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Colin Kaepernick:Er hat gezeigt, wie es geht

Eli Harold, Colin Kaepernick, Eric Reid

Sein Protest richte sich nicht gegen Soldaten oder Polizisten, erklärte Kaepernick (Mitte), sondern gegen ein System, das Schwarze unterdrücke.

(Foto: Marcio Jose Sanchez/AP)

Der Footballer Colin Kaepernick hat gewaltfrei gegen Rassismus protestiert - Donald Trump erklärte ihn zur unerwünschten Person. Doch nun, da die Gewalt eskaliert, schätzen ihn auch viele Gegner.

Es ist wichtig, sich jetzt, da es in den Vereinigten Staaten an allen Ecken und Enden brennt, noch einmal an diesen Protest gegen Rassismus und Polizeigewalt aus dem Jahr 2016 zu erinnern. Es ist der 1. September, die Football-Franchise San Francisco 49ers absolviert das letzte Testspiel vor Beginn der Saison gegen die San Diego Chargers. Colin Kaepernick, Quarterback der 49ers, randaliert während des Abspielens der Nationalhymne vor der Partie nicht, er wirft keine Steine, er redet noch nicht einmal. Er kniet.

Es ist ein Bild, das sich ins Gedächtnis von Sportfans und vielen anderen brennt, wie das Foto von Olympia 1968 in Mexiko, als die afroamerikanischen Sprinter Tommie Smith und John Carlos ihre Fäuste während der US-Hymne in den Himmel reckten. Kaepernicks Kniefall ist aber noch mehr. Die Geste wird in diesen Tagen auf eine noch höhere Ebene gehoben. Es brennt in den USA, weil der weiße Polizist Derek Chauvin vor gut einer Woche in Minneapolis sein Knie auf den Hals des Afroamerikaners George Floyd gedrückt hat. Acht Minuten und 46 Sekunden lang, dann ist Floyd gestorben. Das Bild, das niemand vergessen kann: Chauvin kniet.

Die Aufnahme von Kaepernick aus dem Jahr 2016 ist auch deshalb im Moment so bedeutsam, weil US-Präsident Donald Trump am Montag behauptete, nichts gegen friedliche Proteste zu haben - die Leute sich aber nun an all das erinnern, was Trump damals über Kaepernicks eindeutig friedlichen Protest gesagt hat: "Wäre das nicht großartig, wenn ein Vereinsbesitzer sagen würde: Schafft diesen Hurensohn vom Feld!" Oder: "Du solltest für die Hymne stehen, oder du solltest nicht spielen. Vielleicht solltest du überhaupt nicht in diesem Land sein."

Von Trump wurde Kaepernick zur unerwünschten Person erklärt

Trump hat Kaepernick damals beleidigt und zur unerwünschten Person erklärt, in der Footballliga NFL und in den USA, und genau das ist passiert: Kaepernick bekam Morddrohungen, es hieß, er sei gegen Polizisten und Soldaten und gegen das ganze Land; ein ranghoher Mitarbeiter der Liga schimpfte ihn "Verräter". Als sein Vertrag mit den 49ers im März 2017 endete, wollte ihn keines der 32 NFL-Teams verpflichten. Er ist seitdem arbeitslos, obwohl sich fast alle Experten einig sind, dass Kaepernick auch jetzt, mit 32 Jahren und nach drei Jahren Pause, ein besserer Quarterback wäre als rund ein Viertel der Stammspielmacher. Und angesichts brennender Städte stellt sich die Frage: Hat Kaepernick nicht damals gezeigt, wie das funktioniert mit friedlichem und doch kräftigem Protest?

Er ist nicht der erste US-Sportler, der seine Karriere wegen des gesellschaftlichen Engagements riskiert hat, Smith und Carlos wurden 1968 von den Spielen nach Hause geschickt. Muhammad Ali durfte in der Blüte seiner Laufbahn dreieinhalb Jahre nicht boxen, weil er sich weigerte, den Wehrdienst anzutreten, er sagte: "Kein Vietcong hat mich je Nigger genannt." Der Sport und seine Darsteller werden in den USA seit jeher politisch gesehen, gerade beim Kampf gegen Rassismus, und nun sind erstaunliche Parallelen zwischen Kaepernick und Leuten wie Smith, Carlos und Ali zu entdecken.

Sie alle wurden zunächst geschmäht für ihr Engagement; ihre Aktionen und auch ihre Worte wurden kritisch beäugt und debattiert. Erst nach Jahren änderte sich die Lesart, nun stehen sie als Symbole für den Kampf gegen Rassismus - wie auch Jackie Robinson, der erste Afroamerikaner in der Baseballliga MLB, der zu Beginn seiner Karriere im Jahr 1947 bei den Brooklyn Dodgers bei fast jedem Spiel rassistisch beleidigt wurde. Einmal grätschte ihn der Gegner absichtlich so um, dass er eine 18 Zentimeter lange Narbe am Fuß behielt. Mittlerweile wird seine Rückennummer 42 ligaweit nicht mehr vergeben, er steht als Symbol für die Haltung, auf Hass und Fouls nicht mit Gewalt zu reagieren, sondern mit grandiosen Leistungen im Spiel.

Also: Wie sehen die Amerikaner mittlerweile diesen Colin Kaepernick, der nun nach Floyds Tod auf Twitter schrieb: "Wenn Höflichkeit zum Tod führt, dann ist Revolte die einzig logische Reaktion. Die Rufe nach Frieden werden auf taube Ohren stoßen, eure Gewalt sorgt für diesen Widerstand. Wir haben das Recht, dagegen anzukämpfen. Ruhe in Kraft, George Floyd."

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