Borussia Mönchengladbach:"Jetzt kriegen wir unser Endspiel"

Borussia Moenchengladbach v FC Internazionale: Group B - UEFA Champions League

Auch ein Faktor für den Sieg von Inter Mailand: Romelu Lukaku.

(Foto: Getty Images)

Wegen einer umstrittenen Abseitsentscheidung verpasst die Borussia ein 3:3 gegen Inter Mailand. Doch die Gladbacher wollen nicht lamentieren - unter Umständen nutzt ihnen die Niederlage sogar.

Von Ulrich Hartmann, Mönchengladbach

Es muss nicht das Schlechteste gewesen sein, dass den Fußballern von Borussia Mönchengladbach kurz vor Schluss der Ausgleichstreffer annulliert worden ist, dass sie also mit 2:3 (1:1) verloren haben gegen Inter Mailand im vorletzten Gruppenspiel der Champions-League-Vorrunde. Natürlich haben sie sich aufgeregt, haben lautstark angezweifelt, dass der Treffer von Alassane Plea nach Videostudium aberkannt wurde, weil Breel Embolo beim Torschuss im Abseits gestanden und Inter Mailands Torwart damit verunsichert haben soll.

Aber: Hätte der Treffer gezählt und Gladbach damit zum 3:3-Endstand ausgeglichen, dann wäre Mailand raus gewesen aus Achtelfinal- und Europa-League-Hoffnungen und hätte dann Schachtar Donezk kommenden Mittwoch im für Inter bedeutungslosen Gruppenfinale wer weiß was für eine Mannschaft entgegengestellt. Donezk hätte vielleicht gewonnen und Gladbach womöglich bei Real Madrid verloren - und wäre als Dritter raus gewesen: Trostrunde durch die Europa League.

So aber, und nur weil Gladbachs Ausgleich nicht zählte, geht es bei Inter und Donezk um etwas, weil nur der Sieger dieser Partie ins Achtelfinale einzieht für den Fall, dass Real gegen Gladbach gewinnt. Und sollten Inter und Donezk sich beim Kampf um den Sieg am Ende unentschieden trennen, dann stünde Gladbach selbst bei einer Niederlage in Madrid im Achtelfinale. Man sieht also: Es wird wild und ein bisschen kompliziert nächsten Mittwoch in der Gruppe B. "Und wir sind noch mittendrin", sagt der Trainer Marco Rose. Das war die beste Nachricht nach Gladbachs Niederlage gegen Inter.

Niemand hätte gedacht, dass vor dem finalen Spieltag noch alles offen sein würde. Es ist die spannendste aller acht Gruppen der Champions League. Die ursprünglichen Favoriten Real Madrid und Inter Mailand stehen auf den Plätzen drei und vier, aber das Drehbuch will es so, dass sie beide mit Heimsiegen kommende Woche eben doch noch auf die Plätze eins und zwei springen können. Gladbach und Donezk aber werden ihre Rollen als Rebellen weiterspielen, und wer weiß, wie die Tabelle am Ende dann wirklich aussieht. "Jetzt kriegen wir unser Endspiel", sagt Borussias Mittelfeldspieler Christoph Kramer. Und ein Unentschieden in diesem Endspiel würde ihnen sogar fürs Achtelfinale reichen.

"Jetzt müssen wir es halt in Madrid klarmachen"

Die Borussen haben sich selbst auch im fünften Champions-League-Spiel dieser Saison nicht enttäuscht. Nach zwei Unentschieden in Mailand und gegen Madrid sowie zwei Kantersiegen gegen Donezk haben sie Inter auch im Rückspiel einen offenen Kampf geliefert, haben ein 0:1 wettgemacht und um ein Haar sogar ein spätes 1:3. Nachdem in Mailand und gegen Madrid späte Gegentore Anlass für Enttäuschung gegeben hatten, waren es diesmal zwei Schiedsrichter-Entscheidungen: vor dem Gegentreffer zum 1:2 wurde Marcus Thuram im Mittelfeld gefoult. Dieser Ballverlust leitete den Treffer ein. Und ob Embolo beim vermeintlichen 3:3 wirklich störend im Sichtfeld des Mailänder Torwarts Handanovic stand, das war selbst in der x-ten Wiederholung nicht endgültig aufzulösen. "Die Abseitskonstellation bei Breel ist nicht so, dass er den Torwart behindert. Dann ist es auch egal, ob er hochspringt. Das Tor kann man geben", sagte Rose bei Dazn. Kramer sah es abwägender. "Aus der Gladbach-Brille sage ich, dass es ein ganz klares Tor ist. Wenn wir das Gegentor kassieren, bin ich ganz klar der Erste, der dort reklamiert."

Die Borussen wollten aber nicht lange lamentieren. Solch dramatische Faktoren gehören zum Gesamterlebnis Champions League. "Wir sind weiterhin in der Verlosung und haben sogar die beste Ausgangssituation aller vier Mannschaften", sagt Kramer. "Jetzt müssen wir es halt in Madrid klarmachen", sagt Rose und weiß, wie keck das klingt. Aber es ist genau dieser Anspruch, mit dem die Gladbacher überhaupt in den Showdown am finalen Spieltag gelangt sind: Dass sie nicht in Ehrfurcht erstarren, sondern einfach mitspielen auf dem Niveau solcher Topteams wie Real und Inter. "Das haben uns nicht viele zugetraut", sagte Rose am späten Dienstagabend genüsslich, und es klang, als nähmen sie diese Erkenntnis mit in die Zukunft - egal, wie die ganze Sache ausgeht am nächsten Mittwoch. Im schlimmsten Fall müssten sie danach in der Europa League weiterspielen, hätten mit ihrer kämpferischen Einstellung aber vielleicht umso bessere Chancen, dort sehr weit zu kommen.

© SZ.de/schm
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