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Playoff-Drama in der NHL:Das Herz rutscht in den Schlittschuh

Columbus Blue Jackets v Tampa Bay Lightning - Game One

Jubeln ganz spät: Die Spieler von Tampa Bay Lightning

(Foto: AFP)

Erst nach mehr als sechs Stunden fällt die Entscheidung: Das Playoff-Spiel zwischen Tampa Bay Lightning und den Columbus Blue Jackets verläuft dramatisch wie kaum eine andere Partie in der 102-jährigen NHL-Geschichte.

Von Jürgen Schmieder

Es war der 151. Schuss in dieser Partie, die mehr als sechs Stunden dauerte. 2:2 hatte es nach der regulären Spielzeit im ersten Duell der ersten Playoff-Runde zwischen Tampa Bay Lightning und den Columbus Blue Jackets gestanden. In den ersten vier Verlängerungen war kein Treffer gefallen. Nach einer Nettospielzeit von 150 Minuten und 27 Sekunden - länger zogen sich in der 102 Jahre dauernden Geschichte der nordamerikanischen Eishockeyliga NHL nur drei Partien hin - kullerte der Puck zu Tampa Bays Stürmer Brayden Point, und der schlenzte ihn in die linke obere Ecke.

"Ich habe nicht gezielt, sondern einfach draufgehalten", sagte Point später. Das war wohl die beste Idee angesichts des Rekordes, den der gegnerische Torwart Joonas Korpisalo mit 85 abgewehrten Schüssen aufgestellt hatte. Es war ein Schuss wie ein Blitz, der die Columbus-Spieler direkt in die Magengegend traf und gleichzeitig Dämonen für Tampa Bay verscheuchte. Denn Tampa Bay war in der vergangenen Saison die mit Abstand erfolgreichste Mannschaft der regulären Spielzeit, 100 Prozent der Experten prognostizierten mindestens die Teilnahme an der Finalserie. Doch dann gewann das Team in der ersten Playoff-Runde keine einzige Partie. Der Gegner hieß: Columbus.

Der Unterschied zwischen denen, die nicht verlieren wollen - und jenen, die gewinnen wollen

Man kann freilich immer die alte Floskel bemühen, dass die Vergangenheit in die Vergangenheit gehöre, und Trainer Jon Cooper hat genau diese Einordnung vorgenommen: "Das steht für immer in den Geschichtsbüchern, und genau da gehört es auch hin und nicht in unsere Köpfe in der Gegenwart."

Wer jedoch jemals an einem Wettkampf teilgenommen hat, der kennt dieses flaue Gefühl im Magen, wenn es in der gleichen Runde gegen den Verein geht, der einen in der Vorsaison blamiert hat. Wenn dieser Gegner in der ersten Partie mit 1:0 und 2:1 führt und in der fünften Verlängerung trotz Unterzahl eine Wahnsinnschance auf den Siegtreffer hat. Wenn das Herz im Schlittschuh steckt, weil es erst in die Hosentasche und von dort aus noch weiter nach untern gerutscht ist. Wenn der Unterschied sichtbar wird zwischen denen, die nicht verlieren wollen - und jenen, die gewinnen wollen. Man glaubt oft, das sei gerade in den Playoffs dasselbe, doch das stimmt nicht, der Unterschied ist gewaltig.

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