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Premier League:Peps nächste Kulturrevolution

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Neue Bewegungsmuster, neue Philosophie, neue Fingerzeige: Manchester Citys neuer Trainer Pep Guardiola an seiner neuen Wirkungsstätte, dem Trainingsgelände von Manchester City.

(Foto: Thomas Peter/Reuters)

Der frühere Bayern-Trainer will bei Manchester City mit jenen Ideen gewinnen, die ihn in Barcelona und München zu Erfolgen trugen. Dabei hilft ihm ein Bruder im Geiste.

Von Javier Cáceres, London

Vor ein paar Monaten, als sein Wechsel vom FC Bayern zu Manchester City bestätigt worden war, saß Pep Guardiola, 45, nahe Barcelona bei Freunden an einem reich gedeckten Tisch. In einer Fischerhütte, wo man sich gelegentlich trifft, um Köstlichkeiten des Mittelmeers zu genießen, und redet, über dies, über das.

Es kam natürlich auch die Rede auf das, was ihn in England erwartet, und darauf, wen er als Erstes verpflichten würde, um eine Mannschaft nach seinem Gusto zu verändern, die zwar mit etlichen Millionen gepäppelt wurde, aber nie an das Niveau heranreichte, das sich die Scheichs bei der Übernahme des Klubs versprochen hatten.

Guardiola zögerte keinen Moment, als er sich auf seine Verpflichtung festlegen sollte: "Einen Ernährungsberater!" Die Besessenheit, mit der er über die Körperfettwerte seiner Spieler wacht, ist legendär; er hat sogar Menschen aus seinem weiteren Umfeld, die er aus nachvollziehbaren Gründen für übergewichtig hielt, zum Ernährungsberater geschleift, lange bevor er beim FC Barcelona, seiner ersten Trainerstation (2008-2012), die Ernährung der Mannschaft umstellte.

Nun soll Guardiola Manchester City auf ein neues Level heben. Möglichst sofort

Beim FC Bayern (2013-16) arbeitete er mit Mona Nemmer zusammen, Gerüchten zufolge hätte er sie gern zu City mitgenommen. Doch da kam ihm Jürgen Klopp zuvor, der Trainer vom FC Liverpool hatte Nemmer bereits vorher abgeworben. Wenn man so will, war es eine ernste, strategische Transfermarkt-Niederlage, die Guardiola zu seinem Amtsbeginn bei Manchester City erleiden musste - vor der vielleicht größten Herausforderung seiner Karriere, die am Samstag mit einem Heimspiel gegen den FC Sunderland ihren offiziellen Anfang nimmt.

Das Wort "vielleicht" ist angebracht, weil es nicht so einfach ist, die bisherigen Herausforderungen Guardiolas zu kategorisieren. Wenn er sich als Trainer der zweiten Mannschaft des FC Barcelona nicht durchgesetzt hätte, wäre alles vorbei gewesen, sagte Guardiola unlängst. Doch die Jahre bei Barça und Bayern waren kaum weniger fordernd. Nun soll er Manchester City auf ein neues Level heben. Möglichst sofort. Obwohl er sich zunächst zurechtfinden muss in einer Fußballkultur, die er von innen so wenig kennt wie einst die deutsche, deren Mythen und Legenden ihn aber seit Jahrzehnten faszinieren.

Als Spieler gewann er 1992 mit Barcelona den Europapokal der Landesmeister im Londoner Wembley-Stadion, und der frühere Torwart Andoni Zubizarreta hat einmal erzählt, dass sich Guardiola beim Abschlusstraining mit einem Kameraden darüber stritt, ob die Treppe zur Ehrentribüne wirklich 33 Stufen lang sei.

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