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Voraussichtlicher Bayern-Zugang Arturo Vidal:Anarchische Wuchtbrumme

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Spielt mit viel Wucht: Arturo Vidal, möglicher Zugang des FC Bayern

(Foto: imago)

Nach dem Weggang von Bastian Schweinsteiger steht der FC Bayern vor der Verpflichtung von Arturo Vidal. Der Chilene soll die große Anfälligkeit bei Kontern reduzieren.

Das Mannschaftsfoto gehört zum Kulturgut jeder Saisonvorbereitung, also haben sie sich am Donnerstag beim FC Bayern alle artig eingefunden. Franck Ribéry schlüpfte sogar wieder in Fußballschuhe, obwohl er noch mehrere Wochen lang fehlen wird. Arjen Robben kniff die Augenbrauen zusammen, wegen muskulärer Probleme flog er am Abend nicht mit zur neuntägigen China-Reise. Schließlich stellten sich alle Spieler in vier akkuraten Reihen auf, spannten die Brustkörbe, fertig war das Mannschaftsfoto. Komplett war es nicht. Ein Spieler, der das Auftreten der Mannschaft bald prägen könnte, muss in all den Bundesliga-Sonderheften vermutlich noch zusätzlich eingeblockt werden: der Chilene Arturo Vidal.

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Während die Spieler für das Foto posierten, verdichteten sich die Anzeichen für einen kleinen Transfer-Coup. Italienische Insider berichteten am Donnerstag, dass der FC Bayern und Juventus Turin, Vidals bisheriger Verein, bereits über die Ablösesumme verhandeln; Juve soll zunächst 40 Millionen Euro gefordert haben, zehn Millionen mehr, als der FC Bayern ursprünglich zahlten wollte. Angeblich haben sich die Klubs ungefähr in der Mitte getroffen. Derzeit bespricht sich Vidal, der gerade in Florida Urlaub macht, noch mit seinem Berater, anschließend geht es um letzte Details des Fünfjahresvertrags, auch die sportmedizinische Untersuchung steht noch aus. Aber die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering, dass der Wechsel des 28-Jährigen platzen könnte. Nach SZ-Informationen wird Arturo Vidal in Kürze ein Münchner sein.

Vidal zum FC Bayern, das wäre einer der spektakuläreren Transfers der jüngeren Vereinshistorie - zumal er eine pikante Vorgeschichte hat.

Die teuersten Transfers mit Bundesliga-Profis

Roberto Firmino * 41 Mio. Euro, 2015, von der TSG Hoffenheim zum FC Liverpool

Javier Martinez 40 Mio. Euro, 2012, von Athletic Bilbao zum FC Bayern

Mario Götze 37 Mio. Euro, 2013, von Borussia Dortmund zum FC Bayern

Edin Dzeko 37 Mio. Euro, 2010, vom VfL Wolfsburg zu Manchester City

Arturo Vidal 35 Mio. Euro, 2015, von Juventus Turin zum FC Bayern

Mario Gomez 35 Mio. Euro, 2009, vom VfB Stuttgart zum FC Bayern

André Schürrle 32 Mio. Euro, 2015, vom FC Chelsea zum VfL Wolfsburg

Douglas Costa 30 Mio. Euro, 2015, von Schachtjor Donezk zum FC Bayern

* Summen zum Teil geschätzt

2011 war der FC Bayern schon mal stark interessiert, per Handschlag hatten sich Klub und Spieler bereits geeinigt. Knapp 20 Millionen Euro soll der FC Bayern Vidals damaligem Arbeitgeber Bayer Leverkusen geboten haben - doch dann wechselte der Mittelfeldspieler plötzlich nach Italien, zu Juventus, für acht Millionen Euro weniger. "Dass Vidal nicht kam, bedauere ich überhaupt nicht. Solche Spieler möchte ich beim FC Bayern nicht haben" - das sagte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge anschließend, und: "Vidal spielt jetzt bei einem Klub, der bestens zu ihm passt." Und Uli Hoeneß, der damalige Präsident, schimpfte: "Da wurde ein Wort gebrochen." Böse Worte waren das. Doch sie beruhten offenbar auf einem Missverständnis. An dem ganzen Hickhack um Vidal war eine Person völlig unschuldig: Vidal.

Erst in diesem Sommer klärte Kaderplaner Michael Reschke, der bis vor einem Jahr in Leverkusen arbeitete, seine neuen Bosse in München auf: Vidal wollte damals tatsächlich nach München - aber genau diesen Wunsch wollten sie in Leverkusen blockieren. Wenige Wochen zuvor war Trainer Jupp Heynckes von Leverkusen nach München gewechselt, über seine Zukunftspläne hatte er seine Chefs lange im Unklaren gelassen. Das verübelten sie ihm offenkundig - und verwehrten ihm trotzig den Wechsel seines Wunschspielers Vidal. In den vier Jahren in Turin hat sich Vidal zu einem der bissigsten und begehrtesten Mittelfeldspieler der Welt entwickelt, auch Real Madrid und der FC Arsenal sollen zuletzt an ihm interessiert gewesen sein. Für die Bayern war es sicher ein Vorteil, dass Reschke den Spieler seit acht Jahren kennt; auch nicht geschadet haben dürfte, dass Rummenigge und Juve-Präsident Andrea Agnelli sich von den Sitzungen der European Club Association, der Interessenvertretung der europäischen Fußballvereine, kennen und schätzen.