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Österreichs Rubin Okotie:Physisch präsent

Unweigerlich drang die Kunde jenes neuerdings treffsicheren Stürmers an das Ohr von Österreichs Nationaltrainer Marcel Koller, schon im September nominierte er ihn, doch erst im Spiel gegen Montenegro bekam Okotie seine Chance - als Ersatz für den rotgesperrten Marc Janko. Koller gab Okotie den Vorzug vor Ingolstadts Lukas Hinterseer, "ich wollte einen klassischen Stürmer vorne haben. Hinterseer ist doch jemand, der mehr aus der Tiefe kommt", sagte Koller über seinen Plan, der dann auch vortrefflich funktionierte.

Recht klassisch an Okotie ist vor allem seine Spielanlage, bei 1,88 Meter Körpergröße ist er beidfüßig veranlagt und kopfballstark. Er ist ein Mittelstürmer, der mit seiner Statur die Bälle behaupten kann im gegnerischen Strafraum, kein sprintstarker, filigraner Techniker. Der Stürmer Okotie lebt von seiner physischen Präsenz, und zuletzt hat er mehrfach betont, er sei zum ersten Mal in seiner Karriere vollkommen beschwerdefrei.

Nach vier Jahren bei Austria Wien war Okotie 2010 zum 1. FC Nürnberg gewechselt, doch der verlieh ihn nach nur vier Einsätzen zum VV St. Truiden in Belgien. Anschließend spielte Okotie ein Jahr lang für Sturm Graz, kehrte wieder zurück zu Austria Wien - und nach einem Umweg über Sønderjysk Elitesport in Dänemark, transferierte ihn Sechzigs Sportchef Gerhard Poschner nach München. All die Jahre litt Okotie unter Knieproblemen, mit 18 wurde er am Meniskus operiert, 2009 verletzte er sich erneut, Diagnose: Knorpelschaden.

Dass ihm nun ein Tor in der EM-Qualifikation gelang, das Österreich sogar an die Tabellenspitze der Gruppe G beförderte, konnte Okotie am Sonntag kaum fassen. Er wusste aber, wem er den Treffer widmen wollte: seiner künftigen Ehefrau und dem vier Wochen alten Sohn Tiamo Romero. Im vergangenen Dezember erst hatte Wiens Trainer Nenad Bjelica Okotie wegen Meinungsverschiedenheiten zunächst aus dem Kader gestrichen und anschließend nach Dänemark transferiert.

Mag sein, dass die Vaterschaft Okotie zusätzlich diszipliniert hat. Manche Dinge sind ja wirklich so einfach.

© SZ vom 14.10.2014/ska
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