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Nationalmannschaft:Löws Loyalität hat inzwischen Grenzen

Löw und Götze

Erfolgsduo getrennt: Joachim Löw (links) verzichtet in den nächsten Spielen auf den WM-Helden Mario Götze.

(Foto: dpa)
  • Für Bundestrainer Joachim Löw zählt vor der WM nur noch die Leistung der Spieler.
  • Die Nicht-Nominierung von Mario Götze und André Schürrle passt da ins Bild. Marco Reus bildet eine Ausname: Er soll wieder behutsam herangeführt werden.
  • Hier geht es zu den Ergebnissen im Fußball.

In der jüngsten Zeit hat man den Fußball-Bundestrainer an Orten gesehen, an denen man ihn nicht erwartet hatte, und es ergab sich dann anhand seines Auftretens immer wieder die Frage, ob er womöglich selbst das Gefühl hatte, am falschen Platz zu sein. Zuletzt tauchte Joachim Löw unter anderem in Paris und Istanbul, in Leverkusen, Stuttgart und Freiburg auf, und nicht immer erweckte er den Eindruck, als sei er wirklich überzeugt vom Zweck dieser Dienstreisen.

Neulich etwa bei der Begegnung von Bayer Leverkusen mit Schalke 04 (0:2) machten ihm mindestens zwei Dinge zu schaffen: Das Spiel an sich (das äußerst zäh war) sowie die bittere Kälte - und wahrscheinlich auch noch die penetrant gute Laune seines Nebenmannes, des Bundestorwartbeauftragten Andreas Köpke.

Fußball-WM Löw verzichtet auf Götze und Reus
DFB

Löw verzichtet auf Götze und Reus

Beide Dortmunder fehlen im Aufgebot für die ersten Länderspiele des Jahres gegen Spanien und Brasilien. Die Mittelstürmer Sandro Wagner und Mario Gomez sind dabei.

Aus Löws Umgebung heißt es, der 57 Jahre alte DFB-Coach habe nach der (beneidenswert) langen Winterpause "seine WM-Agenda gestartet", was bedeutet, dass er sich bei gesellschaftlichen Anlässen noch rarer macht als sonst und dafür häufiger in den Stadien präsent ist. Er sehe das als "Verpflichtung" gegenüber Arbeitgeber und Fanvolk. Dieses Vorgehen ist das Ergebnis geübter Praxis aus zwölf Dienstjahren (plus zwei weitere an der Seite von Jürgen Klinsmann), es ist auch ein Mittel, um sich selbst für den Höhepunkt des Jahres zu rüsten. Löw nähert sich der WM in Russland, indem er vornehmlich Dinge tut bzw. an sich heranlässt, die mit der WM in Russland zu tun haben.

Dass sich der Bundestrainer am Mittwoch nach Istanbul zum FC Bayern bemühte, wirkte allerdings angesichts des nur noch minimalen Wettkampffaktors der Partie etwas übermotiviert. Selbst wenn die Aussicht lockte, ein halbes Dutzend WM-Kandidaten live zu erleben. Zum Einsatz kamen dann zwar lediglich Jérôme Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller (sowie Sandro Wagner und Niklas Süle als Einwechselspieler), aber das hat den Bundestrainer nicht davon abgehalten, dem Kader für die beiden Testländerspiele gegen Spanien und Brasilien die volle Dosis FC Bayern zu verpassen. Auch Sebastian Rudy und Joshua Kimmich gehören dem Aufgebot an, im Geiste auch der weiterhin rekonvaleszente Torwart Manuel Neuer, dem die Mannschaftsleitung alle Türen zur WM offenhält.

"Marco soll behutsam herangeführt werden"

Während also der FC Bayern einen Schwerpunkt des Kaders bildet, ist der vormals langjährige Rivale Borussia Dortmund nicht mal mehr als Minderheit vertreten. Die letzten Reste schwarz-gelber Spuren im Aufgebot hinterlassen Spieler, die früher mal dem BVB angehörten: Mats Hummels, Matthias Ginter sowie Ilkay Gündogan. Löw hat es zwar unterlassen, am Donnerstag in Salzburg die Borussia aus der Nähe zu studieren, aber kein Dortmunder Fan und schon gar nicht der Trainer-Kollege Peter Stöger werden ihm das als Versäumnis ankreiden.

Dass André Schürrle und vor allem Mario Götze keine Einladung erhalten haben, wird nach den jüngsten Vorstellungen der beiden gemeinhin für folgerichtig gehalten. Marco Reus stellt derweil einen Sonderfall dar, wie Löw in seinem Statement zur Kadernominierung betonte: "Bei Marco ist uns wichtig, dass er behutsam und ohne weiteren Druck ans oberste Level herangeführt wird und an Stabilität gewinnt. Dazu gehört in erster Linie, dass er beschwerdefrei und fit ist und über einen längeren Zeitraum regelmäßig spielt und trainiert, seinen Rhythmus findet und dadurch Sicherheit und Vertrauen bekommt."