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Nach dem Bürgerentscheid zu Olympia:Gefahr für die Kommerzmaschine

Das ist für die Kommerzmaschine eine gefährliche Entwicklung: Funktioniert die quasi-religiöse Überhöhung humaner Premiumprodukte nicht mehr, und dringt der Heldenkult um talentierte Körperleister nicht mehr ins Gros der Wohnstuben, zerbricht der gesellschaftliche Konsens, der den Illusionsbetrieb zusammenhält. Also alle Geschütze auf Angriff: Wer das olympische Geschäftsmodell durchschaut, ist ein Spiele-Verderber.

Und so lobt Bach tapfer die Strahlkraft seines Produkts, auf das weiter alle ganz scharf seien. Die Realität: Außenseiter aus Skandinavien nutzen die Gunst der Stunde und konkurrieren mit Vertretern der olympischen Zukunft. Die liegt im Osten: China, Aserbaidschan, Ukraine. Sotschi, Pyeongchang, Tokio sind bereits durch. Die Fußball-WM gastiert 2018 in Russland und 2022 in Katar. Aus dem arabischen Raum übrigens erfuhr Bach im IOC-Wahlkampf eine ebenso starke wie umstrittene Unterstützung.

Ins Bild passt seine Begründung für den München-K.o.: Die Gegner hätten "die Vorteile einer Bewerbung leider verschwiegen"; Bevölkerungsteile hätten sich von Nein-Sagern leiten lassen. Wie unfair! Haben die Ja-Sager nicht klar alle Nachteile benannt? Bach hält also Teile der Bevölkerung für naiv, die Ja-Sager indes für kaum heller bestrahlt. Die hätten wohl "ihre Stimme nicht ausreichend erhoben oder sind gar nicht erst zur Wahl gegangen".

Aha. Bestimmt haben sie am Wahltag schon in Massen geübt, auf den prä-olympischen Hängen und Pisten.

© SZ vom 18.11.2013/sonn
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