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Ominöse Millionen-Zahlung:Bestechungsorgie sogar gefilmt

Sollte Warner am Ende der Zehn-Millionen-Geldkette gestanden haben, fragt sich, was er 2002 damit anfing. Erklärungsmodell eins: Die Zahlung stand im Kontext einer schwarzen Kasse, etwa für Sepp Blatters Wiederwahl Mitte 2002. Damals war die Fifa politisch zerrissen; Blatter kämpfte gegen Issa Hayatou (Kamerun) um seinen Thron. Die Opposition aus Europa und Afrika war stark, elf der 24 Mitglieder des Fifa-Vorstandes hatten gar Strafanzeige gegen Blatter gestellt. Und dass Warners Concacaf seine Wahlstimmen zu versilbern pflegte, ist dokumentiert: 2011 wurde in der Karibik eine solche Bestechungsorgie sogar gefilmt; das beendete die Karrieren von Warner und Bin Hammam.

Floss der deutsche Vorschuss also dorthin: Haben sich Blatters Büchsenspanner eine schwarze Kasse erkauft?

"Einzelheiten bespreche ich mit Günter Netzer"

Erklärungsmodell zwei: Die Zahlung ist im Kontext mit der WM-Vergabe im Juli 2000 zu sehen. Beckenbauer und andere Beteiligte betonen ständig, Warner habe nicht für Deutschland votiert. Aber woher wollen sie wissen, wie wirklich gestimmt wurde? Die gängige These für Deutschlands 12:11-Sieg über Südafrika sieht zwar so aus, dass die acht Europäer und vier Asiaten im Vorstand einen Block für Schwarzrotgold gebildet hätten. Aber es gibt Widerspruch. Der inzwischen verstorbene Libanese Elias Zaccour, Intimkenner schmutzigster Fifa-Protagonisten, sagte 2013 der SZ, ausgeschert sei der Südkoreaner Chung - und Warner eingesprungen. Zaccour war vor der Vergabe fürstlich vom großen deutschen WM-Förderer Kirch bezahlt worden. Einer der schillerndsten Fifa-Lobbyisten erhielt Hunderttausende - offiziell für Beratung im Filmlizenzgeschäft. Überdies liegt der SZ ein Brief Bin Hammams an Chung vor, in dem der damalige Asien-Chef indirekt den Verdacht äußert, Chung habe nicht für Deutschland gestimmt. In den fünf Seiten vom 22. Mai 2002 ruft er in Erinnerung, wie Asiens Wählerquartett nach Deutschlands Sieg von Afrika-Boss Hayatou in einen Raum bestellt und dort "wie seine Diener niedergebrüllt" wurde - und dass später, im internen Kreis, Chungs Gesicht "rot wie Blut" geworden sei. Bin Hammam fragte sich, ob Chung wirklich auf Seiten Asiens sei.

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Die Unterstützung des Kanzlers für die Bewerbung dürfte ausschlaggebend dafür gewesen sein, dass Deutschland den Zuschlag bekam.   Von Hans Leyendecker, Georg Mascolo und Klaus Ott

Könnte am Ende Jack Warner Deutschland-Wähler gewesen sein - und damit der entscheidende Mann neben dem Neuseeländer Charles Dempsey, der die Wahl vor der Schlussrunde einfach verließ?