben."

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Das Verlieren fühlt sich bei den Königlichen anders an als bei gewöhnlichen Klubs, nahe der metaphorischen Leichenstarre. Die Auftritte in der aktuellen Spielzeit wirken aber zumindest blutleer und bisweilen gleichgültig. In der spanischen Liga steht Real auf dem fünften Platz, hat nur 30 von 54 möglichen Punkten geholt. Eine besondere Schmach: Tabellenführer und Erzrivale FC Barcelona hat fast doppelt so viele Tore wie Real geschossen.

Ein Mann, der pro Saison rund 50 Pflichtspieltreffer erzielt, lässt sich eben doch nicht so leicht ersetzen, wie sich das Präsident Florentino Peréz vorgestellt hatte. Den Wert, den Cristiano Ronaldo für die Mannschaft noch immer hatte, unterschätzte er offenbar massiv. Ohne den portugiesischen Ausnahmekönner, seit Sommer bei Juventus Turin unter Vertrag, fehlt Real die Effizienz am Ende der langen Ballstaffetten. Peréz glaubte, dass der Weggang von Ronaldo innerhalb des Kaders aufgefangen werden könnte, allen voran durch seinen eigentlichen Lieblingsspieler Gareth Bale. Der Waliser hat aber, wie so häufig, mit Verletzungen zu kämpfen. Wenn Bale spielt, dann ist auch er naturgemäß torgefährlich, allerdings weit entfernt von Ronaldos Dimensionen. Das wiederum ist aber auch Kapitän Ramós aufgefallen, der in der Post-Ronaldo-Ära gerne der bestbezahlte Real-Spieler wäre. Das ist aber derzeit noch Bale, weshalb der Verteidiger laut der spanischen Zeitung El Mundo das Büro von Peréz aufgesucht hat. Die Forderung: Mindestens einen Euro mehr als der Waliser, bitte.

Auch wegen solcher Geschichten wäre es zu einfach, die Krise bei Real nur an der Personalie Ronaldo festzumachen. Der Klub befindet sich nach drei Champions-League-Titeln in Serie auf so etwas wie einer Sinnsuche, hat aber auf die Frage, wie es nach dem maximalen Erfolg weitergehen soll, noch keine langfristige Antwort gefunden. Das begann schon bei der Trainersuche im Sommer. Für Klublegende Zinedine Zidane kam Julen Lopetegui, laut spanischen Medien sei für Peréz aber eigentlich Mauricio Pocchettino von den Tottenham Hotspur erste Wahl gewesen. Lopetegui hätte eigentlich als Nationaltrainer Spaniens zur WM fahren sollen, wurde vor dem Turnier aber entlassen, weil Verhandlungen mit Real an die Öffentlichkeit drangen.

Ein Eklat, der sich später als sinnfrei erwies, weil die Ära Lopetegui bei Real ein schnelles Ende fand. Er arbeitete zuvor vor allem perspektivisch, als Talentausbilder in Spaniens Jugendnationalteams. Erfahrung als Vereinstrainer hatte er kaum vorzuweisen. An der Erwartungshaltung bei Real ist schon mancher große Name gescheitert, alles andere als der schnelle Erfolg wird nicht geduldet, weder von Peréz noch von den Fans. Lopetegui wirkte schon nach kurzer Zeit erschöpft von diesem permanenten Druck. Oder wie es der spanische TV-Experte Manu Carreño kurz vor dessen Entlassung Ende Oktober ausdrückte: "Lopetegui ist viel zu weich für einen Fleischwolf, wie es Real Madrid ist."

Trainer Solari soll schon wieder gehen

Für ihn kam Santiago Solari, zuvor Trainer der zweiten Mannschaft und früher als begabter Linksfuß Profi bei Real. Er gewann zwar im Dezember die Klub-WM, alles andere wäre in Anbetracht der Konkurrenz aber auch eine Demütigung gewesen. Doch auch unter Solari ist nichts besser geworden, weder die Leistungen noch die Ergebnisse. Der Tiefpunkt war eine 0:3-Heimniederlage in der Champions League gegen ZSKA Moskau. Und nach der Pleite am Sonntagabend gegen Real Sociedad forderte die Marca bereits: "Sagt ihm danke und adiós!" Dass Solari spätestens im Sommer gehen muss, gilt als beschlossene Sache, doch auch der von Peréz angeblich favorisierte Nachfolger wirft Fragen auf: José Mourinho könnte zurückkehren, glauben englische Medien. Allerdings: Das Verhältnis zwischen dem Portugiesen und einem Teil der Realprofis, allen voran Kapitän Ramós, gilt seit seiner ersten Amtszeit bei Real als vergiftet. Und auch die Anhänger waren damals wenig empfänglich für Mourinhos destruktive Defensivtaktik.