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Pizarro beim FC Bayern:Monaco Franze aus den Anden

Pressefoto Bayern 2013 - Sport

Verabschiedet sich vom FC Bayern: Claudio Pizarro.

(Foto: Peter Schatz/dpa)

Claudio Pizarro schoss so viele Bundesliga-Tore wie kein Ausländer vor ihm - jetzt soll der Peruaner mit 36 Jahren den FC Bayern verlassen. Über einen Fußballer, dem ein ganzer Wasserfall an Tränen nachgeweint werden wird.

Von Jonas Beckenkamp

Jetzt, da Claudio Pizarro auf die Zielgerade einbiegt, darf die Öffentlichkeit auch die Geschichten erfahren, die sonst unter Verschluss bleiben. Zum Beispiel jene aus der "Robinson Bar" am Münchner Gärtnerplatz, die viel über den Menschen Pizarro und seine Lebensart aussagt: Dort hatte es sich der Stürmer des FC Bayern an einem dienstfreien Abend mit seinen Amigos gemütlich gemacht, als plötzlich ein berühmter Fußball-Kollege des Peruaners auftauchte.

Der Legende nach fühlte Pizarro sich ertappt, es fiel - unterlegt von einem ansteckenden Grinsen - der Satz: "Scheiiißeee, de Cheeefe kommt!" Dieser Chef, das war Bastian Schweinsteiger, der zum Mineralwasser trinken auch gerne mal in der "Robinson Bar" vorbeischaut. Es gehört zu den Annehmlichkeiten des Münchner Nachtlebens, dass solche Episoden erst jetzt in der Zeitung stehen, da Pizarro nichts mehr zu befürchten hat.

Um die Häuser hat ihn irgendwie jeder schon ziehen sehen, aber entlarvende Handyfotos sind nie aufgetaucht. Für einen wie Pizarro ist das ein Segen. Gewusst haben's die Vereinsbosse eh, dass ihr Claudio ein Strizi ist, und es ist ja nicht verboten, als Fußballprofi seine Freizeit abseits der Playstation zu gestalten. Das Leben als Sportler hat Pizarro immer leicht genommen, so wie er auch alles andere leicht nahm. Und es ist davon auszugehen, dass er auch seinen Abschied vom FC Bayern zum Saisonende mit einem Lächeln und ein paar Tanzflächen-Dribblings meistert.

Die Arbeitspapiere des 36-Jährigen trudeln wohl ihrem Ablaufdatum entgegen. Am 30. Juni dürfte sich der bajuwarisierte Latino aus dem Münchner Unterhaltungsbetrieb verabschieden. Mit Pizarro geht nicht nur ein Typ, der in der Kategorie "Lebemänner der Liga" stets weit vorne zu finden war, sondern auch ein Fußballer, dem ein ganzer Wasserfall an Tränen nachgeweint werden wird. Den "geilsten Don der Liga", wie ihn die 11 Freunde einst nannten, finden sie in der Branche ja alle super: Die Münchner, die Bremer und wohl auch alle dazwischen. Ihm beim Umgang mit seinem Lieblingsfreund, dem Ball, in den 15 Jahren seines Wirkens in Deutschland zuzuschauen, war stets ein solcher Genuss, dass der Rest zur Nebensache geriet. "Pizza" streichelte die Kugel, anstatt sie zu treten. Er liebkoste den Ball und kreierte Tore wie Kunst- werke. Das Beweismaterial auf Youtube ist erdrückend. Saisonrückblicke ohne Pizarro-Tore?

Undenkbar. Er mag ein Schlawiner gewesen sein, vielleicht war er sogar eine Art Monaco Franze aus den Anden. Er mag hinter Gerald Asamoah der zweitbestgelaunte Profi Deutschlands sein - und er hat sein Talent im matthiassammerschen Sinn sicher nicht vollends ausgeschöpft. Aber für manche war er eben auch: "Der beste Fußballer, mit dem ich je gespielt habe." So erzählt es Mehmet Scholl, der ja durchaus einige Prominenz zum Vergleich kennenlernte. Lothar Matthäus zum Beispiel. Oder Franck Ribéry. Und sogar den "Wüsten-Maradona" Ali Karimi.

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