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Mainz 05:Noch ein paar Minuten für Elkin Soto

1. FSV Mainz 05 v FC Bayern Muenchen - Bundesliga

Er kommt tatsächlich noch einmal zurück: Elkin Soto.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Vor einem Jahr verletzte sich Elkin Soto so schwer, dass alle vom Karriereende des Mainzers ausgingen. Doch es passieren wundersame Dinge.

Manchmal reicht ein Schlag und alles ist vorbei. Elkin Soto hat den Schlag gespürt, für ihn hätte es vorbei sein müssen: ein Rempler von Rafael van der Vaart, ein Luftloch, der Körper des Gegenspielers über dem eigenen - und am Ende ein linkes Bein, das am Kniegelenk in die falsche Richtung abknickt.

Das war am 3. Mai des vergangenen Jahres, 31. Bundesliga-Spieltag, der FSV Mainz 05 verlor 1:2 gegen den Hamburger SV, aber das war egal, weil am Ende alle über Sotos kaputtes Knie sprachen. Das Knie und die Karriere, die damit beendet sein sollte. Mit einem Schlag. Drei Wochen später lief sein Vertrag aus. Dass es für Elkin Soto trotzdem weiterging, erzählt viel über die Beziehung zwischen dem FSV Mainz und diesem besonderen Spieler.

Ein Jahr nach seiner "Horror-Verletzung" (alle Medien) ist Soto in dieser Woche wieder ins Mainzer Mannschaftstraining eingestiegen. Sein vorderes Kreuzband, sein Innenband, der Meniskus: alles wieder heil. "Ich bin total froh, wieder mit den Jungs auf dem Platz zu stehen", sagt er. Und: "Ich will in dieser Saison noch ein paar Minuten spielen. Das ist mein Ziel." Sonst sagt er nichts. Soto, der Schweigsame. Er genießt jetzt.

"Werde in Ruhe gesund, dann hast du hier einen Anker"

Der Mainzer Manager Christian Heidel hatte ihm noch am Tag der schlimmen Verletzung eine Vertragsverlängerung angeboten. Der Kolumbianer wollte nach acht Jahren in Deutschland mit seiner Familie in die südamerikanische Heimat zurückkehren. Dann traf ihn dieser Schlag. Jetzt sollte Soto die volle medizinische Versorgung erhalten. Und die Unterstützung in Mainz. "Werde in Ruhe gesund, dann hast du hier einen Anker", sagte Trainer Martin Schmidt.

Menschlichkeit im kalten Profifußball: ein Wunder? "Für mich war das keine Überraschung", sagt Bo Svensson, ehemaliger Mainzer Profi, heute U17-Coach und damals Co-Trainer der Bundesliga-Mannschaft: "Elkin hat schon immer einen hohen Stellenwert hier in Mainz gehabt, bei den Fans und in der Mannschaft. Er ist so eine zentrale Persönlichkeit im Verein. So einen Spieler lässt man nicht einfach fallen." Das ist Mainzer Understatement, denn natürlich drängt sich die Frage auf, wie andere Klubs in einer vergleichbaren Situation gehandelt hätten.

Elkin Soto kam 2007 nach Mainz. Da war er 26 Jahre alt und hatte mit dem kolumbianischen Klub Once Caldas schon die Copa Libertadores gewonnen, die südamerikanische Champions League. Trainer in Mainz war ein gewisser Jürgen Klopp, der Soto nur vom Fernseher kannte. Nach Ansicht des Bildmaterials sagte er damals: "Ich habe selten so eine eindrucksvolle DVD gesehen." Dann tauchte dieser 1,78 Meter große kolumbianische Nationalspieler mit den flinken Füßen und dem strammen Linksschuss auf.

Er wurde zur Mainzer Identifikationsfigur, stieg mit dem Klub in die Bundesliga auf. "Elkin war über die Jahre immer sehr zuverlässig und in ein paar Saisons außergewöhnlich gut. Da hat er für mich zu den besten Sechsern der Liga gehört", sagt sein Kumpel Svensson, der ein halbes Jahr später nach Mainz gekommen war. Sie laufen sich regelmäßig über den Weg und quatschen. Wie Soto denn so drauf sei, jetzt wo er wieder trainiere? "Er ist sehr klar, sehr positiv - eigentlich so, wie er immer war", sagt Svensson.

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