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Neymar beim FC Barcelona:Er tanzt so leicht und frei

FC Barcelona vs Bayern Munich

Neymar jubelte auch im Hinspiel gegen den FC Bayern.

(Foto: dpa)

Neymar erlebt beim FC Barcelona, was die Spanier eine "Explosion" nennen: die volle Entfaltung seines Talents. Und doch verzichtet er auf manches Kunststückchen, das er eigentlich beherrscht.

Manche Zugabe hat die Wucht eines Gnadenstoßes, mag sie auch in der Eleganz geboren sein, verfeinert von einer künstlerischen Finte. Es lief schon die 94. Minute im Hinspiel Barças gegen die Bayern, da durchmaß Neymar Junior mit ausladenden Schritten das halbe Spielfeld, präsentierte sich vor Manuel Neuer, deutete einen Torschuss an, ließ den Fuß kurz hängen, zog ihn nach, schoss dann doch. Alles in einer schnellen Bewegung, in einer fließenden Geste.

Es gibt keine verbindlichen Bilder, die dieses Tor zum 3:0, zu dieser Ergebnisextravaganz, eindeutig als Beinschuss ausweisen würden. Metaphorisch funktioniert das Bild aber ganz gut. "Ney" düpierte wohl auch die letzten feinen Hoffnungen der Münchner. Seine Zugabe zwingt sie zur Öffnung von Schleusen und Räumen, zum Risikospiel - auch, wenn sie erst mal kontrolliert spielen wollen.

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Und dieses Risiko verdichtet sich nicht nur in Lionel Messi, der aus dem Spiel eine veritable Messiade gemacht hatte, oder in Luis Suárez, der sich seine Chancen mit dem Biss eines Boxers erkämpft, sondern eben auch in diesem 23 Jahre alten Brasilianer mit dem ungemein markttauglichen Lächeln und der Kälte des Vollenders. Nichts behagt ihm mehr, als wenn er mal etwas mehr Platz hat in seiner Arbeitszone, auf der linken Außenbahn, Barças fröhlicher Flanke.

Neymar erlebt gerade, was die Spanier eine "Explosion" nennen. Gemeint ist die volle Entfaltung seines Talents, gepaart mit der nötigen Dosis an statistisch Registrierbarem: Rechnet man alle Wettbewerbe, hat er nun schon 50 Tore erzielt für den FC Barcelona, dem er bald zwei Jahre angehört. In dieser Saison allein kamen schon 35 Treffer zusammen. Von allen Sturmpartnern, die Messi über die Jahre beiseite gestellt worden waren, schaffte nur Samuel Eto'o einmal noch ein Saisontor mehr. Und es bleiben ja noch einige Gelegenheiten, um diese Marke zu übertreffen. Mehr noch als die zählbare Ausbeute begeistert in Barcelona aber diese Symbiose zwischen Leo und Ney. Auch davon gibt es ein hübsches Bild aus dem Hinspiel. Da zerren sich die beiden beim Jubel gegenseitig zu Boden: Man hat Messi selten so herzhaft lachen sehen, so erlöst.

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Als Neymar im Sommer 2013 vom FC Santos zu Barça stieß, drohte eher eine Wiederholung früherer Verkrampfungen. Zumal der Brasilianer ja recht unverhohlen als Messis Erbe in spe engagiert worden war, mit viel Vorlauf: Der Argentinier war damals erst 26 Jahre alt. Die Missstimmung wurde noch von der Kunde verstärkt, dass sich der junge Zugang ein stattliches Gehalt ausgehandelt hatte, allzu nahe dran an jenem sehr großzügig bemessenen Salär des Vereinsheiligen.

Barça zahlte auch mehr als 300 000 Euro, um Neymar und seine Kindheitsfreunde im Privatjet nach Barcelona zur Präsentation des Spielers zu fliegen. Ein Riesenzirkus wurde da veranstaltet. Der damalige Präsident des Klubs, Sandro Rosell, sagte einmal, das sei ganz normal bei Transfers "solcher Spieler". Bald sollte bekannt werden, dass er nicht nur 57 Millionen Euro für Neymar bezahlt hatte, wie er es dem Finanzamt gemeldet hatte, sondern wohl etwa 90 Millionen.