Quarterbacks:Langsam sind alle Planstellen in der NFL vergeben

Waren sie also erfolgreich, weil sie schon als junge Spieler so gut waren - oder haben sie davon profitiert, dass ihre Vereine wegen des geringen Quarterback-Gehalts eine bessere Mannschaft hatten bauen können? Das eine schließt das andere nicht aus, genau das sorgt nun für diese Debatte, ob man Spielmachern solch hoch dotierte und langfristige Verträge geben sollte. Bei Mahomes und DeShaun Watson (verhandelt mit den Houston Texans über eine Verlängerung, die ihm mehr als 35 Millionen Dollar pro Saison bescheren dürfte) scheint die Antwort klar zu sein: Sie sind jeden Cent wert. Was jedoch bedeutet das für Leute wie Cam Newton?

Ja, er war wertvollster Spieler der Liga und hat die Carolina Panthers ins Finale geführt, das ist jedoch fünf Jahre her. Zudem plagten Newton zuletzt Verletzungen an Schulter und Fuß, wegen der Coronavirus-Pandemie sind Probetrainings und Fitnesstests derzeit untersagt - und es muss einen Grund dafür geben, dass die Panthers lieber den vier Jahre jüngeren Teddy Bridgewater für drei Jahre verpflichteten (Gesamtgehalt 63 Millionen Dollar), als das Gesicht der Franchise zu behalten.

Vor fünf Jahren hätte sich wohl die Hälfte der NFL-Klubs um Newton bemüht, doch nun fragt man sich: Ist es das wert, so viel Geld auszugeben für einen Spieler, der wegen seiner Erfolge als Diva gilt und auch so bezahlt werden will - trotz Verletzungen? Wäre es nicht sinnvoller, einen jungen und billigeren Quarterback zu holen, wie es die Cincinnati Bengals (Joe Burrow), die Miami Dolphins (Tua Tagovailoa) und die Los Angeles Chargers (Justin Herbert) soeben getan haben? Oder einen erfahrenen Quarterback wie Brian Hoyer (New England Patriots), der mit einer Million Dollar wohl nur einen Bruchteil von dem verdient, was Newton verlangt.

Newton will vermutlich kein Ersatzmann sein, doch langsam sind die Planstellen vergeben. Deshalb könnte er sich dazu entscheiden, zu Beginn der nächsten Spielzeit auszusetzen und darauf zu warten, dass sich einer verletzt, dessen Team dringend jemanden braucht, der sofort verlässlich loslegen kann - falls es keinen ordentlichen Ersatzmann gibt.

Das führt zu den Dallas Cowboys und Dak Prescott: Der will einen Drei-Jahres-Vertrag, damit er schon jetzt viel verdient - und nach dem Abschluss des nächsten TV-Vertrages der NFL noch mehr (die Gehaltsobergrenze ist immer an die Einnahmen gekoppelt, und neue TV-Kontrakte sorgen meist für einen großen Sprung). Cowboys-Besitzer Jerry Jones dagegen will Prescott entweder für eine oder gleich für fünf Spielzeiten an sich binden. Er hält nicht viel von Mätzchen bei Verhandlungen, also hat er kürzlich Andy Dalton für drei Millionen Jahresgehalt als Ersatzmann oder Nachfolger verpflichtet. Die Botschaft: Jones will Prescott schon behalten - doch nicht um jeden Preis.

© SZ vom 04.06.2020
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