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Roberto Mancini:Wenn der Nationaltrainer eine tumbe These teilt

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Im Abseits nach seinem Instagram-Post: der italienische Nationaltrainer Roberto Mancini.

(Foto: Claudio Villa/Getty Images)

Italiens Coach Roberto Mancini sorgt mit dem Post eines Comics zu Covid-19 für Entrüstung. Seine Entschuldigung fällt halbherzig aus - und die Sache hat eine Vorgeschichte.

Von Oliver Meiler, Rom

Ein Ausrutscher ist ein Unfall, ein Unglück. Rutscht jemand in kurzer Zeit gleich drei Mal aus, jedes Mal gleich, ist das unerhört viel Pech. Oder, eher: Vorsatz.

Roberto Mancini, 55 Jahre alt und seit 2018 erfolgreicher und gefeierter "Commissario Tecnico" der italienischen Nationalmannschaft, steht gerade mitten in einem Sturm, den er selbst ausgelöst hat - zuletzt mit einem Post auf Instagram zu Covid-19, einem Comic mit Sprechblasen. Man sieht einen Patienten im Krankenhaus, neben ihm sein Pfleger. Der Pfleger: "Hast du eine Idee, wie du erkrankt bist?" - Der Patient: "Beim Nachrichtenschauen."

Die Botschaft lässt wenig Raum für Interpretationen. Diese Pandemie, findet "Mancio" also, sei ein Hype, hochgepeitscht von den Medien. Die Folge? Eine Psychose, die einen krank mache. Nun ist das natürlich insgesamt eine entwaffnend tumbe und obendrein pietätlose These, die gut ins Repertoire von Negationisten und Relativisten passt. Erstaunlich ist aber auch, dass er sie ausgerechnet jetzt herumpostet, wo die Infektionen wieder dramatisch zunehmen, die Krankenhäuser sich füllen, Menschen um ihr Leben kämpfen.

Kaum war der Post online, setzte ein gewaltiger Shitstorm ein, den der Trainer mit einem Tweet zu bändigen suchte. "Ich habe doch nur eine Zeichnung geteilt, von der ich glaubte, sie entdramatisiere diesen so komplizierten Moment." Wenn er damit die Gefühle von Kranken verletzt habe, entschuldige er sich. Nun, eine echte Entschuldigung hört sich anders an. Es ist ja eben nicht das erste Mal, dass sich Mancini in dieser Sache - sagen wir mal - eigentümlich geäußert hat.

"La Stampa" schreibt, Mancini habe mit dem Comic ein Foul im Strafraum begangen

Neulich legte er sich mit dem italienischen Gesundheitsminister an. Der hatte erklärt, der Fußball sei keine nationale Priorität, die Schule aber schon - und darum öffne die Regierung die Schulen wieder, während die Stadien fast ganz geschlossen blieben. In Italien dürfen maximal 1000 Zuschauer zu den Spielen. Mancini sagte darauf, der Minister möge nachdenken, bevor er rede, es gebe nämlich auch ein Recht auf Sport.

Die Sache mit den leeren Stadien ärgert ihn so sehr, dass er sich auch mit dem Verband anlegte. Und da er hinter dem Verbot einen viel größeren politischen Zusammenhang zu erkennen glaubt, dünkte es ihn angebracht, in einem Post mit dem Titel "Die Macht der Angst" einen Satz zu paraphrasieren, der in sozialen Netzwerken zuletzt fälschlicherweise Hermann Göring zugesprochen wurde - und auch für Mancini dort seinen Ursprung hat. "Um die Menschen zu versklaven, braucht man ihnen nur Angst zu machen." So stand es dann auf Mancinis offiziellem Konto bei Instagram.

La Stampa schreibt, Mancini habe mit dem Comic ein Foul im Strafraum begangen, elfmeterwürdig also. "Der Trainer der Nationalmannschaft ist ein kleiner Premierminister." Gerade in Italien. Bei ihm habe jedes Wort Konsequenzen. Jeder Ausrutscher, jede Grätsche.

Anm. d. Red.: In einer früheren Version des Textes stand, dass das Zitat im vorletzten Satz Hermann Göring zuzuschreiben ist und während der Nürnberger Prozesse gefallen sein. Das ist nicht korrekt und wurde entsprechend angepasst.

© SZ vom 24.10.2020/chge
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