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Olympische Spiele:Die Bürger stimmten in Deutschland gegen Geschäfte mit dem Ringe-Clan

2013, als der IOC-Kongress Tokio als Austragungsort der Sommerspiele 2020 gegen Madrid und Istanbul wählte, trat erneut das Muster der Vorjahre zutage. Rund um die Vergabe flossen insgesamt 1,8 Millionen Euro aus Japan auf das Konto von Black Tidings, einer weiteren Firma um Diack junior. Eine Betreffzeile lautete: "Tokio 2020 Olympic Game Bid", Olympia-Bewerbung 2020 Tokio. Auch rekonstruierten die Ermittler einen verräterischen Mail-Verkehr zwischen den zwei Diacks. "Nach Information deines afrikanischen Kollegen scheint Scheich Ahmad alles zu tun, um die Afrikaner dazu zu bringen, für Madrid zu stimmen!!!! Wir müssen das während der Pause klären", schrieb der Filius besorgt. Vater Lamine blieb cool: "Wir können nach der Sitzung darüber sprechen." Auch Tokio beteuert, wie die Sieger zuvor, alles sei mit rechten Dingen zugegangen.

Nach der Tokio-Kür folgte nur noch eine Wahl. Für den Winter 2022 war nach vielen Absagen aus Westeuropa nur ein Duo übrig geblieben, Peking erhielt im Jahr 2015 mit 44:40 Stimmen den Zuschlag gegenüber Almaty. In Runde eins hatten die IOC-Mitglieder per Tablet abgestimmt, dann verwies die Sitzungsleitung auf technische Probleme: Weiter ging es mit Papier und Stift. Almaty wäre sportfachlich die bessere Wahl, politisch aber diffizil gewesen. Am Ende gewann Peking, alles andere als ein Wintersportklassiker.

Zuletzt im Herbst 2017, bei den Zuschlägen für Paris 2024 und Los Angeles 2028, dürfte für Korruption im klassischen Sinne wenig Platz gewesen sein. Es gab keine echte Abstimmung, die IOC-Spitze hatte eine Doppelvergabe ausgetüftelt und diskret die Reihenfolge festgelegt.

Das IOC um seinen deutschen Chef Thomas Bach suggeriert gerne, im Vergabeprozess seien alle Probleme gelöst. Es feiert sich selbst für "tiefe Reformen" und "stärkere Governance", man habe "die Seite umgeblättert". All das gehört auf den Schirm, wenn sich westliche Länder wieder um Spiele bemühen. Für den Winter 2026 melden sieben Städte Interesse an, von Calgary/Kanada bis Sapporo/Japan. Deutschland ist nicht dabei, aber es gibt nun die Initiative an Rhein und Ruhr für 2032. Auch Berlin überlegt. DOSB-Boss Alfons Hörmann ist schon euphorisch. "Die Vision Olympische Spiele in Deutschland bleibt auf unserer Agenda", sagte er unlängst, "auch gerne mit drei Ausrufezeichen."

Doch falls der Umgang von Sport und Politik mit dem systematischen Korruptionsverdacht so dezent bleibt wie bisher, dürfte das nicht das Vertrauen beim Steuerzahler stärken. Die Bürger hatten sich bei ihren Neins in den Referenden ja weniger gegen Olympia gewendet. Es ging vor allem dagegen, Geschäfte mit dem Ringe-Clan zu machen. Gerade Deutschland hat aus vielen Pleiten gelernt: Im IOC bringt eine gute Bewerbung wenig. Im Gegenteil: Die besten Bewerbungen gewannen fast nie.

© SZ vom 19.04.2018/schm
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