Tod von Manfred Burgsmüller Manni, das Schlitzohr

213 Tore in 447 Bundesliga-Spielen: Manfred Burgsmüller als Kapitän im Trikot von Borussia Dortmund.

(Foto: Frinke/imago)

Beim BVB Kapitän und Fan-Idol, in Bremen Held der Ottokratie, immer eine Kultfigur des Fußballs: Die Bundesliga trauert um Stürmer Manfred Burgsmüller.

Nachruf von Javier Cáceres

Wie sehr die Zeit, in der Manfred Burgsmüller groß wurde, eine andere war, das konnte man in seinen späten Karrierejahren unter anderem an seinem Werkzeug sehen. An seinen Fußballschuhen.

Burgsmüller war, als Mittdreißiger, bei Werder Bremen gelandet, und er trug Schuhe, die aussahen, als seien sie so alt wie er selbst. Sie waren natürlich schwarz, vor allem aber erkennbar an allen Ecken und Enden geflickt, von Händen, die im Umgang mit Nadel und Faden eher ungeübt gewesen sein müssen und die Schuhe frankensteinesk wirken ließen - zumal das Logo der Firma, die Werder Bremen damals ausstattete, von Hand mit weißer Farbe auf die Schuhe gemalt worden war. Wer weiß, warum Burgsmüller so viel Liebe zu den Schuhen entwickelt hatte? Vielleicht deshalb, weil er einer Kultur entstammte, in der man Schuhe nicht wegwarf. Vielleicht auch nur, weil man Schuhe nicht wegwarf, mit denen man traf. Und Manni Burgsmüller traf ja sehr oft: 213 Mal in 447 Bundesligaspielen - er ist damit noch immer der viertbeste Schütze der ewigen Bestenliste des Oberhauses. Und mit 135 Toren ist er der beste Bundesligaschütze von Borussia Dortmund.

Kapitän, Publikumsliebling und "Trainerkiller"

Das Milieu, aus dem Burgsmüller stammte, war das Ruhrgebiet der Nachkriegszeit. Er wurde in Essen geboren, im Gründungsjahr der Bundesrepublik, und das wiederum hieß, dass er um zweierlei gar nicht umhinkam: ums Fußballspielen - und darum, sich eine instinktive Schlitzohrigkeit anzueignen, die ihm das Überleben sicherte.

Burgsmüller begann das Fußballspielen beim VfB 08 Rellinghausen, wechselte dann zwischen Rot Weiss Essen und Bayer Uerdingen hin und her, bis er 1976 in Dortmund landete. Er wurde dort Kapitän, Publikumsliebling und als "Trainerkiller" betitelt: "Die Trainer, mit denen ich gut ausgekommen bin, sind auch heute noch im Geschäft. Die anderen sind verschwunden", sagte er. Und er schoss so viele Tore, dass er auch zum Thema für die Nationalelf wurde. Zu mehr als drei Berufungen aber reichte es nicht, 1978 nahm ihn Bundestrainer Helmut Schön nicht mit zur WM nach Argentinien. Zuvor hatte er Burgsmüller öffentlich geraten, "auf dem Teppich zu bleiben". Burgsmüller antwortete lapidar: "Ich dachte, wir spielen auf Rasen." Offiziell war Burgsmüller dem Bundestrainer übrigens zu alt - mit 29 Jahren.

Das Alter sollte später eine andere, bedeutendere Rolle in der Vita Burgsmüllers spielen. Zu den Trainern, mit denen er sich verstand, zählte nämlich seit seinen BVB-Tagen Otto Rehhagel, der ihn 1985 zu Werder holte. Burgsmüller, zuvor auch kurz in Nürnberg aktiv, war soeben bei Rot-Weiß Oberhausen als 35-Jähriger Schützenkönig der zweiten Liga geworden; Rehhagel hatte sich, mit Schlapphut verkleidet, von einer Stehtribüne aus vergewissert, dass Burgsmüller seinem Credo entsprach: "Es gibt keine jungen und alten, sondern nur gute und schlechte Spieler." Burgsmüller wurde in Bremen zum Helden der Ottokratie - und 1988 mit Werder zum ersten und einzigen Mal deutscher Meister.

Das Idol einer ganzen Generation

Unvergessen blieb vor allem ein Tor gegen Gerry Ehrmann vom 1. FC Kaiserslautern aus dem Jahr 1986, das all den Instinkt Burgsmüllers abbildete, und das er selbst später so schilderte: "Der Ehrmann hält den Ball, ich lieg' so neben dem Tor, rappel mich wieder auf und will wieder zur Mitte. Da seh' ich, wie der Gerry vor sich hinpennt, geh' zu ihm und schubs' dem mit der Hand die Pille aus dem Arm. Da fällt der Ball auf den Boden, und ich schieb ihn rein." Nach seinem Karriere-Ende spielte Burgsmüller noch eine Zeit lang American Football. Aber er blieb immer eine Kultfigur der Bundesliga. Er war ihr vielleicht bester Stürmer, der nie Torschützenkönig wurde, wegen der Müllers, Hrubeschs, Rummenigges, und wie sie alle hießen.

Am Montagabend bestätigte der BVB eine Meldung der Bild, wonach Burgsmüller am Wochenende im Alter von 69 Jahren in seinem Haus in Essen eines natürlichen Todes gestorben sei.

"Er war das Idol einer ganzen Generation. Ich habe ihn sehr gerne Fußballspielen gesehen", sagte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke.

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