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Jamal Musiala beim FC Bayern:Slalom auch in Madrid

Atletico Madrid v FC Bayern Muenchen: Group A - UEFA Champions League

"Er hat enorme Ruhe und Qualität am Ball, er ist im Dribbling und im Eins-gegen-Eins schwer zu stoppen": Jamal Musiala, hier im Duell mit Atlético Madrids Marcos Llorente, ist für Trainer Hansi Flick der derzeit am weitesten entwickelte Nachwuchsspieler des FC Bayern.

(Foto: Gonzalo Arroyo Moreno/Getty Images)

Bayern-Trainer Hansi Flick nutzt das 1:1 bei Atlético, um "einige Erkenntnisse" zu sammeln. Eine davon: Der 17-jährige Jamal Musiala fällt erneut positiv auf.

Von Sebastian Fischer

Man kann sich gut vorstellen, wie drei Amateurfußballer aus dem Rheinland mit Genugtuung vor dem Fernseher saßen, falls sie am Dienstagabend Fußball schauten. Marvin Störmann, David Pütz und Jannis Becker heißen die Spieler des Fünftligisten 1. FC Düren, die bislang in undankbaren Rollen für den Beweis der Begabung von Jamal Musiala herhalten mussten. Es war Mitte Oktober, als die drei beim Dürener 0:3 gegen den FC Bayern in der ersten Runde des DFB-Pokals nacheinander vom 17-jährigen Musiala ausgedribbelt wurden.

Nun, am Dienstag, konnten Störmann, Pütz und Becker sehen: Ein Fußballer wie Atlético Madrids Verteidiger Mario Hermoso, immerhin fünfmaliger spanischer Nationalspieler, sieht gegen Musiala auch nicht zwangsläufig besser aus.

Das 1:1 des FC Bayern bei Atlético Madrid war nicht unbedingt ein Spiel, in dem es um das Ergebnis ging, schließlich standen die Münchner schon vorher als Gruppenerster und Achtelfinal-Teilnehmer in der Champions League fest. So war es eine Partie, in der es um "einige Erkenntnisse" ging, wie Trainer Hansi Flick, der viel gewechselt und experimentiert hatte, hinterher erklärte. Und auch wenn er diese Erkenntnisse nicht alle öffentlich ausbreiten wollte - um die Preisgabe von einer kam er nicht herum: Ja, Musiala habe ein gutes Spiel gemacht.

Neunmal hatte Flick im Vergleich zum 3:1 gegen Stuttgart am Wochenende gewechselt. Manuel Neuer, Robert Lewandowski und Leon Goretzka waren in München geblieben, zur Schonung vor dem Topspiel in der Bundesliga gegen Leipzig am Samstag. Auch Thomas Müller und Serge Gnabry saßen deshalb zunächst auf der Bank. Musiala spielte von Beginn an auf der Müller-Position. Bright Arrey-Mbi, ein zweiter 17-Jähriger, spielte überhaupt zum ersten Mal, als linker Außenverteidiger in einem System mit drei Innenverteidigern, was so auch eine Seltenheit bleiben dürfte.

Zu den Erkenntnissen gehörte zwar, dass es gegen tief verteidigende Spanier Müller und Gnabry brauchte, um das Führungstor von Joao Felix aus der 26. Minute auszugleichen. Sie kamen nach einer Stunde, und schließlich holte Müller einen Elfmeter heraus, den er in der 86. Minute selbst verwandelte. Arrey-Mbi, eigentlich Innenverteidiger, sah beim Gegentor nach einem Einwurf, das über seine Seite fiel, nicht ganz glücklich aus. Und Musiala war in der Schlussphase, als der Ausgleich gelang, nicht mehr auf dem Platz. Doch bis zu seiner Auswechslung nach 76 Minuten war er der auffälligste Münchner.

Musiala windet sich um die Gegner herum

Er war zum Beispiel auffälliger als Flügelspieler Leroy Sané, der erstmals seit rund einem Monat mal wieder die Chance von Beginn an erhielt. Der Nationalspieler, den Flick zuletzt zu mehr Aufmerksamkeit für die Defensive ermahnt hatte, landete durch die vielen Wechsel in der zweiten Halbzeit zwar zwischendurch auf der linken Außenverteidigerposition, ohne dabei negativ aufzufallen. Einen gefährlichen Torabschluss hatte er diesmal aber nicht vorzuweisen.

Musiala, der auch auf dem Flügel spielen kann, aber am besten im offensiven Zentrum ist, gewann Raum mit seinen Dribblings, spielte ein paar kleine Pässe, die ein feines Gefühl für den Raum um sich herum andeuteten, setzte nach, wenn es sein musste. Und nach 30 Minuten dribbelte er aufs Tor zu, dass es an sein Solo gegen Düren im Oktober erinnerte. Damals lief er im Slalom auf engstem Raum im gegnerischen Sechzehner um drei Gegner herum und schoss ans Außennetz. Diesmal schoss er aus etwas weiterer Distanz zwar ein bisschen weiter vorbei, aber den Verteidiger Hermoso spielte er vorher mit einer ähnlich geschmeidig-schnellen Bewegung aus. Der Spanier schüttelte beim Zurücktraben entgeistert mit dem Kopf. "Er hat enorme Ruhe und Qualität am Ball, er ist im Dribbling und im Eins-gegen-Eins schwer zu stoppen", sagte Flick

Körperlich hat Musiala noch Nachholbedarf, sagt Flick

Musiala kam, genau wie der deutsche U17-Nationalspieler Arrey-Mbi, im Sommer 2019 aus der Jugend des FC Chelsea ans Campus genannte Nachwuchsleistungszentrum nach München. Musiala ist in Stuttgart geboren, doch ist nach zwei Einsätzen für die deutsche U16 vorerst englischer Junioren-Nationalspieler, zuletzt gab er sein Debüt für die englische U21. Empfohlen hatte er sich mit einer Reihe an auffälligen Offensivaktionen und bereits zwei Toren, gegen Schalke und Frankfurt, nach fünf Einwechslungen in der Bundesliga. Im Pokal gegen Düren hatte er sein Debüt in der Startelf gegeben, zuletzt gegen Bremen spielte er erstmals in der Liga von Beginn an.

Flick sagte am Dienstag ungefähr wortgleich, was er oft sagt, wenn er nach Musiala gefragt wird: Dass man vorsichtig sein müsse, ihn zu loben, dass er körperlich noch Nachholbedarf habe im Duell mit Erwachsenen, "da arbeiten wir dran". Tatsächlich wirkt Musiala auch im Vergleich mit anderen ähnlich jungen Talenten in der Bundesliga, zum Beispiel seinem englischen Kumpel Jude Bellingham von Borussia Dortmund, noch etwas jugendlicher und schmächtig. Aber, auch das betont Flick stets: "Was rein fußballerisch zu sehen ist, da kann der FC Bayern sehr zufrieden sein." Die Vorsicht beim Loben, sie könnte in Zukunft schwieriger werden.

© SZ/schm
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