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Deutsche Eishockey Liga:Ein lockerer August

Co Trainer Steve Walker EHC Red Bull Muenchen an der Taktiktafel im Rahmen der Saisoneroeffnungsfe

Sommervertretung: Assistenz-Trainer Steve Walker leitete das Auftakt-Training, da Cheftrainer Don Jackson aus privaten Gründen in Nordamerika ist.

(Foto: Heike Feiner/imago)

Während Konkurrenten wie die Augsburger Panther in Kurzarbeit sind, hat der EHC München sein Training wieder aufgenommen.

Von Christian Bernhard

Den besten Blick auf das Geschehen hatte Justin Schütz. Der Stürmer des EHC Red Bull München saß auf einem Spinningrad, das in einem lichtdurchfluteten Stadion-Eingangsbereich zwischen der Südkurve und der Gegengerade der Münchner Olympia-Eishalle platziert war. Von dort sah er radelnd, wie seine Teamkollegen erstmals seit mehr als fünf Monaten wieder auf Münchner Eis Schlittschuh liefen, passten und schossen. Die Münchner starteten am Montag als erstes Team der Deutschen Eishockey Liga (DEL) mit dem Mannschaftstraining - für eine DEL-Spielzeit, die corona-bedingt erst am 13. November, und damit zwei Monate später als normal, beginnen soll.

"Etwas unentspannt" sei die lange Pause ob der Unsicherheiten gewesen, sagte Stürmer Frank Mauer, der das Mannschaftstraining "sehr vermisst" hatte und froh war, dass nun "ein bisschen Normalität" zurück ist. Wie man als Profi trainiert, wenn man weiß, dass es noch mehr als drei Monate bis zum Liga-Start sind, konnte der erfahrene Angreifer noch nicht sagen: "So wie man es kennt, ist es nicht." Für ihn geht es in den nächsten Wochen darum, ein gutes Mittelmaß zwischen "Pushen und Regeneration" zu finden, "es ist einfach eine lange Zeit ohne Wettkampf". Für den EHC wird es zumindest schon fünf Wochen vor dem geplanten DEL-Start ernst, am 7. Oktober steht sein erstes Spiel in der Champions Hockey League (CHL) bei Ilves Tampere in Finnland auf dem Programm.

Dominik Kahun bereitet sich wieder in München auf die NHL-Saison vor

Beim ersten Training nach der ungewohnt langen Pause standen der Spaß und das Bestreben, wieder ein Gefühl für das Eis zu bekommen, im Mittelpunkt. Viele Pass-Übungen sowie ein erstes lockeres Fünf-gegen-Fünf-Spiel am Ende prägten die Einheit, die ohne Derek Roy (kam erst am Tag vor dem Auftakt in München an), Bobby Sanguinetti (aus privaten Gründen noch in Übersee) und eben Schütz, der sich aufgrund einer Unterkörperverletzung auf dem Rad abstrampelte, über die Bühne ging. Für Zach Redmond war es die erste Mannschafts-Einheit mit seinen neuen Teamkameraden. Der 32-jährige offensivstarke Verteidiger aus den USA war Ende Juli mit 15 Koffern und Taschen im Gepäck in München angekommen. Mit auf dem Eis war auch Dominik Kahun. Der ehemalige EHC-Angreifer, der bei den Buffalo Sabres unter Vertrag steht, bereitet sich wie auch die vergangenen Sommer in München auf die NHL-Spielzeit vor und wirbelte in einem schwarzen Helm wie eh und je über die Eisfläche.

"Einige Spieler waren seit dem 8. März nicht mehr auf dem Eis. Sie werden Zeit benötigen, sich wieder daran zu gewöhnen", sagte Assistenz-Trainer Steve Walker, der zusammen mit Münchens Nachwuchsleiter Niklas Hede das Auftakt-Training leitete, da Cheftrainer Don Jackson aus privaten Gründen in Nordamerika ist. Erst einmal wird nach jeweils drei Trainingstagen ein Tag Pause eingelegt. "Das Training im August wird noch etwas lockerer sein, bevor es im September ernsthaft beginnt", erklärte Walker. Ob die DEL auch wirklich im November startet, ist immer noch nicht sicher. Die Liga teilte vor einer Woche mit, dass sie "beabsichtigt", am 13. November die Saison zu beginnen. Voraussetzung dafür sei "sowohl die rechtliche wie auch die wirtschaftliche Situation im Kontext der Corona-Pandemie". Spielplan gibt es noch keinen, dafür noch jede Menge Unsicherheiten.

"Geisterspiele oder Partien mit ganz wenigen Zuschauern kommen für uns nicht infrage", sagte Lothar Sigl, Hauptgesellschafter der Augsburger Panther, kürzlich der Augsburger Allgemeinen. Das Zuschauer-Thema ist das zentrale, denn etwa zwei Drittel der Einnahmen werden an den Spieltagen generiert. In der Branche ist hinter vorgehaltener Hand zu hören, dass manch einem selbst ein Ausfall der ganzen Spielzeit aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheit nicht ungelegen käme. Sigl sprach von einer "existenzbedrohenden" Krise für das deutsche Eishockey. Er glaubt zwar, dass ein paar DEL-Vereine die Saison vermutlich ohne Zuschauereinnahmen mit Geisterspielen durchstehen könnten. "Ein Großteil", betonte er, sei aber "nicht in der glücklichen Situation." Sein Verein wird so wie andere auch erst Anfang Oktober mit dem Mannschaftstraining starten, bis dahin seien die Augsburger Profis "vermutlich in Kurzarbeit".

Sando Schönberger, Kapitän der Straubing Tigers, die sich so wie die Münchner auch für die Champions Hockey League qualifiziert haben, ist sich im Moment nicht einmal sicher, dass der europäische Wettbewerb wie geplant beginnen kann. Man müsse erst einmal schauen, "ob wir in der CHL wirklich im Oktober starten", sagte er jüngst dem Straubinger Tagblatt. "Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich mir das irgendwie noch gar nicht vorstellen."

Rechnet Mauer damit, dass er im Oktober und November auf dem Eis stehen wird? "Ich hoffe es", sagte er. Ihm ist bewusst: Die Entscheidung der DEL "steht und fällt mit den Zuschauern". Was er jetzt schon weiß, ist, dass im Falle einer regulären Saison sehr viel Arbeit auf ihn und seine Kollegen zukommen würde: Ab November könnten inklusive der Playoffs bis zu 74 Pflichtspielpartien in 26 Wochen auf sie warten. Das wären im Schnitt knapp drei Spiele pro Woche.

© SZ vom 11.08.2020

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