Berühmte Aufholjagden:Sechs Minuten des Wahnsinns

Die Liverpooler sind Experten für gedrehte Spiele - doch auch andere Klubs haben große Aufholjagden im Europapokal hingelegt. Vom BVB-Trubel gegen Málaga bis zum "Wunder von der Grotenburg".

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Champions League Semi Final Second Leg - Liverpool v FC Barcelona

Quelle: REUTERS

Geht es noch emotionaler? Vermutlich kaum. Der FC Liverpool macht im Champions-League-Halbfinale ein 0:3 gegen den FC Barcelona wett - nach dem Treffer zum 4:0 fliegt das Stadion fast weg. Liverpool steht im Finale - und fügt den bemerkenswertesten Aufholjagden der Europapokal-Geschichte ein weiteres Kapitel hinzu. Hier unsere Auswahl der größten Spiele.

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FC Liverpool gegen Borussia Dortmund

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Quelle: Jon Super/AP

Ähnlich wie Barcelona erging es auch schon mal Borussia Dortmund. Im Viertelfinale der Europa League 2015/16 fühlte sich der BVB gegen Liverpool schon als Sieger - nach dem 1:1 im Hinspiel stand es im Rückspiel an der Anfield Roach in der 57. Minute schon 3:1 für den BVB, als Liverpool begann, diese Partie zu drehen. Erst traf Philippe Coutinho zum Anschluss, etwas später Mamadou Sakho zum Ausgleich. Als Liverpool noch ein Tor benötigte, köpfte Dejan Lovren in der 91. Minute tatsächlich ins Dortmunder Tor ein. 4:3 nach 1:3, drei Tore in 25 Minuten. Liverpools deutscher Trainer Jürgen Klopp rastete aus, er jubilierte: "Jeder hat geahnt, hier passiert noch etwas, man konnte es fühlen, man konnte es schmecken."

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FC Liverpool gegen AC Mailand

Champions League Finale 2005 - Sieger FC Liverpool

Quelle: dpa

Die Liverpooler gelten als wahre Experten in Sachen Aufholjagden. Als "die sechs Minuten des Wahnsinns" ging dieses Spiel in die Geschichte ein. Im Champions-League-Finale von 2005 lag Liverpool gegen den AC Mailand zur Pause 0:3 zurück. Aussichtslos gegen diesen übermächtigen Gegner, so das einhellige Urteil des europäischen Fernsehpublikums - bis die zweite Halbzeit begann. Trainer Rafael Benítez wechselte Dietmar Hamann ein und Steven Gerrard gelang neun Minuten nach dem Wechsel das 1:3, zwei Minuten später verkürzte Vladimír Smicer auf 2:3. In der 60. Minute dann der Ausgleich: Xabi Alonso, später bei den Bayern angestellt, verschoss zwar seinen Elfmeter, traf aber im Nachschuss zum 3:3. Die Moral Milans war gebrochen: Sie verloren im Elfmeterschießen die Nerven und auch das Finale.

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Borussia Dortmund gegen FC Málaga

Borussia Dortmund v Malaga - UEFA Champions League Quarter Final; malaga

Quelle: Bongarts/Getty Images

"Dieses Spiel war eine Explosion der Gefühle, das wird in die Geschichtsbücher eingehen", sagte İlkay Gündoğan nach dem 3:2 des BVB gegen den FC Málaga und hatte damit Recht. Diese Partie war noch ein bisschen wahnsinniger als das 4:3 in Anfield, denn hier brauchte der BVB in der 90. Minute noch zwei Tore. In der 91. Minute traf Marco Reus, in der 93. Minute drückte Felipe Santana den Ball über die Linie (Foto). Málagas Trainer Manuel Pellegrini war raus, Dortmund kam 2013 bis ins Finale.

Gündogan erzählte dann noch, dass er vor den beiden Tore ausgewechselt wurde und auf der Bank sein Gesicht im Trikot vergrub: "In diesem Moment habe ich auch nicht mehr daran geglaubt, dass wir das hier noch drehen könnten."

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Real Madrid gegen Derby County

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Quelle: imago sportfotodienst

Das erste Europacup-Wunder überhaupt gelang Real Madrid in der Saison 1975/76 im Achtelfinale des Landesmeister-Pokals gegen Derby County. Nach einer mit fehlerhaften Schiedsrichterentscheidungen gespickten 1:4-Niederlage im Hinspiel waren Netzer, Breitner und Co. schon so gut wie ausgeschieden. Im Rückspiel rettete allerdings Real ein zu Unrecht gegebener Elfmeter in die Verlängerung. "Das war sicher kein Elfmeter, aber das ist leider Fußball", sagte selbst Real-Trainer Miljan Miljanovic damals. In der Verlängerung sorgte Santillana für die 5:1-Entscheidung. Insgesamt brachte das den "Königlichen" aber nichts - zwei Runden später kam im Halbfinale gegen den FC Bayern das Aus.

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Real Madrid gegen RSC Anderlecht

Champions League - Pressekonferenz Inter Mailand

Quelle: dpa

Im Uefa-Cup-Achtelfinale gegen RSC Anderlecht in der Saison 1984/85 gerieten die Madrilenen durch eine 3:0-Hinspiel-Niederlage gehörig unter Druck. Vor den heimischen Zuschauern im Santiago Bernabéu (Bild) starteten die "Königlichen" aber mit drei schnellen Toren gleich furios ins Rückspiel, der Gegentreffer zum 3:1 war nur ein kurzer Dämpfer. Emilio Butragueño machte in der zweiten Halbzeit mit zwei seiner insgesamt drei Treffer den Viertelfinal-Einzug perfekt. 6:1 hieß es am Ende.

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Real Madrid gegen Mönchengladbach

Mönchengladbach Real

Quelle: imago

Auch der frühere Bayern-Trainer Jupp Heynckes musste einmal trauriger Zeuge eines gedrehten Spiels von Real Madrid werden, im Uefa-Cup-Achtelfinale im Dezember 1985. Heynckes war damals Trainer bei Borussia Mönchengladbach, das mit einem komfortablen 5:1-Hinspielsieg nach Madrid fuhr. Ein großes Comeback war nötig, und die Spanier kämpften sich zurück: Mit einem 4:0-Sieg im Rückspiel zogen die "Königlichen" dank des Auswärtstores in die nächste Runde ein - und stemmten schließlich nach dem Finale gegen den 1. FC Köln den Pokal in die Höhe. "Das war der schlimmste Moment meiner Karriere. Danach wollte ich kein Fußball-Trainer mehr sein", erinnerte sich Heynckes.

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Bayer Uerdingen gegen Dynamo Dresden

FUSSBALL: UEFA POKAL 85/86/BAYER UERDINGEN

Quelle: Bongarts/Getty Images

Abenteuerlich wurde es 1986 im deutsch-deutschen Duell im Europapokal der Pokalsieger. Bayer Uerdingen trug nicht nur eine 0:2-Hypothek aus dem Viertelfinal-Hinspiel in Dresden mit sich herum, zu allem Überfluss gerieten sie im Rückspiel auch noch in Rückstand. Nach einem Eigentor von Rudi Bommer hieß es im Krefelder Grotenburgstadion zur Pause 1:3. Doch nicht weniger als sechs Tore gelangen den Hausherren im zweiten Durchgang zur wohl größten Aufholjagd in der deutschen Fußballgeschichte. Der 7:3-Heimsieg bedeutete schließlich den Halbfinal-Einzug der Uerdinger. Das ZDF schien es geahnt zu haben: Das "Wunder von der Grotenburg" lief live im Fernsehen - anstelle der zeitgleich stattfinden Partie zwischen Bayern München und Anderlecht im Europapokal der Landesmeister. Das Fußballmagazin 11Freunde erkor die Partie zum "größten Fußballspiel aller Zeiten".

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Werder Bremen gegen Spartak Moskau

Werder Bremen Moskau 1987

Quelle: SZ

Wahre Spezialisten in Aufholjagden sind auch die Angestellten von Werder Bremen. Gleich viermal drehten sie in der Europapokal-Geschichte scheinbar aussichtslose Rückstände. Das erste Mal 1987 im Uefa-Cup gegen Spartak Moskau: Nach einer 1:4-Niederlage im Achtelfinal-Hinspiel siegte Werder im Rückspiel, gewann nach Toren von Frank Neubarth (2), Frank Ordenewitz, Gunnar Sauer, Karlheinz Riedle und Manfred Burgsmüller noch 6:2. Es sollte nicht das einzige "Wunder von der Weser" bleiben...

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Werder Bremen gegen Olympique Lyon

SV WERDER BREMEN - OLYMPIQUE LYON

Quelle: DPA

Ein weiteres eindrucksvolles Spiel ereignete sich 1999 im Weserstadion. Gegen Lyon ging das Hinspiel in Frankreich 0:3 verloren. In Bremen siegte Werder dann 4:0 - nach Toren von Marco Bode, Andreas Herzog, Frank Baumann und einem jungen Peruaner namens Claudio Pizarro (rechts im Bild neben Ailton). Der Vollständigkeit halber noch die anderen "Wunder von der Weser": 5:0 nach 0:3 gegen Dynamo Berlin (1988) und 5:3 nach 0:3-Pausenrückstand gegen den RSC Anderlecht (1993).

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Deportivo La Coruña gegen AC Mailand

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Quelle: imago sportfotodienst

Die Hoffnungen auf das Champions-League-Halbfinale im Jahr 2004 hatte Deportivo La Coruña nach dem Hinspiel wohl schon begraben. Im San- Siro-Stadion hagelte es eine herbe 1:4-Pleite gegen den AC Mailand. Nur noch wenige spanische Fans rechneten mit einem Comeback gegen den amtierenden Champions-League-Sieger, der mit Spielern wie Andrea Pirlo, Alessandro Nesta, Paolo Maldini und Cafu über zahlreiche Ausnahmekönner verfügte. Trotz schlechter Vorzeichen schafften die Spanier aber die Wende: Ein 4:0-Erfolg im Rückspiel bedeutete den Einzug ins Halbfinale. Dort war jedoch Endstation gegen den späteren Sieger FC Porto.

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Carl Zeiss Jena - AS Rom

FC Carl Zeiss Jena v SV Wehen Wiesbaden - 3. Liga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Das Hinspiel war eine klare Angelegenheit. Der AS Rom fegte Carl Zeiss Jena in der ersten Runde des Europapokals der Pokalsieger 1980/1981 mit 3:0 vom Platz, auch Carlo Ancelotti traf. Doch beim Rückspiel im Ernst-Abbe-Sportfeld schaffte es Trainer Hans Meyer, dass seine Mannschaft über sich hinauswuchs. Das Ergebnis: 4:0. In den folgenden Runden machte es Carl Zeiss Jena nicht ganz so spannend. Erst im Finale endete der Erfolg: Dynamo Tiflis holte den Titel.

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FC Barcelona gegen Paris Saint-Germain

FC Barcelona v Paris Saint-Germain - UEFA Champions League Round of 16: Second Leg

Quelle: Getty Images

So schwer die Trauer beim FC Barcelona derzeit wiegt, die Katalanen können auch die Jubelstürme der Liverpooler nachvollziehen. In der Saison 2016/17 vollbrachten die Katalanen selbst ein kleines Fußball-Wunder: Im Achtelfinale spielten Messi und Co. in einem dramatischen Schauspiel gegen Paris Saint-Germain die Rolle der erfolgreichen Jäger. Das Hinspiel im Prinzenpark war blamabel mit 0:4 verloren gegangen. Das Camp Nou, die Heimstätte des FC Barcelona, kann aber wie die Anfield Road eine besondere Atmosphäre heraufbeschwören. Nach 87 Minuten führte Barça 3:1 - das Ende war nahe. Doch zweimal Neymar (88./90.+1) und Sergi Roberto in der fünften Minute der Nachspielzeit (im Bild) fügten dem Mythos von Camp Nou ein weiteres Kapitel hinzu.

© Süddeutsche.de/ebc/jom/bavo
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