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Deutscher Basketballer:Maodo Lo streift durchs Muckiland der NBA

Germany v Croatia - Men's Basketball Friendly

Maodo Lo hat keine Angst - er traut sich auch gegen die ganz langen Jungs zum Korb.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Noch ein deutscher Basketballer in der Millionenliga? Der Berliner Maodo Lo spielt derzeit bei den Philadelphia 76ers vor - er hat ein außergewöhnliches Hobby und berühmte Fürsprecher.

"Basketball ist wie Jazz." Dieser Satz begleitete den jungen Dirk Nowitzki durch beinahe jede Trainingseinheit. Sein Mentor Holger Geschwindner predigte ihm das Zusammenspiel von einstudierten Bewegungen und freier Entfaltung auf dem Parkett so eindringlich, dass in der Trainingshalle auch mal Musik aus den Boxen tönte. Doch womöglich muss man diesen Vergleich noch etwas weiter fassen: Basketball ist wie Kunst. Bildende Kunst. Dieser Feststellung würde Maodo Lo sicher zustimmen. Er mag das kreative Element, das beide Disziplinen vereint.

Lo und Nowitzki kennen sich seit der Basketball-EM im vergangenen September - der eine hat es mit dem Musizieren, der andere mit Skulpturen und Malerei. Und vielleicht kreuzen sich die Wege der beiden bald erneut: in der NBA, auf dem Glitzerparkett des Basketballs. Maodo Lo könnte neben dem Mann aus Dallas, Dennis Schröder (Atlanta), Tibor Pleiss (Utah) und Paul Zipser (Chicago) bald der fünfte Deutsche sein, der am Millionenspektakel der weltweit besten Liga teilnehmen darf.

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Und vielleicht werden sie in Amerika dann staunen über diesen 1,91 Meter großen Mann, der in Berlin als Sohn eines Senegalesen und einer Deutschen geboren wurde. Denn Lo stammt aus einem Künstlerhaushalt, seine Mutter heißt Elvira Bach - und die gehörte in den 80er Jahren mit ihrer figurativen Malerei zum Kreis der "Jungen Wilden". Ihre postmodernen Frauenbilder und Porträts haben es bis ins New Yorker Guggenheim Museum und ins MOMA geschafft. Da passt es, dass ihr Sohn seinen Weg in den Profi-Basketball auch im Big Apple begann. Von Berlin ging es für ihn zuerst an eine universitäre Vorbereitungsschule und dann auf die berühmte Columbia University in der Upper Westside. Das war vor vier Jahren, seitdem besucht der heute 24-Jährige regelmäßig Ausstellungen - New York ist dafür ja nicht der schlechteste Ort.

Aber noch wichtiger ist Maodo Lo der Basketball.

Schon als Kind habe er "einen Korb an mein Hochbett geklebt und so angefangen zu spielen", sagte er kürzlich in einem Interview mit dem RBB. In seiner Zeit an der Columbia hat er sich zu einem explosiven, treffsicheren Aufbauspieler entwickelt - auch dank der Freiheiten im College-Basketball, wie er erzählt: "Ich hatte dort die Chance, viel auf gutem Niveau zu spielen. Das hat mir einiges gebracht." Und wie es ihm half: In der Geschichte der Uni hat niemand mehr Dreier (277) verwandelt als dieser schüchterne Kerl mit den Krauselocken und dem Gewinnergrinsen. Gerade sein anfangs noch wackeliger Wurf hat sich zu einer echten Waffe entwickelt. Lo hat jetzt auch die Reichweite für den NBA-Dreier, den die Profis aus noch größerer Distanz abfeuern als am College oder in Europa.

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Der Sprung von der Uni ins Glitzerbusiness der NBA ist dennoch gewaltig. Muskeln, Tempo, Intensität - das Spiel ist viel physischer, viel dynamischer. Es ist weniger Kunst und mehr Kraft. Lo hat sich auch diesbezüglich stark verbessert, er kann sich gut behaupten gegen die Jungs mit den Muckis. Nun kommt es darauf an, ob er mit seinen Fähigkeiten und seinem Arbeitsethos den letzten Schritt gehen kann.

Zwar wurde er im Gegensatz zu DBB-Kollege Paul Zipser in der diesjährigen Talentziehung beim Draft nicht von einem Klub ausgewählt, aber es gibt noch eine Hintertür: die sogenannte Summer League, eine Art Vorspiel-Plattform für alle Übriggebliebenen und Vereinslosen. Die Philadelphia 76ers interessierten sich für den Point Guard aus Germany, sie gaben ihm einen Zeitvertrag für die Vorbereitungsphase, schließlich wissen die Amerikaner seit Dennis Schröders Durchbruch in Atlanta deutsche Organisationsarbeit im Spielaufbau zu schätzen.