bedeckt München
vgwortpixel

NBA:Paul Zipser: Plötzlich im Gewand von Michael Jordan

Borse Baskets v FC Bayern Muenchen - 3rd Place Match - Beko BBL Top Four 2014

Endlich in der NBA: Paul Zipser wechselt zu den Chicago Bulls

(Foto: Daniel Kopatsch/Getty Images)

Bayern-Basketballer Paul Zipser ist ein Phänomen. Obwohl der 22-Jährige erst seit zwei Jahren regelmäßig in der Bundesliga spielt, wechselt er nun zum NBA-Klub Chicago Bulls. Ist er gut genug?

Natürlich war Paul Zipser in dieser Woche ein Thema in den amerikanischen Basketballforen. Doch richtig einig waren sich die Freunde der Chicago Bulls nicht, bei diesem legendären Klub, dem in den Neunzigerjahren Michael Jordan mit sechs Meistertiteln zu Weltruhm verhalf. Sie waren unsicher, ob dieser Paul Zisper oder Zipster, wie sie ihn despektierlich nannten, ob dieser Nationalspieler aus Germany ihrem Klub wirklich weiterhelfen könne. Schließlich hatten die Bulls in der vergangenen Saison zum ersten Mal seit langer Zeit wieder die Meisterrunde der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA verpasst. Man sollte ihm nicht gleich einen garantierten Zweijahresvertrag aushändigen, spotteten einige.

Seit Freitag müssen sich die Bulls-Fans allerdings damit arrangieren, dass Paul Viktor Louis Zipser in den nächsten zwei Jahren im Kader des traditionsreichen Klubs stehen wird. Zipser unterschrieb nach dem obligatorischen Medizincheck einen Kontrakt bis 2018. "Ich bin natürlich unglaublich glücklich und aufgeregt, dass es jetzt wirklich geklappt hat", sagte Zipser hinterher: "Ich werde alles versuchen, meine Chance auch zu nutzen."

Schon ein paar Tage vor der Vertragsunterzeichnung war bekannt geworden, dass die Bulls Paul Zipser - sie schrieben den Namen in ihrer Pressemitteilung übrigens korrekt - an sich binden wollen, nachdem sie ihn ein paar Wochen davor beim Draft, der Talentbörse der NBA, an 48. Stelle ausgewählt hatten. Doch trotz aller positiven Anzeichen war Zipser vor seinem Abflug in den US-Bundesstaat Illinois vorsichtig geblieben. Er traute der ganzen Sache noch nicht so recht. "Für mich ist es wichtig, einen garantierten Vertrag zu bekommen", hatte der 22-Jährige im Interview mit spox.de erklärt. Er ist keiner dieser Gambler, dieser Zocker, die ihr ganzes Leben auf den Kopf stellen, um den Traum von der NBA Wirklichkeit werden zu lassen.

Die Bulls-Macher sind von seinen Fähigkeiten begeistert

Zipser, geboren und aufgewachsen in Heidelberg, ist ein ruhiger und besonnener Mensch, der erst nachdenkt, bevor er spricht. Er neigt nicht zur Hybris, großspurige Parolen kommen ihm schon gar nicht über die Lippen. Er hätte sich gut vorstellen können, ein viertes Jahr in München zu verbringen und auf seine nächste NBA-Gelegenheit zu warten. Beim FC Bayern besaß er ja noch gültige Arbeitspapiere bis 2017.

Die Bulls-Verantwortlichen um Manager Gar Forman und Trainer Fred Hoiberg hatten Zipser allerdings schon länger beobachtet und wussten, dass er ein athletischer Flügelspieler ist, mit schnellen Beinen und einem feinen Händchen für den Distanzwurf, er kann ebenso furchtlos und in Höchstgeschwindigkeit zum Korb ziehen und in der Verteidigung mehrere Postionen verteidigen. Doch allein auf die hübschen Videos mit den Best-of-Szenen wollten sie sich nicht verlassen. Sie luden ihn deshalb im Frühsommer nach Italien ein, ins sogenannte Eurocamp. Bei der Schau der besten europäischen Basketballer wurde ihre gute Meinung bestätigt. Zipser war dort einer der auffälligsten Profis und wurde zum wertvollsten Spieler ausgezeichnet. "Wir hatten die Chance, ihn anzuschauen. Ivica Dukan, der für unser internationales Scouting verantwortlich ist, war extrem von ihm überzeugt", erzählt Forman.