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NFL:Mit gezückter Waffe

Quinton Dunbar wird des Raubüberfalls beschuldigt.

(Foto: AP)

Zwei Footballspieler werden beschuldigt, Bargeld und Uhren erbeutet zu haben. Weil NFL-Profis immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt kommen, stellen manche nun einen Zusammenhang zwischen Football und Verbrechen her.

Es ist eine verrückte Geschichte, sie klingt wie aus der TV-Serie Ballers, die das dekadente Leben von Footballprofis thematisiert. Verlockungen (meist Geld) und Versuchungen (meist Frauen) sind omnipräsent, und die Spieler sind gewöhnt, dass es immer jemanden gibt, der sie rauspauken wird - in der Serie übernimmt das Dwayne "The Rock" Johnson als Finanzberater der Akteure.

Die Geschichte im wirklichen Leben soll sich so zugetragen haben: DeAndre Baker (New York Giants) und Quinton Dunbar (Seattle Seahawks) besuchen eine Party in Miramar, einer Kleinstadt in Florida zwischen Fort Lauderdale und Miami. Es wird gezockt, Baker und Dunbar sind mies drauf, weil sie zwei Abende zuvor etwa 70 000 Dollar verloren haben. Plötzlich zückt Baker eine halbautomatische Waffe, die beiden stehlen Bargeld und Uhren im Wert von 73 500 Dollar und brausen im Luxussportwagen davon.

Das steht im Bericht der Polizei von Miramar, die mittlerweile bestätigt hat, dass sich die beiden gestellt haben. Baker und Dunbar drohen mehrere Jahre Gefängnis, in den USA stellt man nun zwei Fragen: Warum schon wieder Footballspieler? Und wie wird die Profiliga NFL reagieren?

Dunbar, 27, ist gerade von den Washington Redskins zu den Seahawks gewechselt, er sollte in der kommenden Saison 3,4 Millionen Dollar verdienen. Danach würde er zum sogenannten Free Agent und könnte frei über seine Dienste verhandeln - muss so einer wirklich wegen 70 000 Dollar jemanden ausrauben? Baker, 22, hat bei den Giants eine ordentliche erste Profisaison hingelegt, in seinem Vertrag ist für die ersten vier Jahre ein Gesamtgehalt von 10,5 Millionen Dollar vermerkt. Die beiden sind vermögend genug, den Verlust bei der Zockerei zu verkraften; warum setzen sie mit so einer Dummheit ihre Karriere und künftige Millioneneinnahmen aufs Spiel?

Es ist auffällig, wie oft NFL-Profis mit dem Gesetz in Konflikt kommen: Laut der Zeitung USA Today sind in den vergangenen sechs Jahren 235 Spieler verhaftet worden. Bekannt sind vor allem schlimme Fälle wie Aaron Hernandez (New England Patriots), der 2015 wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt wurde und sich zwei Jahre später im Gefängnis das Leben nahm. Oder Ray Rice (Baltimore Ravens), der 2014 auf einem Video zu sehen war, wie er seine damalige Verlobte und heutige Ehefrau im Fahrstuhl niederschlug.

Es gibt nun welche, die einen Zusammenhang zwischen Football und Verbrechen herstellen. Bei Hernandez wurde nach seinem Tod festgestellt, dass er an der Gehirnkrankheit CTE litt. Die kann durch häufige Erschütterungen wie bei Zusammenstößen im Football hervorgerufen werden und für eine Veränderung der Persönlichkeit bis hin zu irrationalem und aggressiven Verhalten führen. Andere halten die Verlockungen und Versuchungen im US-Bundesstaat Florida, wo viele Spieler die Sommerferien verbringen, für zu groß. Wieder andere glauben, dass Footballspieler häufig zu Unrecht beschuldigt würden.

Das ist offenbar auch die Verteidigungsstrategie von Baker und Dunbar. Sie haben sich gestellt, saßen in Untersuchungshaft und kamen am Sonntag (Ortszeit) auf Kaution frei. Dunbars Anwalt Michael Grieco bezeichnete die Vorwürfe als haltlos: "Seine Laufbahn und sein Image sind in Gefahr, weil die übereifrige Polizei von Miramar so begeistert darüber war, einen Footballprofi zu verhaften, dass sie bei Twitter einen virtuellen Jubeltanz aufführte und sogar seinen Arbeitgeber markierte." Also: Fehler bei den Ermittlungen und Rufschädigung durch Vorverurteilung?

Die NFL hat laut Tarifvertrag die Möglichkeit, Profis wegen Fehltritten abseits des Spielfeldes zu bestrafen - auch das führte zu Debatten: Bei Rice wurde die Liga erst aktiv, als das Video vom Klatschportal TMZ öffentlich gemacht worden war. Es gibt zudem Diskussionen um angemessene Bestrafung, weil die NFL oft eine leicht zu entlarvende Strategie verfolgt: Härte zu Beginn, um den öffentlichen Furor gering zu halten; später dann Abschwächung. Als Greg Hardy 2015 seine ehemalige Freundin verprügelt und ihr gedroht hatte, sie zu töten, sperrte ihn die NFL für zehn Spiele und reduzierte später auf vier Partien.

Zum neuen Fall sagte die NFL bislang nur, dass sie informiert sei und nun recherchiere; es gebe erst mal keinen Kommentar. Es reden deshalb die Anwälte, auch Bakers Rechtsvertreter Brandon Cohen verfolgt die Strategie seines Kollegen, eine Verschwörung gegen seinen Klienten zu konstruieren: "Wir möchten die Leute bitten, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen. Uns liegen eidesstattliche Erklärungen mehrerer Zeugen vor, die unseren Mandanten entlasten. Ich glaube an das System." Ob er die amerikanische Justiz meint oder das System, dass es für begabte Sportler immer jemanden gibt, der sie rauspaukt, schrieb er nicht.

© SZ vom 18.05.2020/schm
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