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DFB-Team vor der EM:"Ein bisschen Demut steht uns ganz gut"

EM-Quali 2019: DFB-Spieler nach dem Spiel gegen Weißrussland

Applaus vor tausenden leeren Sitzschalen: Die deutschen Spieler nach dem Spiel gegen Weißrussland.

(Foto: AFP)
  • Die deutsche Nationalmannschaft sichert sich die EM-Qualifikation und kann unerwartet auch noch Gruppensieger werden.
  • Das Team weiß trotzdem nicht, wo es eigentlich steht und was man bei einer Europameisterschaft erwarten kann.
  • Die Fehler der Vegangenheit will man jedenfalls nicht mehr machen - und übt sich betont in Demut.

Vor der Partie gegen Weißrussland war landauf, landab die Rede von der gesunkenen Popularität der Nationalmannschaft und vom Verdruss des Publikums, das dem Stadion in zunehmender Zahl fernbleibt. Insofern war es beinahe verwunderlich, dass 33 164 Menschen den 4:0-Sieg im Borussia-Park erlebten. Diese Leute hatten sich nicht nur über die Gefahr hinweggesetzt, womöglich ganz allein auf der Tribüne zu sitzen und dort dann als Zurückgebliebene einer aussterbenden Art ausgestellt zu werden; sie hatten erkennbar auch den Willen mitgebracht, den Abend zu genießen.

Zwar ergab sich daraus nicht gerade die einst von Heribert Faßbender beschworene südländische Begeisterung, aber auf den Rängen regte sich immerhin so viel Emotion, dass Leon Goretzka während der zweiten Halbzeit innehielt und staunte, als wieder eine Welle durch das Stadion ging. Sehr erfreut reagierten die Spieler auch auf die Begleitmusik einer südbadischen Blaskapelle namens "Yetis Stockach", die der viel gescholtene Fanclub Nationalmannschaft an den Niederrhein gelotst hatte. "Ordentlich Rabbatz" hätten die fellgekleideten Yetis gemacht, lobte der Münchner Joshua Kimmich, sie dürften "gerne wiederkommen", regte Julian Brandt an.

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Es herrschte nicht gerade Sektlaune, aber durchaus gehobene Stimmung im DFB-Lager nach dem letztlich befriedigend hergestellten Pflichtsieg, der die Qualifikation für die EM brachte und außerdem den Gruppensieg in Aussicht stellt, weil die Holländer in Nordirland lediglich ein 0:0 zustande gebracht hatten. Der Bundestrainer hätte dazu jetzt eine vergleichende Betrachtung anstellen können, sein Team hatte im September in Belfast 2:0 gewonnen und sich dabei - drei Tage nach dem stark kritisierten 2:4 gegen die Holländer - als widerstandsfähig erwiesen.

Ferner hätte Löw auch darauf hinweisen können, dass zum Beispiel der Weltmeister Frankreich große Mühen aufwenden musste, als er in der vorigen Woche 2:1 gegen Moldau gewann, aber für fachliche Belehrungen zum Zweck der Genugtuung ist zurzeit offenbar kein Platz im Diskurs. "Ich finde, ein bisschen Demut steht uns ganz gut", formulierte Julian Brandt das programmatische Motto.

Deutschland - Weißrussland

Der Filigrane mit einem robusten Abschluss: Toni Kroos (Dritter von rechzts) trifft nach einem kurzen Slalom zum 4:0.

(Foto: Federico Gambarini/dpa)

Dass nun mit einem Sieg gegen Nordirland im abschließenden Match am Dienstag in Frankfurt Platz eins gesichert werden kann, das sei zwar geeignet, die Kampagne "mit einem schönen Gefühl" zu beenden, doch erinnerte er auch daran, dass man auf dem Weg zur WM 2018 jedes Spiel gewonnen hatte. Von der damals herrschenden Selbstüberhebung sieht man nun im neuen deutschen Team entschlossen ab. Toni Kroos beließ es beim vorsichtigen Befund, "dass schon vieles besser klappt als heute vor einem Jahr" - verbunden mit der Ansage, dass da noch viele Fortschritte folgen müssten.