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Kampfsport:Wie gefährlich ist Mixed Martial Arts?

Mixed Martial Arts - Ultimate Fighting Championship (UFC) Fight Night - Mens Heavyweight Bout - Arena Zagreb

Die MMA-Kämpfer Ben Rothwell (r.) und Junior Dos Santos beim Kampf in Zagreb.

(Foto: REUTERS)
  • Nach dem Tod des portugiesischen Kämpfers João Carvalho wächst die Kritik am Mixed Martial Arts.
  • Aber ist der Sport, der jahrelang aus dem deutschen Fernsehen verbannt wurde, wirklich so gefährlich?

Die umstrittene Kampfsportart Mixed Martial Arts hat einen tragischen Todesfall zu beklagen. Der portugiesische MMA-Kämpfer João Carvalho ist im Alter von 28 Jahren am Montag an den Folgen einer in einem Kampf erlittenen Verletzung gestorben. Carvalho war zwei Tage zuvor während eines Kampfabends in Dublin in einem Fight gegen den Iren Charlie Ward technisch k. o. gegangen.

Carvalho war nach dem Kampf bei Bewusstsein, 20 Minuten nach dem Abbruch verschlechterte sich sein Zustand aber drastisch. "Carvalho wurde sofort medizinisch betreut und ins Krankenhaus eingeliefert, wo er sich einer Notoperation des Gehirns unterzog", heißt es in einer Mitteilung seines Vitor-Nóbrega-Teams. Nach der OP habe er sich in einem kritischen Zustand befunden, ehe er am Montag um 21.35 Uhr Ortszeit starb.

Was ist MMA?

Mixed Martial Arts (gemischte Kampfkünste) ist ein Vollkontakt-Kampfsport bei dem Techniken aus zahlreichen Kampfsportarten wie Boxen, Taekwondo, Muay Thai und Karate erlaubt sind. Dabei bestehen wenige Regelbeschränkungen. Erlaubt sind Schlag- und Tritttechniken sowie Knie- und Ellbogenstöße. Die Kämpfer, die in unterschiedliche Gewichtsklassen eingeteilt sind, befinden sich in einem achteckigen Käfig, dem Oktagon. Ein Sieg kann durch Aufgabe, K. o., Abbruch des Schiedsrichters oder Punkte errungen werden.

Wie gefährlich ist MMA?

Da Gegner auch am Boden attackiert werden dürfen, steht der Sport häufig in der öffentlichen Kritik. Neben Bandagen und Handschuhen sind Mund- und Tiefschutz die einzigen Protektoren der Kämpfer. Seit 2007 gibt es laut der irischen Zeitung Mirror 13 bekannte Todesfälle bei Mixed-Martial-Arts-Kämpfen. In Zusammenhang mit Boxkämpfen kam es zu deutlich mehr tödlichen Zwischenfällen. Die Manuel Velazquez Collection, ein Datenarchiv für Todesfälle im Boxen, listet 103 tote Sportler allein zwischen 2000 und 2010 auf. Wissenschaftler in den USA beobachteten, dass die Verletzungsrate beim MMA in etwa auf dem Niveau anderer Kampfsportarten liege, die Gefahr einer Hirnschädigung beim Boxen wahrscheinlich sogar höher sei.

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Wie beliebt ist MMA?

In den USA ist Mixed Martial Arts längst beliebter als Boxen, weil die Zuschauer die Sportart wegen der verschiedenen Kampfstile und der wenigen Beschränkungen spektakulärer finden. Die 196. Auflage der amerikanischen Ultimate Fighting Championship (UFC), der bekanntesten MMA-Organisation, verfolgten weltweit mehr als 100 Millionen Zuschauer. Die Sportart wird auch in vielen Ländern Europas immer beliebter und lockt zum Teil Zehntausende Zuschauer in die Hallen.

Wer sind die bekanntesten Kämpfer?

Der Ire Conor McGregor ist der größte Name der Szene. Durch seinen Kampf gegen Nate Diaz soll er mehr als zehn Millionen Euro eingenommen haben. Auch Frauenkämpfe sind deutlich populärer als im Boxen. Die UFC-Kämpferin Ronda Rousey gehört zu den bestbezahlten Sportlerinnen der Welt und spielte bereits in mehreren Hollywood-Filmen mit.

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Schläge am Boden

Der Tod des 28 Jahre alten Portugiesen João Carvalho nach einem Kampf in Irland wirft die Frage auf, wie weit der Kampfsport gehen darf.

Wie steht MMA in Deutschland da?

In Deutschland fristet MMA hingegen immer noch ein Nischendasein. Das liegt unter anderem daran, dass lange Zeit Übertragungen der UFC aufgrund der extremen Gewaltdarstellung aus dem deutschen Fernsehen verbannt wurden. Die Bayerische Landeszentrale für neue Medien setzte das Verbot 2010 durch. Mittlerweile wurde dieses durch das Verwaltungsgericht München jedoch wieder aufgehoben. Die UFC-Veranstaltung im Juni 2015 in Berlin verfolgten 8000 Zuschauer vor Ort. Der bekannteste Deutsche Kämpfer ist Nick Hein. Der ehemalige Polizist konnte von seinen bisherigen vier UFC-Kämpfen drei für sich entscheiden.

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