RB Leipzig gegen Werder:Ohnmacht der Grashüpfer

10.04.2021, xkvx, Fussball 1.Bundesliga, SV Werder Bremen - RB Leipzig emspor, v.l. Willi Orban (RB Leipzig), Alexander

Effizient: Leipzigs norwegischer Zugang Alexander Sörloth (am Ball) trifft gegen Werder Bremen zwei Mal.

(Foto: Jan Huebner/imago)

Tempo, Handlungsschnelligkeit, Klarheit im Passspiel: Leipzig ist Bremen trotz aller taktischer Kniffe überlegen - beim 4:1 wird deutlich, warum Werder wieder ganz nah am Abstiegskampf ist.

Von Thomas Hürner, Bremen

Florian Kohfeldt und Julian Nagelsmann kennen sich, und sie schätzen sich auch, der Coach des SV Werder Bremen und sein Pendant von RB Leipzig. Nagelsmann hatte Kohfeldt im Vorjahr sogar mal in einen "Darkroom" eingeladen, was jedoch spannender klingt, als es gemeint war: Es war Nagelsmann um eine ungestörte Tasse Kaffee gegangen. Die vergleichsweise jungen Trainer gehören bereits zum Inventar in der Bundesliga. Und sie stehen durchaus im Ruf, in den pandemiebedingt menschenleeren Stadien zu den lautesten Protagonisten am Spielfeldrand zu zählen.

Am Samstag im Bremer Weserstadion ging es jedoch sehr gesittet zu, wenngleich die verbale Zurückhaltung natürlich kein gegenseitiger Freundschaftsdienst gewesen sein dürfte. Es war nur so: Bei diesem 4:1-Sieg von RB waren die Kräfte ziemlich eindeutig verteilt, weshalb sich jedwede Diskussion von vornherein erübrigt hätte.

Wohldosierte Tempoverschärfungen genügen Leipzig, um Bremen Schwierigkeiten zu bereiten

Einen "sehr guten und schönen Fußball" hatte Nagelsmann von seiner Mannschaft gesehen, vor allem in der ersten Halbzeit. Nach der 0:1-Niederlage in der Vorwoche gegen den FC Bayern, die für die meisten Beobachter und die Leipziger selbst auch eine Vorentscheidung im Meisterschaftskampf war, sah der Auftritt in Bremen nach der passenden Reaktion aus. Aber ob der Titel noch ein realistisches Ziel für RB ist? Darüber brauche man jetzt nicht sprechen, sagte Nagelsmann: "Am Ende haben wir das nicht in der eigenen Hand." Es gehe stattdessen darum, die "erfolgreichste Saison" in der Geschichte des Klubs zu spielen. Acht Punkte fehlen dem Tabellenzweiten dafür noch.

Werder-Coach Kohfeldt hatte sich vorher natürlich überlegt, wie der Leipziger Übermacht am besten zu begegnen sei, und zunächst gelang das auch durch eine tiefe Staffelung in einer Fünfer-Abwehrkette und einigen gezielten Gegenstößen. Die Bremer agierten zu Beginn durchaus mutig, allerdings ließ sich mit zunehmender Spieldauer eines nicht mehr kaschieren, allen taktischen Kniffen zum Trotz: Eine Horde roter Bullen kann ein paar grüne Grashüpfer jederzeit über den Rasen treiben, wenn sie es drauf anlegt.

Wohldosierte Tempoverschärfungen genügten den Leipzigern, um der Heimelf Schwierigkeiten zu bereiten, sie waren in allen fußballerischen Belangen ausgereifter und besser: Tempo, Handlungsschnelligkeit, Klarheit im Passspiel - und wenn das nicht reichte, leisteten die in der Defensive sonst so gut strukturierten Bremer das erforderliche Beiwerk.

"Die Gegentore zwei, drei und vier sind viel zu einfach gefallen", sagte Kohfeldt

Ein Ausweis dessen waren die Tore von RB, denen jeweils unterschiedlichste Angriffsvariationen vorausgingen. In der 23. Minute ging es über vier Stationen durchs Zentrum, jeweils mit nur einem Kontakt, und am Ende dieses Spielzugs steckte Kevin Kampl auf den eingelaufenen Dani Olmo durch, der zum 1:0 traf. Den nächsten RB-Treffer erzielte der im Strafraum sagenhaft freistehende Stürmer Alexander Sörloth, per Kopf nach einer punktgenauen Flanke (32.).

Dann war es wieder Sörloth, der bei seinem zweiten Tor aus kurzer Distanz lediglich einschieben musste, nachdem Leipzig einen frühen Ballverlust provoziert hatte (41.). Der norwegische Zugang war in dieser Saison viel kritisiert worden, weshalb es durchaus zu erwarten gewesen wäre, dass Nagelsmann seine Leistung ausdrücklich hervorheben würde. Lob gab es aber lediglich für Sörloths Effizienz, "das Spiel als solches war nicht überragend", sagte der RB-Coach.

Ein waschechter Mittelstürmer ist in der Startformation der Leipziger jedenfalls eine Seltenheit - und ein Doppelpack daher eine gute Referenz für Sörloth. Einen Mangel an ausgebildeten Torjägern hätte der SV Werder hingegen nicht im Kader, wenn nicht ständig ein beträchtlicher Anteil des Repertoires verletzt fehlen würde.

Am Samstag konnte Kohfeldt aber mit dem jungen Erin Dinkci, mit dem mittlerweile etablierten und ebenfalls jungen Josh Sargent sowie im früheren Leipziger Davie Selke gleich drei Angreifer aufbieten - und er konnte in der zweiten Hälfte den häufig unglücklichen Milot Rashica einwechseln und ihm auf eigene Weisung hin das so lange ersehnte Erfolgserlebnis bescheren. Kohfeldt ordnete an, dass der Kosovare zum Handelfmeter antreten durfte. Rashica verwandelte in der 61. Minute sicher zum 3:1-Anschluss des SV Werder, es war sein erster Saisontreffer. "Ich hoffe für ihn, dass er jetzt viele weitere Tore macht", sagte Kohfeldt.

Letztlich gereichte das jedoch nicht mehr zum Start einer Aufholjagd, weil RB kurz darauf einen erneuten Bremer Fehler im Spielaufbau rigoros bestrafte. Der Angreifer Christopher Nkunku eroberte an der Strafraumkante den Ball und passte zu Marcel Sabitzer, der mit einem wuchtigen Schuss den 4:1-Endstand erzielte (63.). "Die Gegentore zwei, drei und vier sind viel zu einfach gefallen", bemängelte Kohfeldt.

Für den SV Werder bedeuteten diese Unachtsamkeiten auch, dass es in der Liga zuletzt vier Niederlagen in Serie gab, der Vorsprung auf den Relegationsplatz beträgt nur noch fünf Punkte. "Wir sind alle wachsam", versicherte Kohfeldt. Außer dem Bremer Ansinnen, den Abstiegskampf auch in den kommenden Wochen vornehmlich den anderen zu überlassen, steht aber noch ein echter Saisonhöhepunkt an: Ende April im Pokal-Halbfinale - gegen Leipzig und Trainer Nagelsmann. Vielleicht gibt es dann ja Sekt statt einer Tasse Kaffee.

Zur SZ-Startseite
09.04.2021, xkvx, Fussball 2.Bundesliga, Hamburger SV - SV Darmstadt 98 emspor, emonline, v.l. Goal scored, Tor zum 0:1

Hamburger SV
:Wieder ein kolossales Ärgernis

Der Hamburger SV verliert 1:2 gegen Darmstadt 98 - und damit eines jener Spiele, die ein Klub nicht verlieren darf, wenn er aufsteigen will. Ausgerechnet jetzt muss das Team 14 Tage auf die nächste Partie warten.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB