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Abseits beim BVB:Die kalibrierte Linie hat immer recht

Borussia Dortmund - Borussia Mönchengladbach

Zu früh gefreut: Sascha Stegemann (l.) verweigert den Dortmundern um Marco Reus das 1:0.

(Foto: dpa)

Die Abseitsentscheidungen des Video-Assistenten wie im Fall von Marco Reus beim BVB sind oft nur schwer nachzuvollziehen. Sie werden noch für lautstarke Debatten sorgen.

Als sich vor ein paar Jahren der Profifußball endlich entschloss, den Schiedsrichtern einen Video-Assistenten an die Seite zu stellen, hatte das nicht zuletzt auf das Thema "Abseits" positive Auswirkungen. Beim Handspiel ist ja immer viel dehnbarer Kuddelmuddel dabei, und bei Fouls ist vieles Bewertungssache. Doch beim Abseits gibt es in der Regel nur Schwarz und Weiß - außer bei manchen Debatten darüber, ob bei einem Torschuss ein Spieler im passiven Abseits stand oder den gegnerischen Torhüter behinderte. Bei knappen Abseits-Entscheidungen sendet die Kölner Video-Zentrale (VAR) eine kalibrierte Linie ins Land, und gut ist's: Ach ja, dort stand der Angreifer im Moment der Ballabgabe, es war knapp, aber halt Abseits. Thema zu!

Am Samstag nun hat trotz oder gerade wegen des VAR eine Abseitsszene bei vielen Fans und Beobachtern im Land wieder viel Aufregung erzeugt. In der 33. Minute schoss Dortmunds Thorgan Hazard gegen Gladbach den Ball ins Netz, aber der Schiedsrichter gab kein Tor - wegen eines Hinweises aus Köln. Bei einem Pass rund zehn Sekunden zuvor habe sich die Hacke von Marco Reus im Abseits befunden, wenn auch nur ein paar Millimeter. Selbst für den TV-Zuschauer war das kaum nachzuvollziehen, von den Protagonisten im Stadion ganz zu schweigen.

Dies war nicht der erste Streitfall dieser Art. Grundsätzlich gilt natürlich, dass auch ein Millimeter-Abseits ein Abseits ist, da kann es anders als beim zu schnellen Fahren mit dem Auto nur schwerlich einen Toleranzabzug geben. Aber unabhängig von der Reus-Szene gibt es in VAR-Zeiten auch beim Abseits ein Thema, das ein wenig an die dehnbaren Auslegungen beim Handspiel erinnert. Und das trägt den schönen Namen "Abspielimpuls".

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Es zählt nicht der Moment, in dem der Ball den Fuß verlässt

Denn die kalibrierte Linie entsteht ja nicht komplett computergesteuert. Sondern es braucht in der Videozentrale jemanden, der mithilfe mehrerer Hochgeschwindigkeitskameras den exakten Zeitpunkt der Ballabgabe identifiziert und auf einen Knopf drückt - dann wird geschaut, wo genau sich die Spieler befanden, und die Linie berechnet. Diesen Zeitpunkt zu bestimmen, ist allerdings nicht so einfach. Denn nach dem Diktum der Verantwortlichen beim Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zählt nicht der Moment, in dem der Ball den Fuß verlässt. Sondern der Moment, Achtung, "in dem der Impuls zum Abspiel kommt. Der Moment, in dem der Ball quasi am Fuß und auf dem Weg ist, den Fuß zu verlassen."

Das klingt dann leider nicht mehr nach hundertprozentiger Klarheit, sondern ein bisschen nach Gedankenlesen. Denn zwischen Abspielimpuls und tatsächlichem Abspiel können ein paar Millisekunden liegen, in denen sich der Passempfänger ein paar Millimeter bewegen kann. Auch wenn der DFB erklärt, dank der hochauflösenden Kameras genau den richtigen Moment treffen zu können.

Dortmunds Verantwortliche haben das nicht gegebene Tor am Samstagabend nicht groß thematisiert. Aber es ist nicht schwer, sich vorzustellen, wie lautstark eine Debatte werden kann, wenn eine solche Szene eine Mannschaft betrifft, die ihr Spiel nicht gewinnt.

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