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Champions League:Öl und Gas im Halbfinale

Champions League - Quarter Final Second Leg - Borussia Dortmund v Manchester City

Von Abu-Dhabi finanziert: Manchester City steht im Halbfinale der Champions League.

(Foto: Pool via REUTERS)

Mit ManCity, Paris und Chelsea stehen drei Klubs im Halbfinale, deren Entscheider an fossilen Brennstoffen mitverdienen. Die Uefa sollte endlich sagen, was aus dem Financial Fair Play wird.

Kommentar von Martin Schneider

Wer sich der Gruppe der "Fußballromantiker" zugehörig fühlt, dem ist das natürlich sofort aufgefallen. Paris Saint-Germain: gehört faktisch Katar. Manchester City: gehört faktisch Abu-Dhabi. Der FC Chelsea: gehört faktisch dem russischen Öl-und-Gas-Oligarchen Roman Abramowitsch. Nur Real Madrid ist nicht verkauft, hat aber eine Fluglinie aus den Vereinigten Arabischen Emiraten als Hauptsponsor.

Drei von vier Halbfinalisten der Champions-League 2021 gehören damit Eignern, die sich im weitesten Sinne aus fossilen Brennstoffen finanzieren. Man kann das als statistischen Zufall sehen, immerhin spielen alle drei Klubs schon länger in der europäischen Oberklasse. Und dass sie sich nun dank Auslosung und Leistung im Halbfinale ballen, ist wenig überraschend.

Fakt ist aber natürlich auch, dass alle drei Vereine zu Europas Fußball-Elite zählen, weil sie sehr viel Geld in Spieler stecken. Der Europaverband Uefa rechnet bei seinen Quotienten ja immer in einem Zehn-Jahres-Zeitraum, und guckt man sich die vergangenen Dekade an, dann gehören just diese drei Klubs unterm Strich (Transferausgaben und -einnahmen gegengerechnet) zu den vier größten Geldschleudern.

Manchester City steht mit Transferausgaben von mehr als einer Milliarde Euro auf Platz eins, dahinter schiebt sich Manchester United zwischen das Trio, aber dann kommen schon Paris und Chelsea - der FC Bayern landet auf Platz neun. Diese Statistik basiert auf geschätzten Werten, doch einen Überblick gibt sie trotzdem. Und dass gerade in der dichten Corona-Saison ein qualitativ starker breiter Kader hilfreich ist, ist unstrittig.

Chelsea steckte im Sommer 2020, in dem alle Klubs wegen der unklaren Pandemielage vor Ausgaben zurückschrecken, 200 Millionen Euro in Kai Havertz, Timo Werner, Hakim Ziyech und weitere Zugänge. Ob sie das ohne Oligarch im Rücken auch tun könnten, ist spekulativ - aber spekulativ mit einer klaren Tendenz. Im Detail ist die Sache immer ein bisschen komplizierter, zum Beispiel war Chelsea zuvor mit einer Transfersperre belegt und konnte lange Zeit gar nicht auf dem Markt aktiv sein - und dann ist da ja noch das Financial Fairplay der Uefa.

Die Uefa befindet sich im Machtkampf mit den einflussreichen Vereinen

Die Regel, die grob besagt, dass man als Klub nicht mehr ausgeben darf als man einnimmt, soll eigentlich verhindern, dass man sich blind zum Titel kaufen kann. ManCity hatte unlängst einen Prozess wegen Verstößen am Hals, wobei ein naheliegender Verdacht verhandelt wurde: dass der Klub direkte Zuschüsse aus der Wüste weit über Marktwert als "Sponsorengelder" etikettiert hatte. Der Prozess endete mit einem umstrittenen Freispruch für City vor dem internationalen Sportgerichtshof Cas - und die Frage, was in Zukunft aus der Regel wird, ist nicht beantwortet.

Das liegt auch daran, dass die Uefa sich im Machtkampf mit den einflussreichen Vereinen befindet. Die treten über ihren eigenen Zusammenschluss ECA grob zusammengefasst so auf: Wir wollen (noch mehr) Einfluss auf das System der Uefa-Wettbewerbe - oder wir gründen unseren eigenen Wettbewerb, Stichwort Super League!

Der Uefa sollte in dieser Gemengelage bedenken: Wenn der Verband dem Geld keine Grenzen setzt, dann werden Champions-League-Halbfinals mit Klubs, deren Entscheider dort sitzen, wo das Geld sitzt, über Jahre keine Ausnahme mehr sein. Und Klubs, die sich nicht an Scheichs und Oligarchen verkaufen wollen und in diesen Gremien sitzen, die sollten das auch bedenken.

© SZ/mok/bek
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